„Köln stellt sich quer“
Mit dem am Samstag angelaufenen Bundesparteitag der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) befindet sich Köln „ab sofort im Ausnahmezustand“. So wie andere deutsche Medien verweist damit etwa der „Kölner Stadtanzeiger“ auf die Massenproteste und die massiven Sicherheitsvorkehrungen, die das zweitägige Treffen begleiten.
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Von einem „Ausnahmezustand“ ist dann auch in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ("FAZ) und der „Welt“ die Rede, laut N-TV habe die AfD die „Festung“ in Köln bezogen, und mit Anspielung auf die AfD-internen Turbulenzen hat man es aus Sicht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ mit einem „Machtkampf in der Hochsicherheitszone“ zu tun.
Fahrradbarrikade und Pfeifkonzert
In der Kölner Innenstadt zogen dann bereits am Samstag in der Früh erste Demonstranten vor dem Veranstaltungsort am Heumarkt auf und protestierten mit Sprechchören, Transparenten, Pfiffen und Blockaden gegen die rechtspopulistischen Politiker. Unmittelbar vor Beginn des Parteitags versuchten Demonstranten dann, die AfD-Delegierten am Betreten des von der Polizei hermetisch abgeriegelten Hotel Maritim zu hindern. Mit einer Fahrradbarrikade wurde dabei etwa auch eine der Hauptzugangsstraßen zeitweise blockiert.

APA/AFP/Odd Andersen
Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz
Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz und eskortierte einzelne AfD-Mitglieder zu den Durchlassstellen. Etliche der insgesamt 600 AfD-Delegierten kamen angesichts der angekündigten Proteste bereits Stunden vor dem eigentlichen Parteitagsauftakt zum Tagungsort.
Autoreifen angezündet
Nach Darstellung des Bündnisses „Solidarität statt Hetze“ wurde die Anreise der AfD-Delegierten durch die Gegenaktionen „massiv verzögert“. An den Blockaden beteiligten sich etwa 3.000 Menschen, teilte das Bündnis mit. Dabei kam es auch immer wieder zu Rangeleien mit den Sicherheitskräften.
„Die Grundstimmung ist angeheizt und teils aggressiv“, sagte eine Sprecherin der Kölner Polizei. An mehreren Stellen rund um den Veranstaltungsort habe es Versuche gegeben, durch die Absperrungen zu gelangen. Zwei Beamte seien verletzt worden. In der Früh habe bereits ein Polizeiauto gebrannt, auch Autoreifen seien angezündet worden. Von etwa 100 Menschen seien Personalien aufgenommen worden.
Zudem zündeten Demonstranten im Stadtteil Deutz Reifen an, die die Polizei jedoch schnell löschen konnte. In der Kölner Südstadt brannte in der Früh ein Auto, das laut Polizei möglicherweise ebenfalls von Demonstranten angezündet worden sein könnte. Auch gänzlich Unbeteiligte waren betroffen, Menschen, die durch das Gebiet mussten, wurde ebenfalls eskortiert.
Prominente Redner auf Heumarkt
Insgesamt waren für die unterschiedlichen Demonstrationen 50.000 Teilnehmer angemeldet. Am Sonntagabend berichtete die Deutsche Presse-Agentur von etwa 10.000 Demonstranten. Rund 4.000 Polizisten waren im Einsatz, darunter auch eine Reiterstaffel, Wasserwerfer und mehrere Helikopter.
Die zentrale Protestveranstaltung „Köln stellt sich quer“ fand mit prominenten Rednern, darunter Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) und die Ministerpräsidentin des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft (SPD), am Heumarkt statt.
„Buntes Aufstehen für die Demokratie“
Reker bezeichnete die Demonstrationen gegen den AfD-Bundesparteitag in ihrer Stadt als ein Signal für Toleranz, Respekt und Vielfalt. „Ich empfinde es als Provokation, dass die AfD ihren Bundesparteitag in Köln durchführt, weil Köln eben genau für das steht, was in der AfD nicht befürwortet wird“, sagte Reker, und „das ist Toleranz“.
Ähnlich die Worte von Kraft: „Hier stehen viele aufrechte Demokraten und sagen klipp und klar: Wir wollen so bleiben, wie wir sind - ein vielfältiges, ein offenes, ein tolerantes Land.“ In der Früh habe es Kraft zufolge zwar einige Ausschreitungen gegeben, doch was sie nun bei der zentralen Kundgebung auf dem Kölner Heumarkt erlebe, sei „buntes Aufstehen für die Demokratie, und das finde ich großartig“.
Am Nachmittag stand dann unter anderem noch eine Kundgebung des Festkomitees Kölner Karneval auf dem Programm. Mit der bisher im Kölner Karneval einzigartigen Veranstaltung wollten auch die Narren ein Zeichen für Vielfalt und gegen Intoleranz setzen.
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