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Spanien: Too big to fail?

Nach Irland muss Schluss sein. Der Vorsitzende des Centre for Economic Policy Research, Guillermo de la Dehesa, ist überzeugt davon, dass kein weiterer kriselnder Euro-Staat gerettet werden soll. In einem Beitrag des Wirtschaftswissenschaftsportals VoxEU.org nannte er zehn Gründe, warum die EU nicht ihren Rettungsschirm weiter ausbauen, sondern stattdessen ihre Mitglieder zu mehr Sparmaßnahmen drängen soll.

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De la Dehesa ist überzeugt davon, dass die aktuellen Rettungspläne nicht gut durchdacht seien und die Zahlungsunfähigkeitsprobleme der betroffenen Staaten nur noch verstärken würden. Ein Grund dafür sei, dass mit dem Rettungsfonds in den ersten fünf Jahren keine Schulden des Krisenstaats aufgekauft werden dürften. Der Staat kann nur Liquidität in Form von hochverzinsten Fünfjahresdarlehen erhalten. Das führe dazu, dass noch mehr Schulden angehäuft würden. So würde die Rettung kurzfristig zwar die Liquidität steigern, die Situation der Zahlungsfähigkeit langfristig jedoch verschlechtern.

Riesige Gewinne für Spekulanten

Angetrieben von den verwirrenden Signalen heimsten Spekulanten mit Leerverkäufen von Euro-Zonen-Anleihen riesige Gewinne ein. Langfristige, seriöse Investoren, wie Pensionsfonds und Versicherungsunternehmen, hingegen kommt das teuer zu stehen. Diese Entwicklung könne nur eingebremst werden, wenn man dem Stabilitätsfonds erlaube, die EZB beim Schuldenkauf auf dem Zweitmarkt zu unterstützen, plädiert De la Dehesa.

Furcht vor Auseinanderbrechen der Euro-Zone

Als Konsequenz daraus befürchtet der Finanzexperte, dass mehr und mehr Investoren die Angst haben, die Schuldenkrise könne zu einem Auseinanderfallen der Euro-Zone führen und damit den Euro bedrohen. Faktisch könnten die meisten Euro-Länder nicht zu ihrer alten Währung zurückkehren. Vielen von ihnen drohte nämlich die Insolvenz, wenn sie diesen Schritt unternehmen würden, während ihre Anleihen weiter in Euro notiert sind. Allein die Ankündigung eines Euro-Ausstiegs könnte einen Staat deshalb schon zahlungsunfähig machen, prophezeit de la Dehesa.

Selbst Deutschland etwa könnte nicht aus dem Euro aussteigen. In diesem Fall würde das zwar nicht zu einer Zahlungsunfähigkeit führen. Im Gegenteil, es könnte eine Steigerung der Bonität auslösen, die das Wirtschaftswachstum gefährdete und dadurch das exportabhängige Land an einer neuen Rezession leiden lassen würde.

Reiche Staaten gleichen Defizite anderer aus

Rettungsaktionen seien womöglich gar nicht nötig: Gegenüber der restlichen Welt sieht De la Dehesa die Euro-Zone als nahezu ausbalanciert. So beträgt der Leistungsbilanzüberschuss aktuell 0,2 Prozent des Gesamt-BIPs. De la Dehesa sieht den Euro-Raum deshalb aus globaler Perspektive als geschlossene Wirtschaftseinheit. Den Leistungsbilanzüberschüssen wirtschaftlich erfolgreicher Staaten wie Deutschland (6,1 Prozent des BIP) und den Niederlanden (5,7 Prozent) stünden die Defizite von Spanien (5,1 Prozent), Italien (2,9 Prozent) und Frankreich (1,8 Prozent) gegenüber.

Ausgeglichen sei auch das Verhältnis zwischen der Summe der Forderungen und der Kapitalzahlungsbilanz jedes Landes - die beiden Summen ergäben null. Ein Land mit einem Leistungsbilanzüberschuss müsse demnach ein Kapitalbilanzdefizit im selben Ausmaß haben, und umgekehrt. Das bedeutet, dass Deutschland und die Niederlande die Leistungsbilanzdefizite von Spanien, Italien und Frankreich finanzierten, indem sie ihre Schulden oder erweiterten Anleihen kauften.

Davon abgesehen habe weder Portugal, noch Belgien, geschweige denn Spanien Nettoverschuldungen in der Höhe von Griechenland. Auch hätten diese Länder keine derart großen Bankenbonitätsprobleme, für die die Regierungen voll einspringen müssten, wie es bei Irland der Fall war.

Spanien zu groß für Rettung

Ein weiterer Grund für eine Nichtrettung ist aus De la Dehesas Sicht schlicht und einfach, dass Spanien zu groß sei, um unter den Rettungsschirm zu schlüpfen. Sein Schuldenberg betrage nahezu 500 Mrd. Euro. Eine Rettungsaktion dieses Ausmaßes könnte erneut eine Bankenkrise hervorrufen und zur Feuerprobe für den Euro werden. Spanien müsse deshalb seine Versprechungen einhalten und Reformen und Einsparungsmaßnahmen durchführen.

Außerdem hätte eine drohende Euro-Krise negative Auswirkungen auf die restliche Welt. Denn der Währungsraum ist einer der größten Importeure und Investoren weltweit - eine ernsthafte Krise würde damit auch das weltweite Wachstum bremsen oder sogar zu einem neuerlichen Schlittern in die Rezession führen („Double Dip Recession“). Die Länder seien alle im selben Boot und riskierten damit, zusammen zu sinken.

Schonungslose Maßnahmen gefordert

Schließlich könne man schlicht und einfach nicht 52 Jahre europäische Wirtschaftsintegration und 16 Jahre Währungsintegration aufs Spiel setzen. De la Dehesa hofft, dass letztendlich die Verantwortlichen aus ihren Fehlern gelernt haben. Der einzige Ausweg ist aus seiner Sicht deshalb, so schnell wie möglich mehr schonungslose Maßnahmen zu ergreifen, bevor sich die Situation verschlechtert.

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