Muslimbrüder nach Gesprächen enttäuscht
Das ägyptische Militär hat in der Nacht auf Montag einen Versuch abgebrochen, den Tahrir-Platz in Kairo zu räumen. Auch vergangene Nacht hatten wieder zahlreiche Regierungsgegner auf dem Platz im Zentrum der Hauptstadt campiert. Nach Sonnenuntergang schossen die Soldaten in die Luft, um die Menschenmenge zu vertreiben.
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Als die Demonstranten nicht wichen, gaben die Truppen das Vorhaben auf. „Der Feigling ist ein Feigling, und der Mutige ist ein Mutiger, und wir werden den Platz nicht verlassen“, sagte der 20-jährige Demonstrant Sameh Ali. Nach den Schüssen am Abend blieb es über Nacht ruhig. Montagfrüh demonstrierten bereits wieder Tausende Menschen auf dem Tahrir-Platz.
Auch nach der Aufnahme von Gesprächen mit der Regierung halten die ägyptischen Oppositionsgruppen an ihrer Forderung nach einem Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak fest. Die Proteste auf dem Tahrir-Platz in Kairo und anderenorts sollen deshalb fortgesetzt werden.

Reuters/Asmaa Waguih
Auch die Nacht auf Montag verbrachten Tausende auf dem Tahrir-Platz.
Obama: Kein Weg zurück für Ägypten
Unterdessen äußerte sich US-Präsident Barack Obama zuversichtlich, dass sich auch die künftige Regierung Ägyptens als guter Partner der USA erweisen werde. Voraussetzung sei ein „geordneter“ Übergangsprozess, sagte Obama Sonntagabend in einem Interview des US-Senders Fox. Fest stehe: „Ägypten wird nicht zu dem zurückkehren, was es war.“
Auf die Frage nach der Rolle der Muslimbruderschaft in einer künftigen Regierung äußerte sich der Präsident zurückhaltend. Die Islamistenbewegung sei gut organisiert, räumte Obama ein, aber sie sei nur eine Gruppe im Land. Er warnte davor, zu sagen, „dass unsere einzigen beiden Optionen die Muslimbruderschaft und die Unterdrückung des ägyptischen Volkes sind“.
Opposition will Ende des Ausnahmezustandes
Nach zweiwöchigen Massenprotesten hatte Vizepräsident Omar Suleiman am Sonntag Gespräche mit Oppositionsvertretern geführt, an denen erstmals auch die Muslimbruderschaft teilnahm. Diese hatte die Aufnahme eines Dialogs bis dato vom Rücktritt Mubaraks abhängig gemacht. Bei den Gesprächen wurde nach Angaben von Oppositionsvertretern Einigung erzielt, dass die jüngsten Versprechen Mubaraks umgesetzt werden sollten.
Dazu zählten eine Verfassungsänderung, mehr Pressefreiheit und ein Ende des Ausnahmezustands - sobald das die Sicherheitslage zulasse. Zudem solle die Jugend eine größere Rolle in der Politik bekommen und Korruption bekämpft werden. Die Muslimbruderschaft zeigte sich nach dem Treffen dennoch enttäuscht. Die Regierung sei auf die meisten Forderungen nicht eingegangen. Man könne bisher nicht von Verhandlungen sprechen, erklärte einer ihrer Vertreter im TV-Sender al-Jazeera. Am Montag wolle man über das weitere Vorgehen beraten.
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