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Menschen durch WikiLeaks in Gefahr

Mit der Veröffentlichung von 90.000 Dokumenten zum Afghanistan-Einsatz hat die Enthüllungsplattform WikiLeaks für Aufregung gesorgt. Nun sollen in „einigen Wochen“ 15.000 weitere Unterlagen folgen. Das Pentagon macht gegen die Veröffentlichung Druck und bezeichnet sie als strafrechtlich relevant. Aber auch Hilfsorganisationen kritisieren WikiLeaks. Sie fürchten um die Sicherheit von Informanten.

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Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (RSF) sprach im Zusammenhang mit den angekündigten weiteren Veröffentlichungen auf der Website WikiLeaks von „unglaublicher Verantwortungslosigkeit“.

Es sei „hoch gefährlich“, die Namen von hunderten Afghanen offenzulegen, die mit der US-geführten Koalition zusammenarbeiten, erklärte die in Paris ansässige Organisation. „Die Taliban und andere bewaffnete Gruppen können damit ohne Schwierigkeiten eine schwarze Liste von Menschen erstellen, die umgebracht werden sollen, und mörderische Vergeltung üben.“ Im Übrigen bringe WikiLeaks durch seine „Unvorsicht“ seine eigenen Quellen in Gefahr.

„Tödliche Folgen für Informanten“

Auch Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International, forderten WikiLeaks auf, mehr zu tun, um Namen aus den Dokumenten zu entfernen. Man habe bereits „die negativen, manchmal tödlichen Folgen für jene Afghanen erlebt, von denen bekanntgeworden ist, dass sie mit den internationalen Streitkräften zusammenarbeiten und mit ihnen sympathisieren“, heißt es nach Angaben des „Wall Street Journals“ in einem Brief an die Betreiber der Plattform.

WikiLeaks: „Zeile für Zeile“ untersucht

WikiLeaks hatte stets versichert, „die Namen unschuldiger Parteien, die tatsächlich einer Gefährdung ausgesetzt sind“, zu schützen. Die rund 15.000 Dokumente die in einigen Wochen veröffentlicht werden sollen, würden derzeit „Zeile für Zeile“ untersucht und gegebenenfalls bearbeitet, weil sie die Identifizierung einzelner Betroffener zuließen, sagte Assange am Samstag in Stockholm. „Wir haben 8.000 Dokumente analysiert, wenn wir den bisherigen Rhythmus beibehalten, sollte der Rest noch zwei Wochen dauern.“

Die neuen Unterlagen sollen wie die bereits Ende Juli publik gewordenen 90.000 Dokumente zeigen, dass die Lage in Afghanistan bei weitem schlimmer ist als von den Streitkräften und den verantwortlichen Politikern in der Öffentlichkeit dargestellt.

NATO: Strafrechtlich relevant

Die NATO-Truppe ISAF und die US-Regierung haben die Internetplattform WikiLeaks vor der Veröffentlichung weiterer geheimer Afghanistan-Dokumente gewarnt. Während ISAF-Sprecher Josef Blotz in einem Interview am Samstag sagte, schon die bisherigen Veröffentlichungen seien strafrechtlich relevant, befürchtete Washington wie auch Menschenrechtsorganisationen eine Gefährdung Unschuldiger.

Die Veröffentlichung sei nicht nur strafrechtlich relevant, sondern auch „moralisch unverantwortlich“ gewesen, sagte der deutsche ISAF-Sprecher Blotz der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die Namensnennung von afghanischen Mitarbeitern der ISAF und von internationalen Hilfsorganisationen sei „besonders verwerflich, weil sie diese Menschen einer zusätzlichen Gefährdung aussetzt“, sagte Blotz. Das Ganze sei eine „fehlgeleitete Aktion“, die das Friedens- und Versöhnungsprogramm der afghanischen Regierung behindern könnte.

„Wir sind besorgt, dass die zusätzlichen Dokumente größere Gefahren darstellen als die bereits veröffentlichten“, erklärte Pentagon-Sprecher David Lapan. Gefährdet sind nach seinen Worten vor allem Menschen, „die darum bemüht sind, den Afghanen Sicherheit und Frieden zu bringen“.

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