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„Massives Eigentor“

Die Krawalle in Großbritannien haben nicht nur Tote und Verletzte nach sich gezogen und enorme Schäden verursacht, sondern auch das Image Londons angekratzt. Nicht einmal ein Jahr vor den Olympischen Sommerspielen 2012 fürchtet die Stadt um ihren Ruf. Doch nicht nur das: Großbritannien muss sich auch Gedanken darüber machen, wie es die Sicherheit des Sportgroßevents gewährleisten kann.

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Londons Bürgermeister Boris Johnson sprach im Zusammenhang mit den tagelangen Straßenschlachten zwischen Jugendlichen und Sicherheitskräften, Plünderungen und Brandstiftungen von einem „massiven Eigentor“ für seine Stadt.

Auch der Vorstandschef der Fluglinie Virgin Atlantic, Steve Ridgway, äußerte gegenüber der „Financial Times“ die Befürchtung, die Unruhen könnte dem Image Londons und des gesamten Landes schaden. Nun sei es wichtig, die Situation wieder möglichst rasch unter Kontrolle zu bringen. „Die Welt muss sehen, dass London eine großartige Stadt ist - schon wegen Olympia in nicht einmal einem Jahr.“

Internationales Medienecho

Die nächtlichen Krawalle hatten ein international großes Medienecho hervorgerufen - sogar in China, wie die „Financial Times“ am Donnerstag berichtete. Dort verweise man nicht ohne Stolz auf den reibungslosen Ablauf von Olympia 2008. In einem Bericht der Nachrichtenagentur Xinhua habe es geheißen: „Das Image Londons wurde durch die Unruhen ernsthaft beschädigt und lässt die Menschen besorgt auf die öffentliche Sicherheit während der Londoner Olympischen Spiele blicken.“

Druck auf Regierung steigt

Nach den heftigen Krawallen mit mehreren Toten wächst auch der politische Druck auf den konservativen britischen Premierminister David Cameron. In der Nacht auf Freitag starb erneut ein Mann an Verletzungen, die er während der Krawalle erlitten hatte. Der 68-Jährige war an von einem Unbekannten zusammengeschlagen worden.

Politiker der Opposition und auch des Regierungslagers forderten, bereits beschlossene Sparmaßnahmen bei der Polizei zurückzunehmen. Erst seit Donnerstag hat sich die Lage beruhigt.

Zweifel an „Olympia-Tauglichkeit“

Trotzdem zweifelten britische Medien wie die BBC zuletzt an der „Olympia-Tauglichkeit“ der Hauptstadt. Der „Daily Telegraph“ schrieb von einer „Schlacht von London“, nach der Vieles unklar sei. Am Mittwoch war bereits das Fußball-Freundschaftsspiel Großbritannien - Niederlande wegen Sicherheitsbedenken abgesagt worden.

Vernagelte Auslagen

Laut „Financial Times“ schlossen unter der Woche in London Geschäfte früher. Stephen Robertson, der Vorsitzende des britischen Einzelhandelsverbands British Retail Consortium, schätzte den Schaden für den Handel bis Mitte der Woche auf über 100 Millionen Pfund (über 113 Mio. Euro). Vom Handelsverband Federation of Small Business (FSB) hieß es: „Es gibt Händler, die ihre Geschäfte schließen und die Fenster vernageln. Für ihre Gewinne wird das langfristige Folgen haben.“

Die Befürchtung für die Zukunft sei, dass Menschen die Unruhebrennpunkte künftig meiden würden. „Das könnte einige dazu zwingen, zu schließen.“ Außerdem seien Versicherungsprämien und die Kosten für Sicherheitsvorkehrungen in den von den Krawallen betroffenen Stadtvierteln gestiegen.

Besorgte Touristen

Betroffen ist auch der Tourismus: Mehrere Länder, darunter auch Österreich, riefen Reisende bei London-Besuchen wegen „erhöhter Sicherheitsgefährdung“ zu besonderer Vorsicht auf. „Reisende werden weiterhin dringend aufgefordert, sich von Menschenansammlungen im Zusammenhang mit gewalttätigen Demonstrationen fernzuhalten und den Anweisungen der Behörden unbedingt Folge zu leisten. Erhöhte Aufmerksamkeit ist angebracht“, heißt es auf der Website des Österreichischen Außenministeriums. „Es wird empfohlen, sich über die Medien und staatliche Stellen informiert zu halten, um allfällig aufflammende Unruheherde und Einschränkungen in der Reisesicherheit umgehen zu können.“ Laut „Financial Times“ besuchen rund 330.000 Touristen pro Tag die britische Hauptstadt.

IOC beruhigt

Zum Thema Olympia demonstrierte das Internationale Olympische Komitees (IOC) zuletzt Zuversicht. „Sicherheit ist unsere oberste Priorität, aber sie ist nicht unsere direkte Verantwortung. Darum kümmern sich die Behörden in London, in die wir volles Vertrauen haben“, erklärte IOC-Sprecher Mark Adams. „Zweifellos wollen wir solche Bilder ein Jahr vor den Spielen nicht sehen, aber wir haben großes Vertrauen in den entwickelten Sicherheitsplan, der während der Spiele greifen wird“, hieß es in einer Stellungnahme des Nationalen Olympischen Komitee Großbritanniens (BOA). „Diese Zwischenfälle sind unglücklich, unangenehm und nicht akzeptabel, aber sie werden keine Auswirkungen auf die Vorbereitungen der Spiele haben.“

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