Fabrik auch auf der Krim
Für den Firmennamen ist der ehemalige niederländische Fußballstar Boudewijn Zenden Pate gestanden, und der Großteil der verkauften Produkte stammt aus chinesischen Fabriken - auf seinem anhaltenden Expansionskurs setzt einer der größten russischen Schuhdetailhändler aber auch auf patriotische Werte und verstärkt auf „Made in Syria“.
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Nachdem im Vorjahr die ersten aus der von Syriens Langzeitmachthaber Baschar al-Assad kontrollierten Region Latakia hergestellten Schuhe bei der Zenden-Kundschaft offenbar großen Anklang gefunden haben, soll das Sortiment nun ausgebaut werden, wie Unternehmensgründer Andrej Pawlow laut dem Nachrichtenportal Bloomberg sagte.
Die erste per Lkw gelieferte Tranche, die über den Iran und Aserbaidschan den Weg in die russischen Zenden-Filialen fand, umfasste 10.000 Damensandalen - künftig will Zenden bis zu 350.000 Paare an Sommerschuhen in Syrien produzieren lassen.
Gelobt wurde von Pawlow in diesem Zusammenhang die hohe Qualität. Hinter dem Syrien-Engagement stehen aber auch geschäftliche Interessen: Die Produktion in dem Bürgerkriegsland ist für Zenden noch billiger als in China, wo Pawlow derzeit rund 80 Prozent seiner Schuhe herstellen lässt. Argumente, die offenbar auch für die Kundschaft eine Rolle spielen: Das Label „Made in Syria“ habe ihre Aufmerksamkeit erregt, sagte gegenüber Bloomberg eine Kundin. Schlagendes Kaufargument war dann aber der Preis der für umgerechnet rund 13 Euro verkauften Sandalen.

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In Syrien produzierte Sandalen in einer Zenden-Filiale
Ersatz für Türkei-Produktion
Pawlow zufolge sei man bei Zenden „Tag und Nacht“ auf der Suche nach Nischen, Syrien sei aber auch als Ersatz für die Produktion in der Türkei gedacht, die nach Angaben des Portals Upakovano zeitweise um die zehn Prozent des Zenden-Sortiments ausmachte. Nach dem Abschuss eines im Syrien-Einsatz befindlichen russischen Kampfjets durch türkische Streitkräfte sei bei Zenden dann aber die Entscheidung für einen Abbruch der Handelsbeziehungen gefallen.
Ganz nach Pawlows Sinn für Patriotismus habe sich der ehemalige russische Soldat dann Ersatz in Syrien gesucht, wo Russland als enger Assad-Verbündeter eine zentrale Rolle in dem seit 2011 laufenden Bürgerkrieg mit Millionen Vertriebenen und über 400.000 Toten spielt.

Reuters//Khaled al-Hariri
In der Region um Latakia sitzt Assad fest im Sattel
Geht es nach Galina Krawtschenko vom Moskauer Markforschungsinstitut FSG spielt Nationalstolz besonders für die Kundschaft in dem von Zenden abgedeckten Billigsegment in Russland eine Rolle. Russische Konsumenten seien durchaus bereit, die geopolitischen Aktivitäten von Präsident Wladimir Putin mit ihrem Geld zu unterstützen, wie mit Iwan Fejakow ein weiterer Marktforscher zu Bloomberg sagte.
80.000 Schuhe von der Krim
Das betrifft auch die von Russland annektierte Krim, wo Zenden im Vorjahr 80.000 Schuhe für den russischen Markt produzierte. Auch auf der für russische Unternehmer steuerbegünstigten Schwarzmeer-Halbinsel stehen die Zeichen für Zenden auf Expansion. Geht alles nach Plan, soll das Volumen dank einer derzeit im Bau befindlichen Fabrik in der Hafenstadt Jewpatorija künftig auf eine Million ansteigen.

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Zenden produzierte im Vorjahr auf der Krim 80.000 Paar Schuhe
In Summe will Pawlow im laufenden Geschäftsjahr zwölf Millionen Schuhe verkaufen, was im Vergleich zum Vorjahr einem Plus von 30 Prozent entspricht. Das 1997 gegründete Unternehmen ist Bloomberg zufolge nach Kari bereits die Nummer zwei im russischen Schuhdetailhandel. Während Kari angesichts der Rubel-Krise allein im Vorjahr 80 Geschäfte schließen musste, hat Zenden sein Filialnetz unter anderem dank der Übernahme von zwei Konkurrenten zuletzt auf rund 350 Geschäfte ausgebaut, und die Zahl soll weiter steigen: Bereits heuer wird die Eröffnung der 400. Filiale angepeilt.
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