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Südliches „Testosteron“

Der deutsche SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat mit seiner „Clown“-Äußerung über den Ausgang der Wahl in Italien einen diplomatischen Eklat ausgelöst. Italiens Präsident Giorgio Napolitano sagte am Mittwoch kurzfristig ein für den Abend in Berlin geplantes Abendessen mit Steinbrück im Hotel Adlon ab, wie Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer bestätigte.

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Begründet habe Napolitano die Absage mit den Äußerungen Steinbrücks vom Dienstagabend. Darin hatte Steinbrück den früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi als Clown verspottet. „Peer Steinbrück hat mir am Telefon erklärt, dass er nicht beleidigend sein wollte“, sagte Napolitano der „Bild“-Zeitung vom Donnerstag. „Aber ein Treffen war aus meiner Sicht nach den Äußerungen, die er gemacht hat, nicht mehr möglich.“

Steinbrück habe Verständnis dafür, dass Napolitano das Treffen „aufgrund der innenpolitischen Lage in Italien“ abgesagt habe, erklärte Donnermeyer. In dem „klärenden Gespräch“ Steinbrücks mit Napolitano sei aber „alles ausgeräumt“ worden. Um eine Entschuldigung seitens des Kanzlerkandidaten habe es sich aber nicht gehandelt, betonte der Sprecher.

Deutscher Präsident Joachim Gauck mit Italiens Präsident Giorgio Napolitano

APA/EPA/Peter Kneffel

Italiens Staatschef Napolitano (rechts der deutsche Bundespräsident Gauck) weilt in Berlin, während in Italien das Ergebnis der Wahl diskutiert wird

„Entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben“

„Bis zu einem gewissen Grade bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben“, hatte Steinbrück am Dienstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung über den Ausgang der Parlamentswahlen in Italien gesagt. Einer davon sei der Berufskomiker Beppe Grillo, der andere „definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteronschub“.

Er teile nicht die Einschätzung, dass der Wählerzulauf für Grillo und Berlusconi auf Protest gegen den Sparkurs der Regierung in der Euro-Krise zurückgehen könnte. „Mein Eindruck ist, dass in Italien zwei Populisten gewonnen haben“, sagte Steinbrück. In dieser Lage werde das wieder zu größeren Problemen in der Euro-Zone beitragen.

Nicht der erste Fehltritt

Auch wenn die Linke um Pier Luigi Bersani die Abgeordnetenhauswahl gewonnen hatte, schnitten Berlusconi und Grillo überraschend stark ab. Im Senat konnte keiner der politischen Blöcke eine klare Mehrheit gewinnen. Für Steinbrück ist die Erfahrung negativer Reaktionen im Ausland nicht neu. Im Steuerstreit mit der Schweiz drohte er den Nachbarn 2009 - damals noch im Amt des Bundesfinanzministers - mit der Kavallerie.

Steinbrücks Bemerkungen fielen in einer Diskussionsveranstaltung vor etwa 250 Zuschauern. Im Kontext äußerte er sich so: „Ich teile die Sorgen und auch einen gewissen Frust über das Ergebnis der Wahlen in Italien. Bis zu einem gewissen Grade bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben. Ein beruflich tätiger Clown, der auch nicht beleidigt ist, wenn man ihn so nennt - Grillo. Und ein anderer, der definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteronschub ist. Und die haben diese Wahlen anders gestaltet, als wir uns das gewünscht haben.“

Die Regierungsbildung werde sehr schwierig, analysierte Steinbrück weiter. „Offenbar hat Berlusconi zusammen mit dem Grillo die Mehrheit in dem sogenannten Senat. (...) Das macht die Sache in Italien nicht leichter.“ (...) „Ob die Menschen danach abgestimmt haben, uns ist zu sehr die Keule des Sparens über den Schädel gezogen worden, weiß ich nicht - oder ob sie eher danach abgestimmt haben, wer ihnen populärere und damit auch etwas angenehmere Botschaften vertreten hat.“

Steinbrück und die Hoppalas

Steinbrücks Äußerungen kommen nach der endlosen Diskussion über seine Auftrittshonorare. Zuletzt hatte das „Peer Blog“, das Wirtschaftstreibende mitfinanziert hatten, für Schlagzeilen gesorgt, weil Steinbrück nichts zu den Financiers des Blogs zu sagen wusste. Die Affäre kam just zu einer Zeit, als Steinbrück mit einer Reise durch Europa sein außenpolitisches Profil zu schärfen suchte.

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