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„Jeden notwendigen Schritt unternehmen“

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat erneut eine westliche Geisel enthauptet. Ein Internetvideo zeigt die Ermordung des 44-jährigen britischen Entwicklungshelfers David Haines, der im März 2013 in Syrien verschleppt wurde. Am Ende droht der maskierte Täter damit, eine weitere britische Geisel hinzurichten, sollte London den Kampf gegen den IS weiter unterstützen.

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Das Außenministerium in London erklärte am Sonntag, alles deute auf die Echtheit der Bilder hin. Premierminister David Cameron erklärte, der Mord sei verabscheuenswert und ein „Akt des absolut Bösen“ und kündigte an, die Mörder zu jagen. Egal, wie lange es dauere, man werde die Täter zur Strecke bringen. „Wir werden jeden notwendigen Schritt unternehmen“, so Cameron am Sonntag in London nach der Sitzung seines Sicherheitskabinetts. Oppositionsführer Ed Miliband bezeichnete das Verbrechen als „eine widerwärtige, barbarische Tötung“.

Obama: Anti-Terror-Bündnis wird IS „vernichten“

US-Präsident Barack Obama verurteilte den „barbarischen Mord“ und sicherte den Briten seine Solidarität zu. „Die USA stehen heute Nacht Schulter an Schulter mit unserem engen Freund und Verbündeten - in Trauer und Entschlossenheit“, hieß es in einer Erklärung Obamas, die das Weiße Haus veröffentlichte.

„Wir werden mit Großbritannien und einer breit gefächerten Koalition von Nationen aus der Region und rund um die Welt zusammenarbeiten, um die Verantwortlichen für diese empörende Tat zur Rechenschaft zu ziehen und diese Bedrohung für die Bevölkerung unserer Länder, der Region und der Welt zu schwächen und zu vernichten“, so Obama weiter. Am Freitag hatte die US-Regierung erstmals von einem Krieg gegen IS gesprochen.

Luftangriffe in Syrien ohne Absprache mit Damaskus

Die angekündigten Luftangriffe in Syrien will die US-Regierung allerdings nicht mit der Staatsführung in Damaskus absprechen. Wenngleich sie deren Regierungstruppen aus dem Visier ihrer Kampfflugzeuge heraushalten werde. „Das ist keine gemeinsame Anstrengung“, bekräftigte Außenminister John Kerry in einer am Sonntag ausgestrahlten CBS-Sendung. Allerdings werde sich Washington darum bemühen, weitere Störungen im Verhältnis zu Damaskus zu vermeiden - auch um „sicherzustellen, dass sie nicht etwas tun, was sie noch mehr bereuen würden“, so Kerry in dem bereits am Samstag aufgenommen Interview.

Australien beteiligt sich an Luftangriffen

Die USA schmieden im Kampf gegen die Miliz an einem breiten Anti-Terror-Bündnis und umwarben zuletzt Großbritannien, sich an US-Luftangriffen im Irak und künftig auch in Syrien zu beteiligen. Australien ist schon dabei - und entsendet 600 Soldaten und Kampfflugzeuge des Typs Super Hornet, wie Premierminister Tony Abbott am Sonntag erklärte. Die Australier sollen schon bald in den Vereinigten Arabischen Emiraten stationiert werden.

Auch mehrere arabische Staaten boten laut Angaben aus US-Kreisen eine Beteiligung an den Luftangriffen gegen IS an. Um welche Länder es sich handle, sagten die Insider am Sonntag nicht. Das Angebot sei dabei nicht auf Ziele im Irak beschränkt, sagte ein hochrangiger Vertreter des amerikanischen Außenministeriums in Paris. „Wir müssen das alles erst einmal sortieren“, erklärte er weiter. „Man kann nicht einfach losziehen und irgendetwas bombardieren.“

Bereits am Donnerstag hatten in der Saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda zehn arabische Staaten erklärt, sie wollten ihren Teil zum Kampf gegen den IS beitragen und die Militäraktion unterstützen. Die Terrormiliz, deren Streitmacht nach Schätzungen mehrere Zehntausend Kämpfer angehören, beherrscht weite Landstriche in Syrien und im Irak. Für die Errichtung eines „Kalifats“ kämpfen auch Hunderte Konvertiten aus Europa und den USA.

Scharfe Verurteilung durch EU

„Die EU ist mehr denn je entschlossen, die internationalen Bemühungen zur Bekämpfung aller terroristischen Gruppen zu unterstützen, die die regionale und globale Stabilität gefährden“, heißt es in einer am Sonntag in Brüssel veröffentlichten Erklärung eines Sprechers der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton.

Er sprach von einem „teuflischen Mord“. „Gemeinsam mit unseren internationalen Partnern werden wir jede Anstrengung unternehmen, um diese grauenhafte Terrorkampagne zu beenden und alle Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen“.

Steinmeier: „Brauchen jetzt schnell eine Strategie“

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Tötung als menschenverachtende Tat von Terroristen, über die sie entsetzt sei. Solch ein Vorgehen sei durch nichts zu rechtfertigen und müsse geahndet werden, schrieb sie am Sonntag an den britischen Premierminister David Cameron. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte, die Organisationen IS, Hamas, Al-Kaida, Al-Nusra, Boko Haram und Hisbollah seien alle „Zweige desselben giftigen Baums“.

Auch der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte die Ermordung der britischen Geisel als „abscheulichen Akt barbarischer Gewalt jenseits aller Grenzen menschlicher Zivilisation“. Die Veröffentlichung und Verbreitung der Aufnahmen seiner Tötung im Internet sei ein weiterer inakzeptabler Tabubruch, betonte der SPD-Politiker am Sonntag. „Die internationale Gemeinschaft muss sich dieser Bedrohung für den Irak, die ganze Region und auch uns entschlossen entgegenstellen.“

Die Initiative Frankreichs für eine Irak-Konferenz an diesem Montag in Paris komme zur rechten Zeit, so Steinmeier. „Wir brauchen jetzt schnell eine breit angelegte und regional verankerte politische Strategie, um der Bedrohung durch IS zu begegnen.“

Ermordung weiterer Geisel angedroht

Die Extremisten hatten in dem am Samstag veröffentlichten zweieinhalbminütigen Video erklärt, die Enthauptung Haines’ sei eine „Botschaft an die Alliierten Amerikas". Der Brite zahle den Preis für das Versprechen Camerons, die kurdischen Peschmerga-Kämpfer für den Kampf gegen den Islamischen Staat zu bewaffnen.

In den vergangenen Wochen hatte die Miliz ähnliche Videos mit der Enthauptung der ebenfalls seit 2013 in Syrien verschleppten US-Journalisten Steven Sotloff und James Foley gezeigt. Darin wurde jeweils das nächste Opfer angekündigt und vorgeführt - so auch diesmal ein weiterer Brite. Die Terrormiliz enthauptete auch zwei libanesische Soldaten, die sie gefangen genommen hatte.

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