Startschuss für Intensivwahlkampf
Zum Auftakt der letzten Woche vor der entscheidenden Stichwahl in Frankreich haben einander die Kandidaten am Montag ein hartes Fernduell geliefert. Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National bezeichnete ihren sozialliberalen Kontrahenten Emmanuel Macron als Gesicht der Finanzwelt. Kurz darauf schoss Macron zurück: Le Pen stehe für „Abschottung und Nationalismus“.
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Den Beginn machte Le Pen in Villepinte, einer 35.000-Einwohner-Stadt im Departement Seine-Saint-Denis. In der 18 Kilometer nordöstlich vom Pariser Zentrum gelegenen Ortschaft leben viele Anhänger Le Pens. Sie stellte Macron als Vertreter der Finanzwelt und der Globalisierung dar: „Ich rufe Euch auf, die Finanz, die Arroganz und die Herrschaft des Geldes zu verhindern“, so Le Pen vor Tausenden Anhängern.
„Nicht Vizekanzlerin von Frau Merkel sein“
Le Pen warf Macron zudem vor, Frankreich „der deutschen Kanzlerin“ unterwerfen zu wollen. Den Namen Angela Merkel nannte sie in diesem Zusammenhang nicht. Le Pen hatte sich im Wahlkampf mehrfach kritisch über Deutschland geäußert und gesagt, sie wolle „nicht Vizekanzlerin von Frau Merkel sein“. EU-Skeptiker Nicolas Dupont-Aignan leitete Le Pens Rede ein - am Samstag hatte sie angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs den EU-kritischen Politiker zum Premier zu machen.

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Le Pen bei ihrem Auftritt in Villepinte nahe Paris
Die Front-National-Politikerin hat ihre Melodie für den Endspurt gefunden: Während sie kurz vor dem ersten Wahlgang noch auf harte Antieinwanderungsparolen setzte, stellte sie am Montag die soziale Situation des Landes in den Vordergrund. Es geht ihr damit um die enttäuschten Wähler des Linksaußen-Kandidaten Jean-Luc Melenchon, der im ersten Wahlgang mit 19,6 Prozent ausgeschieden war.
„Sie nutzen Wut, stacheln Hass an"
Macron sprach am Nachmittag am nordöstlichen Stadtrand von Paris. Die Kundgebung erinnerte an eine große Party: Pastellbunte T-Shirts mit dem Slogan „Gemeinsam, Frankreich“ machten die Veranstaltungshalle zu einem Farbenmeer. Die Warnung vor Le Pen erschien in großen Lettern auf den Videowänden: „Die Geschichte wird sich an den 7. Mai 2017 erinnern. Aber wie?“ In seiner Rede warf er seiner Stichwahlgegnerin vor, Frankreich in die Isolation führen zu wollen.
Das Programm Le Pens und des Front National sei „ein Programm der Abschottung, des Protektionismus, des Isolationismus, des Nationalismus“, sagte Macron. „Sie nutzen die Wut, propagieren Lügen, stacheln Hass an, schüren Spaltungen.“ Macron sagte, die Stichwahl werde Frankreichs Zukunft für Jahrzehnte entscheiden.

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Macron warf Le Pen vor, das Land in die Isolation führen zu wollen
Es gebe die Verantwortung, „unsere Demokratie, unsere Republik zu beschützen“. Er wisse, dass auch Menschen für ihn stimmen werden, die seine Politik bekämpfen würden. „Aber mein Kampf ist heute auch ein Kampf dafür geworden, dass Sie Ihre Meinungsverschiedenheiten morgen noch äußern können.“
Schwere Krawalle in Paris
Abseits der Wahlkampfbühnen entlud sich die aufgeheizte Stimmung im Land bei der Demonstration zum 1. Mai in Paris, vier Polizisten wurden durch Molotowcocktails teils schwer verletzt. Laut Innenminister Matthias Fekl wurden die Bereitschaftspolizisten von „mehreren Dutzend“ Demonstranten mit „zahlreichen Molotowcocktails“ attackiert. Einer der vier Verletzten habe schwere Verbrennungen im Gesicht erlitten, ein anderer sei schwer an der Hand verletzt worden. Fekl verurteilte die Gewalt und rief zur Ruhe auf.
Auf den Straßen von Paris zeigte sich, dass auch Macron polarisiert. Die Gewerkschaften schafften es nicht, sich gemeinsam Le Pen entgegenzustellen. Bei den Kundgebungen riefen manche zur Wahl Macrons auf, andere protestieren gegen Le Pen, wieder andere wollten „weder noch“. Der Proeuropäer Macron liegt in Umfragen klar vorn, doch sein Vorsprung ist zuletzt leicht geschrumpft.
Beschwichtigung bei Thema Euro-Austritt
Le Pens kontroverse Forderung nach der Rückkehr zu einer nationalen Währung verbindet sie inzwischen mit einer Beschwichtigung: Letztlich werde das Volk per Referendum entscheiden. Front-National-Vize Florian Philippot machte am Montag aber klar, dass sich im Kern nichts an den Euro-Austrittsforderungen geändert habe. Am Mittwoch treffen Le Pen und Macron in einem TV-Duell aufeinander - eine harte Debatte ist zu erwarten.
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