Optimistische Wette auf die Zukunft
Bisher konnte sich Spanien trotz aller Schwierigkeiten noch halbwegs alleine über Wasser halten - laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ allerdings zu einem sehr hohen Preis. Die Regierung in Madrid habe die Reserven der Sozialversicherung „geplündert“ und umgeschichtet, schrieb die US-Wirtschaftszeitung am Freitag.
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Sollte diese Rechnung nicht aufgehen, werde das Land wohl bald bei den Euro-Partnern um Hilfe anklopfen müssen. Konkret hat die Regierung in Madrid laut dem Bericht Geld aus den Reserven der Pensionskassen genommen und damit das „größte Sparschwein des Landes“ geschlachtet, um eigene Staatsanleihen aufzukaufen, mit dem Ziel, das Zinsniveau der Schuldverschreibungen zu drücken. Hohe Risikoaufschläge machen Spanien und anderen hoch verschuldeten Euro-Ländern regelmäßig zu schaffen.
Mittlerweile sei nun die Reserve ziemlich leergeräumt, zumindest 90 Prozent des insgesamt 65 Mrd. Euro schweren Fonds seien in „zunehmend riskante spanische“ Schuldverschreibungen investiert oder anderswo in Notmaßnahmen gegen die Krise gepumpt worden - alles ziemlich still und leise, so die Zeitung. Sie beruft sich auf „offizielle Zahlen“ aus Madrid.
Muss Rajoy bald um Hilfe anklopfen?
Den „wenigen unabhängigen Finanzanalysten, die den Fonds im Blick haben“, mache „das große Rentenplündern“ (wie es in der deutschen Ausgabe der Zeitung ebenfalls am Freitag hieß) nun langsam Kopfzerbrechen. Der Fonds werde in Kürze ganz leer sein. Besserten sich die Wirtschaftsaussichten nicht wie erwartet, sei dann wohl Feuer am Dach. Am Ende könnte sich Ministerpräsident Mariano Rajoy dann doch gezwungen sehen, bei den Euro-Partnerstaaten um Hilfe anzuklopfen.
Rajoy hatte zuletzt ein Ansuchen an die Europäische Zentralbank (EZB) um den Ankauf von Bonds „für die Zukunft“ nicht ausgeschlossen, derzeit stelle sich die Frage aber nicht. EZB-Chef Mario Draghi hatte im Sommer versprochen, die Notenbank werde bei Bedarf Anleihen von Euro-Partnerstaaten aufkaufen, sollten die unter zu großen Zinsdruck geraten.
Limit für Griff ins „Sparschwein“ angehoben
Außerdem, so das „Wall Street Journal“ weiter, wachse derzeit die Sorge, dass die verbliebenen Reserven der Sozialversicherung künftig noch schneller schrumpfen als erwartet. Im November habe die spanische Regierung vier Milliarden Euro für Pensionsauszahlungen entnommen, zuvor im September drei Milliarden, um nicht definierte Löcher zu stopfen. Zusammen hätten die Beträge das jährlich erlaubte Limit überschritten, also habe die Regierung kurzerhand den „Deckel“ angehoben.
„Das macht uns ziemliche Sorgen“, zitierte die Zeitung am Freitag die Vorsitzende eines der größten Pensionistenverbände des Landes, Dolores San Martin. „Wir wissen einfach nicht, wer die Pensionen der Jüngeren einmal zahlen soll.“
Keine spanische Erfindung
Allerdings stehe Spanien in Sachen „Plündern“ der Pensionsreserven nicht alleine da. Mehrere der Länder, die vor Ausbruch der Krise 2008 entsprechende Fonds angelegt hatten, hätten sie danach angezapft - mitunter eben auch, um einen Knick in der Nachfrage nach ihren Staatsanleihen kosmetisch auszugleichen. In Irland sei das Geld dazu verwendet worden, Aktien trudelnder Banken, die im Ausland niemand haben wollte, aufzukaufen.
Ähnlich kosmetischer Natur sei die Aktion in Spanien, zitierte das „Wall Street Journal“ Javier Diaz-Gimenez, Professor an der IESE Business School (Universität Navarra): „Das ist großteils ein Bilanzierungstrick.“ Die Regierung tue in Wirklichkeit nichts anderes, als sich selbst Geld zu leihen. Diese wiederum verteidige das Anzapfen des Fonds als „nachhaltig“, solange sich Spanien international Geld leihen könne.
Außerdem gehe man von einer Erholung der Wirtschaftslage aus, und zwar schon gegen Ende diesen Jahres. Andere Prognosen sprechen allerdings von einer Rezession auch noch 2014. Eine weiter hohe Arbeitslosenrate und schrumpfende Einzahlungen in den Fonds könnten Madrid dann relativ rasch einen Strich durch die riskante Rechnung machen.
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