Hunderte Strahlenmessgeräte fehlten
Der Betreiber des beschädigten Atomkraftwerkes Fukushima I, Tokyo Electric Power Company (TEPCO), ist von der japanischen Atomsicherheitsbehörde NISA (Nuclear and Industrial Safety Agency) verwarnt worden: Der AKW-Betreiber habe seinen Arbeitern nicht genügend Schutz vor radioaktiver Strahlung geboten.
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Nach dem Erdbeben und dem Tsunami habe die Firma ganze Gruppen von Arbeitern mit nur einem einzigen Strahlenmessgerät ausgestattet, sagte ein Behördensprecher am Freitag. TEPCO sei inzwischen aufgefordert worden, alles zu tun, um die Arbeiter vor Strahlung zu schützen, sagte Behördensprecher Hidehiko Nishiyama weiter. Demnach gingen die meisten der ursprünglich 5.000 Messgeräte verloren, als die Tsunamiwelle am 11. März über das Kraftwerk hinwegrollte.
Anschließend hätten zunächst nur noch 320 Dosimeter zur Verfügung gestanden. TEPCO habe die Arbeiter daraufhin in Teams eingeteilt und ein Messgerät pro Gruppe ausgegeben. Inzwischen habe TEPCO wieder genügend Messgeräte, jeder Arbeiter können nun mit einem Zähler ausgestattet werden, hieß es. Der Konzern habe ferner versichert, keinem Arbeiter ohne Messgerät mehr den Zutritt zum AKW-Gelände zu erlauben.
500 Arbeiter im Schichtdienst
Derzeit sind etwa 500 Arbeiter von TEPCO und Subunternehmen sowie Feuerwehrleute und Soldaten im Schichteinsatz, um die Situation in Fukushima 1 wieder unter Kontrolle zu bekommen. Durch das Erdbeben und den Tsunami waren die Kühlsysteme ausgefallen, wodurch es zu Explosionen und Bränden in den überhitzten Reaktoren kam und radioaktive Strahlung austrat.
Nach Angaben der Atomsicherheitsbehörde wurden bisher 21 Arbeiter einer Strahlung von mehr als 100 Millisievert ausgesetzt. Mehrere Arbeiter mussten wegen Verstrahlung ins Krankenhaus gebracht werden.
Mutter bricht das Schweigen
Die Mutter eines Fukushima-Arbeiters berichtet dem US-Sender Fox News von einem Gespräch mit ihrem Sohn - anonym, da alle Beteiligten angehalten sind, nicht an die Öffentlichkeit zu treten. „Er erzählte mir, sie hätten akzeptiert, dass sie alle wahrscheinlich sterben werden - kurzfristig an der Strahlenkrankheit oder langfristig an Krebs“, wird die Mutter bei Fox News (Onlineausgabe) zitiert.
Immer wieder falsche Strahlenwerte
Es ist nicht das erste Mal, dass TEPCO wegen Schlampereien und fehlerhafter Informationspolitik in der Kritik steht. So räumte TEPCO am Freitag Fehler beim Messen von Radioaktivität rund um Fukushima I ein: Das Computerprogramm, mit dem radioaktive Elemente analysiert und ihre Strahlung bestimmt werden, sei fehlerhaft, begründete TEPCO die Panne.
Zuvor hatten Experten kritisiert, gemessene Werte des radioaktiven Wassers im AKW seien zu hoch. TEPCO-Vertreter und die Industrie-Sicherheitsbehörde sagten, die zuvor veröffentlichten Strahlungswerte etwa der seltenen Elemente Tellurium-129 und Molybdän-99 könnten über den tatsächlichen Leveln liegen. In den vergangenen Tagen hatte TEPCO mehrfach bereits veröffentlichte Messwerte korrigieren müssen.
Wind dreht wieder in Richtung Tokio
Die Anwohner des havarierten Atomkraftwerks Fukushima I werden möglicherweise nie wieder in ihre Häuser zurückkehren können. Die Evakuierung des Katastrophengebiets sei langfristig angelegt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Freitag.
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