Mann bezeichnete sich als Einzeltäter
Nach den tödlichen Schüssen bei einer Demonstration in der US-Stadt Dallas mit fünf toten Beamten hat die Polizei Details zu einem der Verdächtigen bekanntgegeben. Jener mutmaßliche Schütze, der sich stundenlang in einem Parkhaus verschanzt hatte und dann - entgegen erster Berichte über einen Suizid - von der Polizei getötet worden war, habe aus Wut über getötete Afroamerikaner und Hass auf Weiße gehandelt, so Polizeichef David Brown.
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Der verdächtige Schütze hatte sich nach den Schüssen bei der Demonstration mehrere Stunden in einem von der Polizei umstellten Parkhaus verschanzt. Dort kam es zu langen Verhandlungen, bei denen der Täter sein Motiv erläutert habe: Er sei „wütend“ über die jüngsten Fälle erschossener Schwarzer und auf Weiße gewesen. Er habe Weiße, vor allem Polizisten, töten wollen. Auch seine Wut auf die „Black Lives Matter“-Bewegung habe er bei den Verhandlungen kundgetan.
Der Mann wurde mittlerweile identifiziert. Es handelt sich um einen 25-Jährigen aus dem Großraum Dallas, der keine kriminelle Vergangenheit und keine bekannten Verbindungen zu terroristischen Gruppen habe. Wie die US-Army bestätigte, war er Mitglied bei der Reservekomponente des Heeres der Vereinigten Staaten und habe auch Dienst in Afghanistan geleistet.
Polizei sucht weitere Verdächtige
Der Mann habe während der Verhandlungen selbst angegeben, als Einzeltäter ohne Verbindungen zu nationalen oder internationalen Gruppen gehandelt zu haben. Allerdings befinden sich derzeit immer noch drei Personen, darunter eine Frau, in Polizeigewahrsam. Die Personen werden vernommen, zeigten sich bei den Ermittlungen aber nicht kooperativ, erklärte Bürgermeister Mike Rawlings im Sender CBS.
Brown betonte, man wolle auf der Suche nach weiteren „jeden Stein umdrehen“. Die Behörden würden allerdings zunächst nur wenige Informationen an die Öffentlichkeit geben. Zugleich kündigte er an: „Wir werden Euch finden, Euch belangen und zur Rechenschaft ziehen.“ Hinweise auf eine Verbindung des Schützen zu terroristischen Organisationen gebe es nicht, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, Freitagabend am Rande des NATO-Gipfels in Warschau.
Mit Roboter und Sprengsatz getötet
Der Verdächtige habe zudem erklärt, dass in der Stadt Bomben versteckt seien, so die Polizei. „Er hat gesagt, er wird mehr von uns töten“, hatte Brown bereits im Vorfeld erklärt. Tatsächlich wurde kein Sprengstoff gefunden. Es war laut US-Medien eine der schlimmsten Massenschießereien in der Geschichte der US-Polizei.

AP/LM Otero
Weite Bereiche der Innenstadt von Dallas wurden abgesperrt
Nach fehlgeschlagenen Verhandlungen und einem Schusswechsel tötete die Polizei den Mann mit Hilfe eines Roboters, der einen Sprengsatz in die Nähe des Schützen gebracht habe, sagte Brown. Die Polizisten hätten keinen anderen Ausweg gesehen, nachdem die Verhandlungen gescheitert seien. Im Vorfeld hatte es geheißen, dass sich der Mann selbst umgebracht habe. Drei schwer verletzte Polizisten befinden sich laut Angaben von Brown mittlerweile außer Lebensgefahr.
Schüsse aus erhöhter Position
Insgesamt zwölf Polizisten - davon drei Frauen - und zwei Beamte waren während einer antirassistischen Demonstration aus erhöhter Position und versteckten Winkeln mit halbautomatischen Scharfschützengewehren angeschossen worden. Mehrere Polizisten wurden verletzt. Wie viele Täter tatsächlich beteiligt waren, bleibt noch unklar. Die Beamten hätten sich ohne Schutzmöglichkeit auf das Feuer zubewegen müssen.
„Die Schüsse kamen vom Dach“, sagte ein Demonstrant dem Sender KTVT. Nach den Schüssen auf die Polizisten war Panik ausgebrochen. „Wir dachten, die schießen auf uns. Es war das totale Chaos.“ Ein Augenzeuge filmte aus einem Hotel heraus einen der Schützen. Als sich ein Polizist dem Mann genähert habe, habe dieser den Beamten regelrecht hingerichtet, sagte Ismael Jesus, dessen Aufnahmen von dem US-Sender CNN veröffentlicht wurden.
„Widerliche“ Gewalt
US-Präsident Barack Obama verurteilte die tödlichen Angriffe von Heckenschützen auf Polizisten in Dallas mit scharfen Worten. „Es hat einen bösartigen, kalkulierten und verabscheuungswürdigen Angriff auf Sicherheitskräfte gegeben“, sagte Obama am Freitag auf einer Pressekonferenz bei dem NATO-Gipfel in Warschau. Auch die „Black Lives Matter“-Bewegung verurteilte den Angriff. Man stehe für Menschenwürde, Gerechtigkeit und Freiheit - nicht für Mord.
Auch eine frühere Lebensgefährtin des kürzlich im US-Staat Louisiana von Polizisten getöteten Afroamerikaners hat die Gewalt gegen die Polizei in Dallas verurteilt. „Wir lehnen von ganzem Herzen die verwerflichen Gewaltakte ab, die gegen Mitglieder der Polizei von Dallas verübt wurden“, sagte die Ex-Partnerin von Alton Sterling in einer Mitteilung vom Freitag, wie mehrere US-Medien berichteten. Egal wie aufgebracht die Menschen seien, hieß es weiter, solche „widerliche Gewalt“ dürfe nicht toleriert werden.
Zwei Afroamerikaner erschossen
Wegen Polizeigewalt gegen Schwarze in Städten wie Ferguson, Baltimore oder New York kommt es in den USA seit zwei Jahren immer wieder zu Protesten. Besonders groß ist die Empörung, wenn beteiligte Beamte in Prozessen freigesprochen werden oder niemand angeklagt wird. „Wir leben in einer rassistischen Gesellschaft, in der die Menschenleben von Schwarzen keine Rolle spielen“, sagte der Demonstrant Thomas Michaels in der Stadt St. Paul in Minnesota.
Auslöser für die friedlichen Proteste in Dallas und anderen US-Städten waren zwei erschossene Afroamerikaner innerhalb von zwei Tagen. In Falcon Heights (Minnesota) starb Philando Castile (32) im Krankenhaus, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle auf ihn geschossen hatte. Kurz zuvor hatten in Baton Rouge (Louisiana) zwei Polizisten Sterling (37) auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und ihn aus nächster Nähe erschossen.

APA/AP/The Dallas Morning News/Maria R. Olivas
Die Polizei riegelt den Tatort ab
Diese Tode seien ein Ereignis, das alle Amerikaner gleichermaßen angehen muss, sagte Obama. „Wir erleben so etwas viel zu oft“, so der US-Präsident unmittelbar nach der Landung in Warschau, wo er in der Nacht zum Freitag zum NATO-Gipfel eintraf. Der sichtbar berührte Präsident beschwor die Amerikaner, nach dem Geschehenen nicht in routinierte Reaktionsmuster zu verfallen, sondern innezuhalten.
Der demokratische Gouverneur von Minnesota räumte Rassismusprobleme in dem Bundesstaat ein. „Wäre das passiert, wenn die Insassen (...) weiß gewesen wären? Ich denke nicht“, sagte Mark Dayton, wie US-Medien am Freitag berichteten. „Ich denke, wir alle in Minnesota müssen eingestehen, dass diese Form von Rassismus existiert.“ Niemand sollte getötet werden, weil sein Rücklicht nicht funktioniere.
Wahlkampfthema für Clinton
Das Thema dürfte auch im Wahlkampf eine Rolle spielen. So erklärte die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton bereits am Mittwoch, Vorfälle wie in Louisiana beschädigten das Vertrauensverhältnis zwischen den Bürgern und der Polizei. Viele Amerikaner hätten den Eindruck, sie würden wegen ihrer Hautfarbe weniger wertgeschätzt als andere.

AP/Laura Buckman
Tausende demonstrierten auch am Freitag gegen Polizeigewalt
Ihr republikanischer Konkurrent Donald Trump sprach von einer Spaltung in den USA, die Konflikte zwischen Schwarzen und Weißen seien schlimmer geworden. „Das ist nicht der amerikanische Traum, den wir alle für unsere Kinder wollen“, hieß es in einer Mitteilung Trumps. „Wir müssen Recht und Ordnung wiederherstellen.“ Die beiden sagten für Freitag alle Wahlkampftermine ab.
US-Justizministerin Loretta Lynch rief zum Zusammenhalt auf. Es sei eine Woche tiefen Kummers und herzzerreißender Verluste gewesen, sagte sie bei einer Pressekonferenz in Washington - auch mit Blick auf die Tode zweier Afroamerikaner durch Schüsse von Polizisten. „Gewalt ist nie die Antwort“, sagte Lynch. „Taten müssen unsere Antwort sein - ruhige, gemeinschaftliche und entschlossene Taten.“ Die Amerikaner müssten sich erinnern, dass sie ein gemeinsames Herz und eine gemeinsame Seele hätten. „Wenden wir uns einander zu, nicht voneinander ab.“
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