Anleihenausgabe zufriedenstellend
Die Finanzmärkte haben Portugal eine Schonfrist gewährt und dem Land vorerst eine Flucht unter den EU-Rettungsschirm erspart. Bei Anleiheauktionen sammelte der hoch verschuldete Staat am Mittwoch die angepeilte Summe von rund 1,25 Milliarden Euro ein und blieb dabei unter den als Schmerzgrenze genannten sieben Prozent Zinsen bei lang laufenden Papieren.
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Ein Hilfsgesuch an Brüssel ist für die Regierung in Lissabon daher weiter kein Thema: „Wir brauchen die Hilfe nicht. Wir können unsere Arbeit selbst machen“, betonte Ministerpräsident Jose Socrates vor Reportern in Frankfurt. „Alles, was wir brauchen, ist Vertrauen.“
Portugals Präsident Anibal Cavaco Silva warnte aber vor übertriebenen Hoffnungen. „Das ist nur ein Anfang“, sagte der Staatschef. Die Emission war wegen der wieder aufgeflammten Schuldenkrise mit Spannung erwartet worden. Nach Griechenland und Irland gilt Portugal als nächster haushaltspolitischer Wackelkandidat im Euro-Raum. Die Kapitalaufnahme sei „nicht schlecht“ verlaufen, sagte Silva. „Aber die Regierung hat noch sehr viel Arbeit vor sich.“ Portugal dürfe sich keinen Illusionen hingeben.
„In der Lage, sich mit Geld zu versorgen“
Der portugiesische Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos betonte erneut, dass Portugal zur Sanierung seiner Finanzen keine internationale Hilfe benötige. „Aus der Operation lässt sich der Schluss ziehen, dass Portugal in der Lage ist, sich auf den Kapitalmärkten zu akzeptablen Bedingungen mit Geld zu versorgen.“ Er hoffe, dass das Misstrauen auf den Finanzmärkten nachlasse und damit auch die fälligen Zinssätze wieder sinken würden.
Wermutstropfen trübt Freude
Obwohl die Regierung in Lissabon die Anleiheauktionen als Erfolg feierte, gibt es einen Wermutstropfen: Portugal musste den Investoren zumindest für seine knapp vierjährigen Anleihen höhere Renditen bieten als zuletzt. Bei den zehnjährigen Staatstiteln fielen die Zinsen hingegen mit 6,716 Prozent etwas niedriger aus.
Experten sehen das als Hoffnungszeichen: „Hauptsache ist, dass die zehnjährige Rendite unter sieben Prozent lag und besser war als bei der letzten Versteigerung von zehnjährigen portugiesischen Papieren“, sagte Huw Worthington von Barclays Capital. Auch Finanzminister Dos Santos hatte bereits vor Monaten die Marke von sieben Prozent als Schmerzgrenze für die Refinanzierung des Landes bezeichnet.
Experten glauben dennoch an Rettung
Nach Ansicht der meisten von Reuters befragten Experten wird Portugal am Ende aber Schutz unter dem EU-Schirm suchen müssen. In Kreisen der Euro-Länder hieß es, ein Paket von 50 bis 100 Milliarden Euro an Kreditgarantien werde bereits vorbereitet. Dazu dürfte es spätestens im Frühjahr kommen, wie Ökonom Paolo Pizzoli von ING betont: „Mit geplanten Bruttoemissionen für 2011 in einer Größenordnung von 20 Milliarden Euro steht der Haupttest noch bevor.“
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