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Aktie auf Allzeittief gefallen

Facebook hat am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss zum ersten Mal seit dem Börsengang des Sozialen Netzwerks im Mai Quartalszahlen präsentiert. Und die Bilanz fällt nicht allzu positiv aus: Das erste Quartal als börsennotiertes Unternehmen endet für Facebook mit einem millionenschweren Verlust.

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Unterm Strich verlor das Soziale Netzwerk 157 Millionen Dollar (128 Mio. Euro), wie das Unternehmen mitteilte. Ohne ein Steuergeschenk wäre das Minus sogar noch größer ausgefallen. Im Vorjahreszeitraum hatte Facebook noch 240 Millionen Dollar verdient. „Es gibt viele Herausforderungen, aber wir gehen sie an“, sagte Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Sein Auftritt war keineswegs sicher, hatte er sich doch nach dem gefloppten Börsengang im Mai rar gemacht.

Vor allem die Entlohnung der Mitarbeiter durch Aktien und dafür fällige Steuern riss zuletzt ein dickes Loch in die Bilanz. Zudem machte sich bemerkbar, dass Facebook stark in Produkte, Technik und Marketing investiert, um neue Nutzer und neue Werbekunden zu gewinnen. Auch der Börsengang selbst kostete.

Weiterhin Plus bei Mitgliedern

Immerhin hielt der Zustrom bei den Mitgliedern an: Ende Juni hatte Facebook 955 Millionen monatliche Nutzer nach 901 Millionen Ende März und 845 Millionen Ende Dezember. Zuvor hatte es Sorgen um einen Schwund gegeben. Manche Analysten störten sich allerdings daran, dass die Zahl der täglichen und damit besonders wertvollen Nutzer im geringeren Maße auf 552 Millionen zulegte.

Die überlebenswichtigen Werbeeinnahmen stiegen um 28 Prozent auf 992 Millionen Dollar. Insgesamt kam Facebook auf einen Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar und damit 32 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Kasse ist mit 10,2 Milliarden Dollar prall gefüllt - alleine 6,8 Milliarden Dollar davon stammen aus dem Börsengang. „Wir sind gut aufgestellt beim Buhlen um Werbegelder“, sagte die für das Tagesgeschäft zuständige Managerin Sheryl Sandberg. Sie zitierte Studien, dass sich Werbung auf Facebook besonders gut einpräge.

Mobile Geräte: Verminderte Werbeeinnahmen

Viele Investoren befürchten, dass das Unternehmen auf Mobiltelefonen und Tablet-PCs nicht so hohe Werbeeinnahmen erzielen kann. Sie sorgen sich zudem wegen der langfristigen Geschäftsaussichten. Das Soziale Netzwerk und die am Börsengang beteiligten Banken müssen sich gegen Klagen von Investoren wehren, außerdem nimmt die US-Börsenaufsicht die Umstände der Neuemission unter die Lupe.

Die seit dem Börsengang stark unter Druck stehende Aktie schwankte nachbörslich stark und fiel beim Handelsstart der US-Börse NASDAQ am Freitag auf ein neues Allzeittief von 23 Dollar. Neuaktionäre hatten beim Börsengang im Mai 38 Dollar bezahlen müssen. „Wir sind enttäuscht darüber, wie sich der Aktienkurs entwickelt hat“, räumte Finanzchef David Ebersman bei der Präsentation der Quartalszahlen ein. „Aber wir sind das gleiche Unternehmen wie zuvor.“

Börsengang einigermaßen verpatzt

Facebook war - begleitet von einiger Euphorie und medialem Großinteresse - am 18. Mai an die NASDAQ gegangen. Allerdings fiel das Börsendebüt gemessen an den Erwartungen mehr als verhalten aus und wurde noch dazu von technischen Problemen begleitet. Die Handelssysteme der New Yorker Technologiebörse gingen zwischendurch in die Knie, sodass Kauf- und Verkaufsorders nicht wie gewünscht platziert werden konnten. Die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) leitete deswegen später eine Untersuchung ein.

Mark Zuckerberg, Facebook-Gründer drückt den Knopf zum NASDAQ-Start

APA/EPA/Facebook//Zef Nikolla

Facebook-Gründer Zuckerberg läutete am 18. Mai die Glocke zum Handelsstart

Schon am ersten Handelstag, einem Freitag, konnte sich die Aktie nur knapp über Wasser halten, am darauffolgenden Montag setzte die erste große Verkaufswelle ein: Das Papier verlor 13 Prozent an Wert und rutschte damit schon an ihrem zweiten Handelstag unter den Ausgabepreis von 38 Dollar.

Verkaufswelle anstatt Kursexplosion

Unmittelbar nach dem IPO (Initial Public Offering, Anm.) hatten noch dazu Gerüchte für Ärger bei Anlegern gesorgt, in denen es hieß, institutionelle Investoren seien darüber informiert gewesen, dass beteiligte Konsortialbanken ihre Umsatzerwartungen an das Soziale Netzwerk zurückgeschraubt hätten - eine mögliche Erklärung für den Kursrutsch. Bis zur ersten Juni-Woche knickte die Aktie bis auf knapp 26 Dollar - oder um mehr als 31 Prozent - ein und kam seither nicht einmal in die Nähe ihres Ausgabekurses.

Die große Ernüchterung: Zu hoch gepokert

Beim Ausgabekurs hatten Unternehmensgründer Marc Zuckerberg und das Bankenkonsortium, das den Börsengang begleitet hatte, ganz offensichtlich zu hoch gepokert. Zwei Tage vor dem Börsengang gab die SEC bekannt, dass das Preisband für die Erstnotiz von zuvor 28 bis 35 auf 34 bis 38 Dollar angehoben wurde. Außerdem wurde das Gesamtvolumen des Börsengangs (Zahl der Aktien) deutlich erhöht. Obwohl das IPO am oberen Ende erfolgte, war das Papier dennoch überzeichnet.

Der Börsengang spülte Facebook rund 16 Mrd. Dollar (über 13 Mrd. Euro) in die Kassen, die Gesamtbewertung (Zuckerberg hält immer noch einen Mehrheitsanteil) stieg über 100 Mrd. Dollar (fast 83 Mrd. Euro). Doch genau darin liegt auch ein großes Problem: Bei knapp einer Milliarde Dollar Nettogewinn 2011 bedeutet der errechnete Unternehmenswert das 100-Fache des Jahresgewinns. Um Anlegererwartungen bei einem derart hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zu erfüllen, muss ein Unternehmen ein enormes Wachstumstempo an den Tag legen.

Astronomische Erwartungen

Mit den letzten Geschäftszahlen im April hatte sich gezeigt, dass sich das Wachstum des 2004 gegründeten Unternehmens etwas verlangsamt hatte - im direkten Quartalsvergleich zum Vorjahr um sechs Prozent, und das, obwohl Facebook die Zahl seiner Nutzer im gleichen Zeitraum kräftig steigern konnte.

Der Umsatz stieg im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum „nur“ noch um 45 Prozent auf 1,06 Mrd. Dollar (rund 860 Mio. Euro) - an sich ein astronomischer Wert, aber nicht genug für die Erwartungen in Facebook. Im Jahresabstand von 2009 auf 2010 hatte das Plus noch bei 154, von 2010 auf 2011 bei 88 Prozent gelegen. Das Soziale Netzwerk hatte mit Stand Ende März monatlich 901 Millionen aktive Nutzer. Ende Dezember 2011 waren es erst 845 Millionen gewesen.

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