Angst vor einer Kettenreaktion
Wer in Peking eine Wohnung kaufen will, muss tief in die Tasche greifen: Im Schnitt liegt der Quadratmeterpreis bei 21.164 Yuan (2.330 Euro) - doppelt so hoch wie noch vor einem Jahr. Nun hat die Regierung die Reißleine gezogen und damit viele Anleger verunsichert. Für Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff steht ein Platzen der Blase unmittelbar bevor.
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Chinas Wirtschaftswachstum erreicht momentan schwindelerregende Höhen - allein im ersten Quartal 2010 wuchs die Wirtschaft um 11,9 Prozent. Vor allem der Immobilienmarkt boomt seit Monaten. Die Immobilienpreise verteuerten sich im Mai in den 70 wichtigsten Metropolen des Landes im Jahresvergleich um durchschnittlich 12,4 Prozent.

APA
Experten warnen bereits des Längeren vor einer Blase, die jederzeit platzen kann. Vor wenigen Wochen ist die Regierung in Peking deshalb auf die Bremse getreten und hat die Kreditvergabe eingeschränkt. Weiters hat die Zentralbank die Untergrenze für Hypothekenzinsen angehoben, ebenso wie die Höhe der Anzahlungen. Sogar über eine Immobiliensteuer wurde laut nachgedacht. Die Maßnahmen zeigen bereits erste Wirkung. Der Leitindex verlor in den ersten Wochen bis zu 6,7 Prozent, und auch auf dem Immobilienmarkt gingen die Verkäufe erstmals um bis zu 25 Prozent zurück. Die Preise stiegen im Mai zwar weiter - doch etwas langsamer als noch im April. Im Juni gingen auch die Preise erstmals seit Februar 2009 zurück.
Sorge über Banken
„Wir fangen an, diesen Kollaps bei Immobilien zu sehen, und er wird das Bankensystem treffen“, erklärte Rogoff gegenüber Bloomberg TV. Laut dem früheren IWF-Chefökonom wachse die Wirtschaft immer noch zu schnell, daher werde es zwangsläufig zu „Einbrüchen“ kommen.
Rogoff gilt als einer der weltweit führenden Ökonomen, 2008 sagte er bereits den Zusammenbruch der US-Banken voraus. Sollten die Vorhersagen der Wirtschaftsexperten tatsächlich eintreten, und der Markt in den kommenden Quartalen tatsächlich um bis zu 30 Prozent einbrechen, werde das „die Banken des Landes hart treffen“, so Rogoff.
Auch die chinesische Bankenaufsicht CBRC warnte vor faulen Immobilienkrediten. „Die Gefahr, dass 2010 Kreditanlagen zu substanziellen Risiken und Verlusten werden, hat sich erhöht“, steht in ihrem Mitte Juni veröffentlichten Jahresbericht zu lesen. Vergleichsweise große Gefahren für die chinesischen Banken gingen von einer „unvernünftigen Kreditvergabe“ an regionale staatliche Investoren aus.
Stresstest für Immobilienmarkt
Auch Chinas Bankenaufsicht hat nun reagiert und die Treuhandfirmen des Landes einem „Stresstest“ unterzogen. Die Behörde wollte prüfen, ob die Vermögensverwaltungsgesellschaften einem Abschwung im Immobiliensektor standhalten könnten, berichtete der „Economic Observer“. Chinas Bauunternehmer haben zur Finanzierung ihrer Projekte zuletzt verstärkt auf Treuhandfirmen zurückgegriffen. Als Konsequenz aus den Tests könnte den Firmen auferlegt werden, weniger Immobilienprojekte zu unterstützen.
Einer der größten Branchenfinanzierer des Landes geht davon aus, dass sich der Markt in der zweiten Jahreshälfte weiter abkühlen wird. Die Regierung werde wohl an ihren Maßnahmen festhalten, sagte der Chefvolkswirt der Bank of Communications, Lian Ping, auf
einem Seminar.
Immobilienpreise führen zu Unruhen
Hintergrund für das Eingreifen der Regierung sind die immer sichtbarer werdende Folgen, die die steigenden Immobilienpreise auf die Bevölkerung haben. Viele Jungfamilien können sich selbst schäbige Wohnungen nicht mehr leisten. In Peking etwa liegt der durchschnittliche Preis für eine Wohnung bei 21.164 Yuan (2.330 Euro) pro Quadratmeter - und der steigt monatlich noch. Auf der anderen Seite stehen neu gebaute Appartementanlagen als Investmentobjekte leer. Das führt zu gesellschaftlicher Unzufriedenheit und Protesten.
Profite zulasten der Bevölkerung
Durch die Preisentwicklung hat sich der Immobiliensektor in Chinas Städten aber auch zu einer einkommensstarken Branche entwickelt. Vor allem lokale Behörden und Immobilienentwickler profitieren davon zulasten vieler Bürger und der sozialen Stabilität. Allein 2009 erreichten die Einkünfte aus Landverkäufen der Regierung in den 70 größten Städten Chinas eine Höhe von knapp 160 Milliarden Dollar. Landverkäufe stellen bis zu 60 Prozent des Einkommens von lokalen Regierungen dar, berichtet die „New York Times“.
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