Verweis auf regionale Unterschiede
Die gute Wirtschaftsentwicklung lässt die Arbeitslosigkeit in Österreich weiter sinken. Ende Juli waren 282.583 Menschen als arbeitslos registriert, um 8,0 Prozent weniger als vor einem Jahr. Rechnet man Arbeitslose und Schulungsteilnehmerinnen und -teilnehmer zusammen, waren 340.593 Personen (minus 29.793) ohne Beschäftigung. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition sank um 0,7 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent.
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„Die äußerst positive Entwicklung am Arbeitsmark hielt im Juli weiter an“, hieß es dazu von AMS-Vorstand Johannes Kopf. Die Rede war von einem neuen Beschäftigungshöchststand, der - passend zu den derzeitigen Temperaturen - die Vermutung nahelege, „dass wohl noch nie so viele Menschen in Österreich über die Hitze am Arbeitsplatz stöhnen konnten wie heuer“.

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/AMS
Neben einem Rückgang der Arbeitslosigkeit in allen Bundesländern hob das AMS auch die gestiegene Nachfrage der Betriebe nach Arbeitskräften hervor. Ende Juli waren 79.099 sofort verfügbare offene Stellen gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr seien das 14.061 Arbeitsplätze mehr, was einem Plus von 21,6 Prozent entspreche. Mit 5.105 bzw. 13,6 Prozent meldete das AMS schließlich auch bei der Anzahl sofort verfügbarer offener Lehrstellen ein deutliches Plus - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.
Sinkende Arbeitslosenzahlen in allen Bundesländern
Laut AMS ging die Zahl der Arbeitslosen in allen Bundesländern zurück. Am Beispiel Tirol (3,3 Prozent Arbeitslosigkeit) und Wien (11,8 Prozent) zeigte das AMS die deutlichen Unterschiede zwischen den Bundesländern. Dazu kämen „deutliche Unterschiede zwischen den Regionen“, weswegen für das AMS außer Frage steht: „Örtliche Flexibilität bei der Arbeitssuche erhöht nach wie vor die Jobchancen in unserem Land.“

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/AMS
Mit Blick auf die starken regionalen Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften nehmen laut AMS bisher allerdings nur vergleichsweise wenige Menschen aus der Arbeitslosigkeit heraus Jobs an, die von ihrem Wohnort weiter entfernt sind. Aus diesem Grund habe man heuer die überregionale Vermittlung im Tourismus in den Fokus der Vermittlungen genommen, so das AMS.
Mit einem Minus von 10,7 Prozent zählt der Bereich Beherbergung und Gastronomie indes auch zu den Branchen, die von der guten Wirtschaftsleistung profitieren. Mit 14,3 bzw. 11,8 Prozent ist das Minus in der Baubranche und bei der Herstellung von Waren noch größer. Im Gesundheits- und Sozialwesen ging die Zahl der Arbeitslosen um 10,3 Prozent zurück.
Junge, männliche Inländer
Nach Personengruppen betrachtet gab es „überdurchschnittliche Rückgänge“ bei Langzeitarbeitslosen (minus 15,4 Prozent), Jugendlichen (minus 13,4 Prozent) und Männern (minus 9,4 Prozent). Besonders junge, männliche Inländer profitierten dabei von der Entspannung auf dem Arbeitsmarkt. Bei dieser Gruppe ging die Anzahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmerteilnehmer um 9,9 Prozent auf 178.244 zurück.
Bei Frauen betrug das Minus sechs Prozent. Schwächer als für andere Gruppen fiel das Minus auch bei älteren Arbeitssuchenden (minus 4,7 Prozent), Menschen mit Behinderung (minus 4,9 Prozent) und Arbeitslosen mit gesundheitlichen Einschränkungen (minus 3,5 Prozent) aus. Die geringsten Rückgänge gab es indes weiterhin bei Ausländerinnen und Ausländern mit einem Minus von 1,3 Prozent.
Diese machen etwa ein Drittel aller Arbeitslosen aus und ihre Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessert sich nur langsam: Während die Arbeitslosigkeit bei Inländern im Jahresabstand um 10,4 Prozent sank, betrug der Rückgang bei Ausländern nur 2,6 Prozent.
Hartinger-Klein mahnt zu Weitsicht
Arbeitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) zeigte sich „über den neuen Beschäftigungshochstand“ erfreut, mahnte in einer Aussendung gleichzeitig aber zu Weitsicht. Ungeachtet der guten Situation auf dem Arbeitsmarkt gelte es weiterhin Maßnahmen zu ergreifen, „um die vielfältigen Wettbewerbsvorteile angrenzender EU-Staaten auszugleichen und konkurrenzfähig zu bleiben“. Die Regierung habe es sich aus diesem Grund „zum Ziel gesetzt, eben hier anzusetzen und Österreich wieder ins Spitzenfeld der Länder mit der geringsten Arbeitslosigkeit im EU-Vergleich zu führen“.
Wie Hartinger-Klein führte auch SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch den Rückgang der Arbeitslosigkeit auf die Arbeit der Regierung zurück - allerdings der früheren unter Christian Kern (SPÖ). Nach Ansicht der Wirtschaftskammer (WKÖ) ist der Anstieg der Beschäftigung um 85.000 Personen „die hervorragende Leistung der österreichischen Wirtschaft“. Den WKÖ-Arbeitsmarktexperten zufolge seien „die strukturellen Probleme am Arbeitsmarkt, allen voran der regionale Mismatch, die größte Herausforderung“.
NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker sieht indes in der steigenden Anzahl offener Stellen ein Problem. „Unternehmen haben es immer schwerer, geeignete Fachkräfte zu finden.“ Bei der Zuwanderungspolitik müsse der Fokus stärker auf Arbeitskräfte und deren Qualifikation gelenkt werden.
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