Kein Befreiungsschlag erwartet
Einen Tag vor dem Sondergipfel der Euro-Zone ist die europäische Staatsschuldenkrise auf den Renten- und Devisenmärkten wieder zum beherrschenden Thema geworden. Dazu trug laut Händlern die Herabstufung der Bonitätseinschätzung Spaniens durch die Ratingagentur Moody’s bei.
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Der Euro fiel in der Früh auf bis zu 1,3806 Dollar und lag damit rund einen US-Cent unter seinem US-Vortagsschluss. „Die Unsicherheit vor dem Euro-Treffen am Freitag sorgt für einen unruhigen Handel“, sagte Währungsstrategin Jessica Hoversen von MF Global in Chicago.
Hoffen auf Krisengipfel
Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder kommen zunächst am Freitag in Brüssel zusammen, um einen Weg aus der Krise zu finden. Ende des Monats folgt dann ein EU-Gipfel dazu. Im Fokus dürften dabei die Ausweitung des Rettungsfonds EFSF und ein Pakt für Wettbewerbsfähigkeit stehen. Analysten erwarten jedoch keinen Befreiungsschlag.
„Wir werden wohl eine gemeinsame Erklärung, aber noch keine detaillierten Schritte geliefert bekommen. Das wird für Enttäuschung sorgen und auf dem Euro lasten“, sagte Cyrus de la Rubia, Volkswirt bei der HSH Nordbank. „Wird die Stellungnahme zu weich formuliert, fassen die Finanzmärkte kein Vertrauen.“
Spanien besser bewertet als Griechenland
Moody’s senkte seine Bonitätsnote für das mit Haushaltsproblemen kämpfende Spanien auf „Aa2“ von „Aa1“. Der Ausblick fiel ebenso wie kürzlich bei der Ratingagentur Fitch negativ aus. Moody’s begründete den Schritt mit dem hohen Finanzierungsbedarf des Landes und den hohen Kosten für die Reform des Bankensektors. Zugleich schlossen sie eine weitere Herabstufung nicht aus und beurteilten die Perspektiven für eine Verbesserung der Lage mit „negativ“.

APA/Walter Longauer
Spanien wurde am Donnerstag von „Aa1“ um eine Stufe auf „Aa2“ herabgesetzt.
Moody’s zweifelt zudem an der Fähigkeit der spanischen Regierung, die erforderliche Verbesserung der Staatsfinanzen zu erreichen. Die Agentur verweist auf die große Bedeutung der Haushalte der Regionen. Zudem dürfte das Wirtschaftswachstum moderat bleiben. Spanien bleibe auch verwundbar durch mögliche Verwerfungen auf den Märkten. Das gelte nicht nur für den Gesamtstaat, sondern auch für die Regionen und Banken.
Kritik aus Madrid: „Voreilig“
Die Regierung in Madrid zeigte sich überrascht von der Herabstufung und bezeichnete sie als voreilig. Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado sagte, die Agentur hätte mit ihrer Entscheidung warten sollen, bis die Madrider Zentralbank im Detail die Kapitalbedürfnisse der einzelnen Sparkassen aufliste. Diese Liste beweise, dass die Sanierung der Kassen nicht mehr als die - von der Regierung genannte - Summe von 20 Milliarden Euro kosten werde.
Moody’s stuft Spanien nun mit der gleichen Note ein wie der Rivale Standard & Poor’s. Beide Agenturen schätzen das Risiko einer Staatspleite in Spanien damit jedoch noch immer als sehr gering ein - vor allem im Vergleich zu Griechenland.
Zu Wochenanfang hatte Moody’s bereits den Daumen über Griechenland gesenkt und dessen Bonitätseinstufung gleich um drei Stufen reduziert. Die Agentur hält damit griechische Staatsanleihen für risikoreicher als ägyptische Papiere. Am Mittwoch musste dann Portugal auf dem Finanzmarkt für einen Kredit so hohe Zinsen zahlen wie nie zuvor seit seinem Beitritt zur Euro-Zone. Die Regierung in Lissabon warnte daraufhin, die Schuldenkosten auf Dauer nicht tragen zu können, und forderte von den Euro-Partnern einen Befreiungsschlag in der Schuldenkrise.
Rehn: „Gewaltiger Erwartungsdruck“
Am Freitag beraten die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone darüber, wie Schuldenkrisen künftig vermieden werden könnten. EU-Währungskommissar Olli Rehn appellierte, noch in diesem Monat eine umfassende politische Strategie zu beschließen: „Das Treffen der Euro-Regierungschefs am Freitag und der EU-Gipfel Ende des Monats haben entscheidende Bedeutung für die Zukunft der Währungsunion.“ Auf den Finanzmärkten habe sich ein gewaltiger Erwartungsdruck aufgebaut. „Wenn wir die Erwartung der Märkte enttäuschen, dann könnte uns das teuer zu stehen kommen“, sagte Rehn dem deutschen „Handelsblatt“.
Der EU-Kommissar forderte außerdem, die Euro-Zone müsse Griechenland - und auch Irland - günstigere Kreditkonditionen als bisher einräumen. „Ich sehe die Gefahr, dass wir die beiden Länder mit zu strikten Kreditkonditionen überfordern“, sagte Rehn. Die Euro-Zone müsse deshalb die Kreditzinsen für Griechenland und Irland senken. Für Griechenland solle außerdem die Laufzeit der Kredite von dreieinhalb auf sieben Jahre verlängert werden.
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