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Angriff könnte Wahlkampfthema werden

In den USA herrschen nach dem Schussattentat in Dallas (Texas), bei dem fünf Polizisten getötet wurden, Schock und Trauer. Präsident Barack Obama verurteilte die Tat als „bösartig, kalkuliert und verabscheuungswürdig“. Der republikanische Präsidentschaftswerber Donald Trump sprach davon, dass sich die Nation „zu sehr gespalten“ habe. Seine wahrscheinliche demokratische Konkurrentin Hillary Clinton sagte, es müsse mehr zum Schutz der Polizei getan werden.

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Zugleich forderte Clinton am Freitag die Einführung nationaler Richtlinien für den Einsatz von Gewalt und tödlicher Gewalt von Polizisten. Der Angriff in der texanischen Stadt dürfte damit zum Wahlkampfthema werden. Clinton hatte bereits am Mittwoch erklärt, Vorfälle wie in Louisiana beschädigten das Vertrauensverhältnis zwischen den Bürgern und der Polizei.

In Baton Rouge in Louisiana war am Mittwoch ein 37 Jahre alter Afroamerikaner von Polizisten auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und aus nächster Nähe erschossen worden. Kurz danach starb in Falcon Heights (Minnesota) ein Schwarzer, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle auf ihn geschossen hatte.

Trump: „Rassenunruhen haben zugenommen“

Die beiden Todesfälle waren die Auslöser der Friedenskundgebung in Dallas Donnerstagabend, am Rande derer die tödlichen Schüsse fielen. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Trump bezeichnete die Tat als „entsetzlich“, verurteilte aber gleichzeitig die jüngsten „sinnlosen Tode“ zweier Schwarzer durch Polizeischüsse, die der Auslöser der Proteste in Dallas waren.

ARD-Journalist zu den Attentaten

ARD-USA-Korrespondent Ingo Zamperoni berichtete in der ZIB2 über den neuesten Stand der Ermittlungen und über die möglichen Motive des Schützen.

„Unsere Nation hat sich zu sehr gespalten. Zu viele Amerikaner haben das Gefühl von Hoffnungslosigkeit“, erklärte Trump weiter. „Rassenspannungen haben zu- statt abgenommen. Das ist nicht der amerikanische Traum, den wir für unsere Kinder wollen.“ Der Milliardär, der in der Vergangenheit eher durch rassistische und spaltende Aussagen über mexikanische Einwanderer und ausländische Muslime von sich reden machte, fuhr fort, es sei an der Zeit für „starke Führung, Liebe und Mitgefühl“.

US-Justizministerin Loretta Lynch rief zum Zusammenhalt auf. Es sei eine Woche tiefen Kummers und herzzerreißender Verluste gewesen, sagte sie bei einer Pressekonferenz in Washington - auch mit Blick auf die Tode zweier Afroamerikaner durch Schüsse von Polizisten. „Gewalt ist nie die Antwort“, sagte Lynch. „Taten müssen unsere Antwort sein - ruhige, gemeinschaftliche und entschlossene Taten.“ Die Amerikaner müssten sich erinnern, dass sie ein gemeinsames Herz und eine gemeinsame Seele hätten. „Wenden wir uns einander zu, nicht voneinander ab.“

„Widerliche“ Gewalt

Die „Black Lives Matter“-Bewegung verurteilte den Angriff. Man stehe für Menschenwürde, Gerechtigkeit und Freiheit - nicht für Mord. Eine frühere Lebensgefährtin des kürzlich im US-Staat Louisiana von Polizisten getöteten Afroamerikaners hat die Gewalt gegen die Polizei in Dallas verurteilt. „Wir lehnen von ganzem Herzen die verwerflichen Gewaltakte ab, die gegen Mitglieder der Polizei von Dallas verübt wurden“, sagte die Ex-Partnerin von Alton Sterling. Egal wie aufgebracht die Menschen seien, hieß es weiter, solche „widerliche Gewalt“ dürfe nicht toleriert werden.

Verdächtiger hortete Waffenarsenal

Indes wurden weitere Details zum mutmaßlichen Schützen bekannt. Am Freitagabend bestätigte die Polizei Medienberichte, wonach es sich bei dem Schützen um Micah Xavier J. aus Mesquite bei Dallas handelt.

In der Wohnung des mutmaßlichen Schützen in Dallas fand die Polizei jede Menge Waffen und paramilitärisches Material, auch zum Bombenbau. Bei ihm zu Hause seien auch Schutzwesten, Munition, Gewehre und ein Handbuch für den bewaffneten Kampf gefunden worden. Außerdem seien afronationalistische Schriften aufgetaucht.

Er habe keine kriminelle Vergangenheit. Er sei Armeeveteran und als Einzelgänger beschrieben worden. Laut Mitteilung des Weißen Hauses hatte der Schütze keine Verbindungen zu terroristischen Organisationen. Mehr als 200 Polizisten seien vernommen worden, wie die Behörden mitteilten.

Polizei sucht weitere Verdächtige

Der Verdächtige hatte sich nach den Schüssen bei der Demonstration mehrere Stunden in einem von der Polizei umstellten Parkhaus verschanzt. Dort kam es zu langen Verhandlungen, bei denen der Täter sein Motiv erläutert habe, wie der Chef der Polizei von Dallas, David Brown, sagte: Er sei „wütend“ über die jüngsten Fälle erschossener Schwarzer und auf Weiße gewesen. Er habe Weiße, vor allem Polizisten, töten wollen. Auch seine Wut auf die „Black Lives Matter“-Bewegung habe er bei den Verhandlungen kundgetan.

Der Mann habe während der Verhandlungen selbst angegeben, als Einzeltäter ohne Verbindungen zu nationalen oder internationalen Gruppen gehandelt zu haben. Allerdings befinden sich derzeit immer noch drei Personen, darunter eine Frau, in Polizeigewahrsam. Die Personen werden vernommen, zeigten sich bei den Ermittlungen aber nicht kooperativ, erklärte Bürgermeister Mike Rawlings im Sender CBS.

Brown betonte, man wolle auf der Suche nach weiteren Verdächtigen „jeden Stein umdrehen“. Die Behörden würden allerdings zunächst nur wenige Informationen an die Öffentlichkeit geben. Zugleich kündigte er an: „Wir werden euch finden, euch belangen und zur Rechenschaft ziehen.“

Mit Roboter und Sprengsatz getötet

Der Mann habe zudem erklärt, dass in der Stadt Bomben versteckt seien, so die Polizei. „Er hat gesagt, er wird mehr von uns töten“, sagte Brown bereits im Vorfeld. Tatsächlich wurde kein Sprengstoff gefunden. Es war laut US-Medien eine der schlimmsten Massenschießereien in der Geschichte der US-Polizei.

Polizisten am Tatort

AP/LM Otero

Weite Bereiche der Innenstadt von Dallas wurden abgesperrt

Nach fehlgeschlagenen Verhandlungen und einem Schusswechsel tötete die Polizei den Mann mit Hilfe eines Roboters, der einen Sprengsatz in die Nähe des Schützen gebracht habe, sagte Brown. Die Polizisten hätten keinen anderen Ausweg gesehen, nachdem die Verhandlungen gescheitert seien. Zuvor hatte es geheißen, dass sich der Mann selbst umgebracht habe.

„Es ist eine verheerende Nacht gewesen“, erklärte die Polizei über Twitter. CNN sprach vom tödlichsten Tag für die Polizei in den USA seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Damals seien 72 Polizisten ums Leben gekommen.

Schüsse aus erhöhter Position

Insgesamt zwölf Polizisten - davon drei Frauen - und zwei Zivilisten waren während einer antirassistischen Demonstration aus erhöhter Position und versteckten Winkeln mit halbautomatischen Scharfschützengewehren angeschossen worden. Drei schwer verletzte Polizisten befinden sich laut Angaben Browns mittlerweile außer Lebensgefahr. Wie viele Täter tatsächlich beteiligt waren, blieb vorerst unklar. Die Beamten hätten sich ohne Schutzmöglichkeit auf das Feuer zubewegen müssen.

„Die Schüsse kamen vom Dach“, sagte ein Demonstrant dem Sender KTVT. Nach den Schüssen auf die Polizisten war Panik ausgebrochen. „Wir dachten, die schießen auf uns. Es war das totale Chaos.“ Ein Augenzeuge filmte aus einem Hotel heraus den Schützen. Als sich ein Polizist dem Mann genähert habe, habe dieser den Beamten regelrecht hingerichtet, sagte Ismael Jesus, dessen Aufnahmen von dem US-Sender CNN veröffentlicht wurden.

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