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Assange zieht Vergleich zur Irans Regime

Der Kurznachrichtendienst Twitter ist zum Spielball im Konflikt zwischen Washington und der Enthüllungswebsite WikiLeaks geworden: Twitter ist nun aufgrund eines gerichtlichen Befehls gezwungen, der US-Regierung alle Daten über - vorerst - sieben Userkonten auszuhändigen, von WikiLeaks-Chef Julian Assange abwärts.

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Neben Assange fordern die USA auch alle Daten jener Twitter-Accounts, hinter denen sie die isländische Parlamentsabgeordnete Birgitta Jonsdottir, den niederländischen Hacker Rop Gonggrijp, den US-Programmierer Jacob Appelbaum und den US-Soldaten Bradley Manning vermuten. Sie alle sollen zentrale Rollen im WikiLeaks-Netzwerk spielen, bestreiten das aber zum Teil vehement.

USA wollen auch den letzten Datenbrösel

Twitter ist durch die Gerichtsorder verpflichtet, einfach alles über die betreffenden Userkonten preiszugeben: E-Mail-Adressen, allenfalls bekannte Wohnorte und Telefonnummern, allfällige weitere relevante Usernamen und -daten, IP-Adressen von Computern, exakte Zeitangaben darüber, wer wann online war; und den Inhalt aller Botschaften sowieso - auch der privaten.

Die Welt hätte von all dem nichts erfahren sollen. Durch das vom 14. Dezember datierte Schriftstück wird Twitter auch verpflichtet, absolutes Stillschweigen über die Wünsche der US-Regierung zu wahren. Offenbar hatte Twitter seither mit allen rechtlichen Mitteln gegen den Gerichtsbefehl gekämpft und sich nun als letztes Mittel an die Öffentlichkeit gewandt - das allerdings nur indirekt.

WikiLeaks-Leute loben Twitter für Mut

Um nicht gegen die gerichtlichen Auflagen zu verstoßen, ging das in San Francisco ansässige Unternehmen Twitter Inc. nicht selbst an die Öffentlichkeit, sondern informierte „nur“ die betroffenen User selbst, zumindest offiziell: Denn der Onlineplattform Salon.com wurde darüber hinaus auch ein komplett unzensuriertes Faksimile des Gerichtsbefehls zugespielt, das dort am Samstag online gestellt wurde.

Assange und seine Unterstützer nahmen Twitter demonstrativ in Schutz und lobten es für seinen „edlen Kampf“ und die Bemühungen, die WikiLeaks-Community so weit wie möglich zu schützen. Tatsächlich darf davon ausgegangen werden, dass die US-Regierung auch Daten von anderen wollte - etwa Serverbetreibern und jenen Finanzdienstleistern, über die sich WikiLeaks mit Spenden finanziert - und dass diese Unternehmen sich der Schweigepflicht beugten.

„Sieht so aus, als wären die Ferien vorbei“

Twitter selbst wollte die Causa am Samstag mit keinem Wort kommentieren. Die Betroffenen waren weniger zurückhaltend. Assange erklärte, ein Aufschrei in der ganzen Welt wäre wohl die Folge, wenn der Iran dasselbe tun würde, was die USA nun getan hätten. Die isländische Abgeordnete Jonsdottir meinte in einer Twitter-Botschaft: „Ich habe keinerlei Absicht, meine Daten freiwillig herzugeben.“

Dass die USA nun gegen die WikiLeaks-Leute persönlich vorgehen, könnte dazu führen, dass in dem Kräftemessen auch die letzten Hemmungen fallen: Assange hatte mehrmals gedroht, WikiLeaks werde auch bisher aus Rücksicht zurückgehaltene Daten veröffentlichen, sollten die USA den Konflikt eskalieren lassen. Der Programmierer Appelbaum, derzeit offenbar in Island, meinte vielsagend in einer Twitter-Botschaft: „Sieht so aus, als wären die Ferien vorbei.“

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