Nur 60 Prozent zahlten Kfz-Steuer
Schwierige Zeiten für Autofahrer in Griechenland: Wegen der dramatischen Finanzlage können Zehntausende Menschen ihre Kfz-Steuern nicht mehr bezahlen. In den Steuerämtern des Landes bildeten sich vor dem Jahreswechsel lange Warteschlangen.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Viele Menschen gaben Ende 2012 die Nummernschilder ihrer Autos ab, damit für 2013 keine Verkehrssteuern mehr zahlen müssen. „Vorläufig machen wir in unserer Familie Schluss mit Autofahren. Wir können die 265-Euro-Verkehrssteuer nicht zahlen“, sagte eine 40-Jährige Frau im griechischen Fernsehen. Sie besitze einen 1,6-Liter-Mittelklassewagen.

APA/EPA/Orestis Panagiotou
In den Finanzämtern stapeln sich die Nummernschilder
Nach Angaben des Verkehrsministeriums haben allein im Dezember des Vorjahres 70.000 Kfz-Inhaber ihre Autos aus dem Verkehr gezogen, 15 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. An Angaben des Ministeriums hatten nur 60 Prozent der Autoinhaber Kfz-Steuern gezahlt.
Einkommen sanken um 30 Prozent
Wegen der harten Sparmaßnahmen des pleitebedrohten Landes ist das Einkommen der Griechen nach Schätzungen der Gewerkschaftsverbände (GSEE-ADEDY) seit 2009 um fast 30 Prozent gefallen. Im Kampf um mehr Einnahmen müssen auch Besitzer von 15 Jahre alten Kleinwagen jährlich 120 Euro Kfz-Steuer zahlen. Inhaber von Luxusautos müssten bis zu 1.320 Euro entrichten, berichtete das Staatsradio. 2011 waren in Griechenland insgesamt rund 250.000 Autos abgemeldet worden.
Die Griechen kaufen zudem immer weniger neue Autos, der Markt liegt auf dem Boden. Von Jänner bis Ende November sanken die Neuzulassungen nach Zahlen des Branchenverbandes ACEA um 40 Prozent auf nur noch rund 55.000 Fahrzeuge. Das war prozentual der stärkste Rückgang in der gesamten Europäischen Union - vor Portugal, ebenfalls ein Euro-Krisenland. Insgesamt ging der Autoabsatz in der EU seit Jahresbeginn um 7,6 Prozent zurück.
Schwarzarbeit steigt rasant
Eine weitere Folge der seit mehreren Jahren anhaltenden Rezession in Griechenland: Die Schwarzarbeit nimmt weiter deutlich zu. Mittlerweile arbeiten 35 Prozent der Menschen nach behördlichen Angaben schwarz. 2011 waren es noch 29 Prozent, 2010 etwa 25 Prozent, wie die zuständige Kontrollbehörde (SEPE) berichtete. Insgesamt habe es 2012 rund 19.000 Kontrollen gegeben.
In knapp 6.700 Fällen davon seien Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Die Arbeitslosigkeit in Griechenland liegt auf einem Rekordniveau von mehr als 25 Prozent. 58 Prozent der jungen Leute bis 24 Jahre haben keinen Job. Sowohl die Kfz-Abmeldungen als auch die Schwarzarbeit belasten in erster Linie die betroffenen Menschen - sie verschärfen aber auch die Schuldenkrise des Staates, da beides zu einem weiteren Anstieg der ohnehin europaweiten Rekordausfälle bei den Steuereinnahmen führt.
Links: