Interessenvertretung mit Rum und Zigarren
Die am 20. Juli wiedereröffnete kubanische Botschaft in Washington ist zugleich die alte: Die zweistöckige Villa aus Kalkstein hat dem Karibik-Staat schon vor dem Abbruch der Beziehungen im Jänner 1961 als diplomatische Vertretung gedient. Das herrschaftliche Anwesen in der 16th Street spiegelt die schwierige Geschichte der US-kubanischen Beziehungen wider.
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Schon seit 1977 war in dem Gebäude knapp drei Kilometer nördlich des Weißen Hauses die Interessenvertretung von Kuba untergebracht, unter Schirmherrschaft der Schweizer Botschaft. Von außen war die kubanische Interessenvertretung unscheinbar, nur ein Bronzeschild am Zaun wies auf die Eigenschaft hin. Zuletzt arbeiteten dort lediglich sieben Diplomaten, die das Washingtoner Umland nicht verlassen durften.
Auch Castro war kurz zu Besuch
Als der Bau im Jahr 1916 entstand, war Kuba formal ein unabhängiger Staat. Seit dem Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898 übten die USA aber großen Einfluss auf die Karibik-Insel aus und ließen sich in der Verfassung der jungen Nation ein Interventionsrecht zusichern. Im Jahr 1923 wurde die Vertretung offiziell in den Rang einer Botschaft erhoben und beherbergte kubanische Staatschefs auf Washington-Besuch.

AP/RHS
Castro als Gastgeber in Washington im Jahr 1959
Auch Fidel Castro weilte im April 1959 in der Botschaft, knapp vier Monate nachdem er den Sieg der Revolution verkündet hatte und der bisherige Machthaber Fulgencio Batista aus Kuba geflohen war. Castro war ohne Einladung der US-Regierung nach Washington gereist. Keine zwei Jahre später kappten die USA ihre Beziehungen zum kommunistischen Kuba.
Kubanische Bar als Eisbrecher
Der Beginn der vorsichtigen Annäherung zwischen beiden Staaten ab 1977 hinterließ ebenfalls Spuren an dem Gebäude. Radikale Castro-Gegner unter den Exilkubanern in den Vereinigten Staaten verübten 1979 einen Bombenanschlag auf das Gebäude. Am Montag erhielt die Vertretung nun wieder offiziell den Status einer Botschaft. Zur Eröffnung reiste Kubas Außenminister Bruno Rodriguez Parrilla nach Washington.
Möglicherweise genehmigt sich Rodriguez zur Feier des Tages auch einen Drink im „Hemingway’s“ - einer exklusiven Bar, die Kuba im Jahr 2011 in seiner Vertretung eröffnet hatte. In dem exterritorialen Etablissement konnten trotz des US-Handelsembargos kubanische Zigarren und kubanischer Rum genossen werden - allerdings nur auf Einladung der kubanischen Diplomaten. Böse Zungen in Washington behaupten, das „Hemingway’s“ habe viel mehr für die Annäherung beider Staaten getan als die Politiker beider Länder zusammen.
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