Vatikan als Vermittler
Die USA und Kuba haben im Juli 2015 wieder volle diplomatische Beziehungen aufgenommen. Ein Überblick über die wichtigsten historischen Etappen in der jahrzehntelangen Eiszeit bis zur jüngsten Annäherung:
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1961: Nachdem Washington im Jänner als Reaktion auf die kubanische Revolution die diplomatischen Beziehungen zu Havanna abgebrochen hat, organisiert der US-Geheimdienst CIA im April die Invasion in Kubas Schweinebucht zum Sturz der Revolutionsregierung durch Exilkubaner. Die Invasion scheitert.
1962: Die USA unter Präsident John F. Kennedy verhängen ein striktes Wirtschaftsembargo gegen Kuba. Washington entdeckt sowjetische Raketen auf der Insel - die Kuba-Krise bringt die Welt an den Rand des Atomkrieges. Der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow willigt in den Abzug der Raketen ein - unter der Bedingung, dass die USA nicht auf Kuba einmarschieren und ihre in der Türkei stationierten Atomraketen abtransportieren.
1965: Havanna erlaubt Hunderten Kubanern, in die USA zu segeln. Der demokratische US-Präsident Lyndon B. Johnson organisiert „Freiheitsflüge“ für Kubaner. Bis April 1973 verlassen gut eine Viertelmillion Menschen die Insel.
1977: US-Präsident Jimmy Carter lockert die Reisebeschränkungen. Durch die Einrichtung von Interessenvertretungen in beiden Hauptstädten unter Schirmherrschaft der Schweiz verbessern sich die Beziehungen ein wenig.
1980: Kubas Staatschef Fidel Castro genehmigt Ausreisewilligen, vom Hafen Mariel aus in die USA zu reisen. Ende September treffen rund 125.000 Kubaner in Florida ein.
1982: US-Präsident Ronald Reagan verschärft die Reisebeschränkungen wieder.
1992: Die UNO-Vollversammlung verurteilt Washington wegen des Festhaltens am Embargo. Kurz zuvor hat die US-Regierung unter Präsident George H. W. Bush die Sanktionen gegen Kuba ausgeweitet.
1996: Das vom Kongress in Washington verabschiedete Helms-Burton-Gesetz verschärft die Blockade gegen Kuba abermals.
2004: Der republikanische US-Präsident George W. Bush kündigt neue Reise- und Überweisungsbeschränkungen für US-Bürger an.
2009: US-Präsident Barack Obama ordnet an, einige Beschränkungen für US-Bürger kubanischer Herkunft bei Reisen und Überweisungen nach Kuba aufzuheben. Obama spricht von einem „Neuanfang“ nach „Jahrzehnten des Misstrauens“. Die Festnahme des US-Entwicklungshelfers Alan Gross, dem Kuba Spionage vorwirft, trübt die Stimmung aber.
2011: Die USA lockern die Sanktionsschraube erneut ein Stück weit, unter anderem werden Finanztransfers und die Visavergabe erleichtert sowie andere Reisebeschränkungen aufgehoben. Die kubanische Justiz verurteilt Gross zu 15 Jahren Haft.
2013: Obama und Kubas Staatschef Raul Castro schütteln sich bei der Trauerfeier für Südafrikas ehemaligen Präsidenten Nelson Mandela die Hand. Castro bietet den USA einen Dialog an, wenn diese im Gegenzug das politische System und die Unabhängigkeit Kubas respektieren. Beide Seiten führen unter Vermittlung des Vatikans Geheimverhandlungen über eine Normalisierung der Beziehungen.
2014: Obama und Castro kündigen nach einem Telefonat im Dezember offizielle Gespräche über die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen an. Zudem will der US-Präsident mit dem Kongress über eine Aufhebung des Embargos beraten. Kuba lässt Gross frei, im Gegenzug erlaubt die US-Regierung drei inhaftierten kubanischen Geheimdienstagenten die Rückkehr in ihre Heimat.
2015: Seit Mitte Jänner gelten weitere Reise- und Handelserleichterungen für Kuba, beide Länder starten Verhandlungen über die Eröffnung von Botschaften. Beim Amerikagipfel in Panama kommen Castro und Obama im April zur ersten Unterredung von Staatschefs beider Länder seit 1956 zusammen. Ende Mai streichen die USA Kuba von ihrer Terrorliste und machen damit den Weg frei für die formale Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen.
Am 1. Juli verkünden Obama und Castro die Einigung über den Austausch von Botschaftern, am 20. Juli bekommen die Vertretungen im jeweils anderen Land wieder den Status von Botschaften. Am 14. August wurde die US-Botschaft in Havanna nach mehr als 54 Jahren wiedereröffnet, Ende des Jahres wurde die Wiederherstellung des direkten Postverkehrs beschlossen. Das Handelsembargo besteht weiterhin, die von den USA verweigerte Rückgabe der Militärbasis Guantanamo ist ebenfalls weiter Streitpunkt.
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