„Österreichisch-deutscher Regisseur“
Der junge Filmemacher Patrick Vollrath ist mit „Alles wird gut“ in der Kurzfilm-Kategorie für den Oscar nominiert. Aufgewachsen in Deutschland und filmisch sozialisiert in Wien, geht der 31-Jährige quasi für zwei Staaten ins Oscar-Rennen. Sollte er sich durchsetzen, will Vollrath den Gewinn in beide Länder tragen.
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Mit der Bezeichnung „österreichisch-deutscher Regisseur“ könne er „gut leben“, sagte Vollrath unlängst im APA-Gespräch. Am 16. Februar 1985 in Bad Grund, einem kleinen Dorf in Niedersachsen, geboren, absolvierte Patrick Vollrath nach der Schule vorerst eine Ausbildung zum Film- und Videoeditor in München und arbeitete als Cutter. Weil es ihn jedoch auf den Regiestuhl zog, bewarb er sich bei mehreren deutschsprachigen Filmhochschulen, „und die Filmakademie war die einzige, die mich genommen hat“, sagte Vollrath. „Am Ende war sie die beste, die mir passieren konnte.“
2008 begann er sein Regiestudium in der Klasse des Oscar- und Goldene-Palme-Preisträgers Michael Haneke. Im Rahmen seines Studiums, das er im März 2015 mit Auszeichnung abschloss, entstanden unter anderem die auf Festivals gezeigten Kurzfilme „Die Jacke“, „Sleeping Perv is world-famous for 5 minutes“ und „Ketchup Kid“, wobei stets sein Mitstudent und Freund Sebastian Thaler die Kamera übernahm. 2011 und 2013 gewann Vollrath mit Spots den Werbe-Nachwuchswettbewerb „Cannes Young Lions Österreich“ in der Kategorie Film.
Vater-Tochter-Drama räumte zahlreiche Preise ab
Der wahre Preisregen aber sollte erst folgen: Im Jänner 2015 wurde sein Abschlussfilm „Alles wird gut“ als bester mittellanger Film mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet, im Mai folgte die Einladung in den Kurzfilmwettbewerb der „Semaine de la Critique“ bei den Filmfestspielen von Cannes, wo Vollrath als neues Talent gewürdigt wurde.
Seitdem erhielt das 30-minütige Vater-Tochter-Drama mehr als 20 Festivalpreise, den mit 15.000 Euro dotierten First Steps Award, den bronzenen Studenten-Oscar in der Auslandskategorie und den Österreichischen Filmpreis. Ein Jahr nach der Uraufführung folgte als bisherige Krönung die Nominierung für den Oscar in der Kategorie „Best Live Action Short Film“ - für Vollrath „wie WM-Finale, höher geht’s nicht“.
Inspiriert von einem Medienbericht über eine Kindesentführung erzählt „Alles wird gut“ von einem Vater (Simon Schwarz), der seine achtjährige Tochter (Julia Pointner) an einem Wochenende von seiner Ex-Frau abholt und heimlich außer Landes bringen will. Vollrath verantwortete in Personalunion Drehbuch, Regie, Produktion und Schnitt; die Bilder schuf Thaler. Das Ergebnis lobte Haneke, der beim Feinschliff half, als „einen berührenden Film, der von der ersten bis zur letzten Sekunde fesselt“, „intensiv und höchst spannend erzählt“ und „außergewöhnlich beeindruckend gespielt“ ist.
Kein „verzweifeltes“ Streben nach Hollywood
„Verzweifelt“ nach Hollywood strebt Vollrath nun trotz des Rummels nicht, wenn auch James Camerons 3-D-Katastrophenfilm „Titanic“ in ihm einst den Wunsch geweckt hatte, Regisseur zu werden. „Das hat mir die ganze Magie des Filmemachens aufgezeigt“, meinte Vollrath im Studenten-Oscar-Porträt des Branchenblatts „Hollywood Reporter“. „Es hat mir eine ganz neue Welt eröffnet.“
Auch Steven Spielberg sei bis heute ein Vorbild, „ich habe noch immer ein ‚E.T.‘-Poster in meinem Zimmer hängen“. Von der mit Preisen verbundenen Aufmerksamkeit erhofft sich Vollrath in erster Linie, „dass sie mir mehr Möglichkeiten in Deutschland und Österreich bringt“, so Vollrath. Wien bleibt Vollrath vorerst erhalten, hier bereitet er mit Novotny Film aktuell sein Langfilmdebüt vor und hat bereits einen zweiten Film in Planung.
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