Themenüberblick

Hoffen auf EZB als Krisenfeuerwehr

Den beiden Ratingagenturen Moody’s und Fitch gehen die Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels nicht weit genug. Das Treffen konnte nur wenig dazu beitragen, den Schuldendruck von der Währungsunion zu nehmen, heißt es Montagabend vonseiten Fitchs. Fitch betrachtet die Europäische Zentralbank (EZB) als einzige Instanz, die kurzfristig „Feuerschutz“ für die angeschlagenen Euro-Länder bieten kann.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Hoffnungen auf einen massiveren Einsatz der Notenbank seien nach den Gipfelergebnissen jedoch nicht angebracht. Auf dem Gipfel sei zwar starke politische Unterstützung für die Gemeinschaftswährung demonstriert worden, allerdings liefere der schrittweise Ansatz der Politiker keine sofortige umfassende Lösung, so Fitch. Kurzfristig geht die Agentur von einem deutlichen wirtschaftlichen Abschwung in der Euro-Zone aus, der zu weiteren Vertrauenseinbußen bei Unternehmen und Konsumenten führen dürfte.

Lob für EZB-Bankenhilfe

Positiv bewertet die Agentur die geplante Einbeziehung des Internationalen Währungsfonds (IWF) beim Krisenmanagement sowie die Absage an die Privatgläubigerbeteiligung bei künftigen Schuldenschnitten. Auch die am vergangenen Donnerstag von der EZB beschlossenen Hilfsmaßnahmen für das Bankensystem könnten nach Einschätzung von Fitch Druck von der Euro-Zone nehmen.

In der Früh hatte bereits Moody’s die Gipfelergebnisse kritisiert und mit Bonitätsabstufungen gedroht. „An unserer Ansicht, dass der Zusammenhalt in der Euro-Zone gefährdet ist, hat sich nichts geändert“, hieß es am Montag von Moody’s. Daher drohten in der Euro-Zone und der gesamten EU weitere „Schocks“, und auch der Zusammenhalt der Euro-Zone bleibe gefährdet.

Entscheidung im Frühjahr

Die Bonitätsnoten der Länder der Währungsunion würden überprüft. Diese Überprüfung solle im ersten Quartal 2012 abgeschlossen werden. Die Mitglieder der EU hatten sich mit Ausnahme Großbritanniens auf dem Gipfel auf eine stärkere wirtschaftliche Integration und strengere Haushaltsdisziplin geeinigt.

Vor einer Woche hatte Moody’s-Konkurrent Standard & Poor’s (S&P) Österreich, Deutschland und 13 weiteren Euro-Staaten mit einer Herabstufung innerhalb der nächsten drei Monate gedroht - möglicherweise fällt die Entscheidung bereits in den nächsten Tagen. S&P hatte die Entscheidung, die Euro-Staaten auf „Watch“ zu setzen, nach eigenen Angaben bewusst wenige Tage vor dem EU-Gipfel publik gemacht, um damit den Druck auf die Staats- und Regierungschefs zu erhöhen.

Mit Moody’s und Fitchs Einschätzung bestätigt sich, was Analysten bereits am Freitag angedeutet hatten: Die Einigung sei zu vage, sei nicht kurzfristig wirksam und betone - auf Kosten des Wirtschaftswachstums - zu sehr die Haushaltsdisziplin. Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) warnte am Montag, die Sparbemühungen könnten die Konjunktur dämpfen.

Auch Märkte pochen auf mehr EZB-Engagement

Auch die Finanzmärkte hatten am Montag mit Ernüchterung reagiert: Zwar beflügelten die Pläne zur Euro-Rettung die asiatischen Börsen - in Europa, insbesondere beim deutschen Leitindex DAX, machten sich aber Zweifel an der Wirksamkeit und schnellen Umsetzbarkeit der Beschlüsse bemerkbar. „Der erste Schritt ist gemacht, aber der Weg ist noch lang und kurvenreich“, sagte Philippe Gijsels, Chefanalyst der BNP Paribas Fortis Global Markets. Ähnlich argumentiert der Marktanalyst Heino Ruland: „Auf der Suche nach langfristigen Lösungen haben die Politiker die kurzfristigen Probleme aus den Augen verloren.“ Vor allem die Weigerung der EZB, die Anleihekäufe deutlich auszuweiten, sei den Investoren auf die Stimmung geschlagen, hieß es am Montag von vielen Analysten.

Links: