Informanten „in Sicherheit gebracht“
Die US-Diplomatie hat einem Zeitungsbericht zufolge einige ihrer Informationsquellen vor möglichen Repressalien nach der Veröffentlichung zahlreicher Depeschen durch die Internet-Enthüllungsplattform WikiLeaks gewarnt. Angeblich ist eine Großaktion angelaufen, um „WikiLeaks-Opfer“ zu schützen.
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Wie die „New York Times“ („NYT“) am Freitag berichtete, sind etwa 30 Diplomaten in Washington und in US-Botschaften weltweit damit beschäftigt, „Hunderte Menschenrechtler, Mitarbeiter ausländischer Regierungen und Geschäftsleute“ zu warnen, die von WikiLeaks als Informanten bloßgestellt wurden oder werden könnten. Das US-Außenministerium bestätigte die Angaben.
Schutz vor „Gewalt und Verfolgung“
Man konzentriere sich auf Menschen, die in autoritären Staaten lebten und Gefahr liefen, Gewalt und Verfolgung zu erleiden, sagte Philip Crowley, der Sprecher des Außenministeriums, am Freitag. Einzelheiten nannte er nicht. Washington habe aber betroffene Regierungen vor Übergriffen auf die Bloßgestellten gewarnt.
Laut dem „NYT“-Bericht habe auch eine Handvoll Personen „in Sicherheit gebracht“ werden müssen. Vor allem Personal der US-Botschaften sei teils in das jeweilige Herkunftsland umgezogen, andere wurden in andere Staaten geschickt worden, hieß es unter Berufung auf anonyme Quellen innerhalb der Regierung von US-Präsident Barack Obama.
Bisher noch nichts passiert
Bisher habe das US-Außenministerium allerdings noch keine Angriffe oder Inhaftierungen im direkten Zusammenhang mit den WikiLeaks-Enthüllungen registriert, wurde in der Zeitung betont. Allerdings seien von den mehr als 250.000 US-Diplomatendepeschen auch erst knapp ein Prozent veröffentlicht worden.
Gefundenes Fressen für andere Geheimdienste?
WikiLeaks und die Zeitungen, die im November mit der Veröffentlichung der Enthüllungen begannen, darunter die „New York Times“, hatten zahlreiche Namen in den Dokumenten unkenntlich gemacht. Doch Washington befürchtet der Zeitung zufolge auch, dass ausländische Geheimdienste versuchen, an sämtliche Depeschen heranzukommen.
Die Internet-Enthüllungsplattform hatte unlängst zahlreiche US-Diplomatendepeschen veröffentlicht. Das Ministerium meint, einige der dort Genannten könnten gefährdet sein. Die USA prüfen derzeit, ob sie gegen WikiLeaks-Gründer Julian Assange eine Klage einreichen. Assange hatte gedroht, sämtliches ihm zur Verfügung stehendes Material in unzensurierter Form veröffentlichen zu lassen, sollten die USA ihm seine Tätigkeit in der derzeitigen Form verunmöglichen.
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