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Viele neue Initiativen

Spätestens seit der US-Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr ist klar, dass verbreitete Falschnachrichten enorme Folgen haben können. In Österreich und Deutschland entzündete sich die Debatte vor allem am Flüchtlingsthema: „Fake News“ wurden als Gefahr für Gesellschaft und Demokratie wahrgenommen. Alle möglichen Seiten wollen ihr mit Aufklärung den Kampf ansagen. Aber: Wer hat die Autorität zu sagen, was wirklich wahr ist?

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Massenmedien, die bewusst oder nicht bewusst falsche Nachrichten verbreiten: Propaganda oder Falschmeldung hieß das früher. Doch mittlerweile ist alles ein wenig komplizierter geworden. Auf selbst gebastelten Webplattformen kann jeder „Nachrichten“ anbieten - und via Social Media eine breite Öffentlichkeit erreichen.

Regulierung und Zensurverdacht: Staat im Dilemma

Das bringt einerseits eine Pluralisierung und Demokratisierung von Informationen mit sich, wird andererseits zum demokratiepolitischen Problem, wenn Desinformation und Hetze als „kritische“ Berichterstattung und „alternative“ Fakten in Umlauf gebracht werden. Nicht weiter verwunderlich, dass die Debatte über „Fake News“ die Politik auf den Plan rief. In Österreich werden Maßnahmen genauso debattiert wie im EU-Parlament.

In Deutschland wurde bereits ein Gesetzesentwurf gegen Falschnachrichten und Hasspostings vorgestellt - nicht ohne Kritik daran. Eine der wesentlichen Fragen ist, wer denn bestimmt, was wahr ist. Im Vorfeld wurde vor einem „Wahrheitsministerium“ gewarnt - staatliche Kontrolle über einen so heiklen Bereich erinnere an Zensur in autoritären Gesellschaften.

Facebook und Google werden aktiv

In einer Mischung aus Bedrängnis durch die Politik und Eigeninitiative steigern mittlerweile auch die IT-Riesen wie Google und Facebook ihre Bemühungen gegen Falschnachrichten. Sie stehen vor einem ähnlichen Problem wie die Politik: Sie selbst können und dürfen wohl nicht entscheiden, was als falsch nicht verbreitet werden soll.

Facebook machte das Melden von „Fake News“ einfacher und startete zuletzt eine Informationskampagne für Nutzer, wie gefälschte Nachrichten besser erkannt werden können. Zugleich setzte man auf die Lösung, die auch für die Politik am sichersten scheint: Kooperationen mit Medien und Faktencheck-Spezialisten - wie das auch Google tut. Der Internetriese weitete nun ein „Faktencheck-Label“ auf alle Sprachen aus und liefert damit bei Suchanfragen - so vorhanden - gleich einen Faktencheck mit.

Eine Frage der Reputation

Doch wer prüft die Fakten - wer hat die nötige Reputation dafür? International haben sich in den vergangenen Jahren schon etliche Initiativen gebildet. So machte sich die Website Snopes.com schon vor Jahren bei der Prüfungen von Internet-Hoaxes und urbanen Mythen einen Namen. In Österreich bietet Mimikama.at Ähnliches an.

Zahlreiche Faktenchecker sind rund um Medien und wissenschaftliche Institute angesiedelt. In den USA leisteten Politifact.com und Factcheck.org Pionierarbeit. Factcheck wurde bereits 2003 gegründet, seit 2007 arbeitet man bei Politifact, einem Projekt der „Tampa Bay Times“, an der Überprüfung von Politikeraussagen und Medienberichten. In Deutschland ist das Projekt Correctiv seit drei Jahren tätig. Auch Medienwatchblogs wie Bildblog.de und Kobuk.at unterziehen Medien regelmäßig der Prüfung, wenn auch nicht systematisch.

Neue Abteilungen und Rechercheverbunde

Mit dem Hereinbrechen der „Fake News“-Welle initiierten große Medienhäuser wie die BBC und die ARD Faktencheck-Abteilungen. In Österreich überlegt die Austria Presse Agentur (APA) gemeinsam mit ihren Gesellschaftern - dem ORF und den meisten Tageszeitungen - ähnliche Schritte, widmet sich vorerst aber einmal der Aufklärung in Form von Material zur Bewusstseinsbildung. Der Trend geht zudem in Richtung Rechercheverbund: Die Initiative First Draft zog im Vorjahr ein großes Partnernetzwerk internationaler Medien auf und setzt vor allem auf Schulungen und Bereitstellung von Ressourcen für Faktenchecks.

Wem verleiht die Wahrheit Flügel?

Recht überraschend erfolgte vor einigen Tagen die Information, dass nun auch Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz in Sachen Wahrheitsfindung aktiv wird. Für Aufsehen sorgte „Quo Vadis Veritas“, so der Name der laut Medienberichten mit einer Millionen Euro Startkapital gegründeten Stiftung, nicht nur ob der prominenten Besetzung. Mit an Bord sind unter anderen Niko Alm - der NEOS-Abgeordnete zog sich deswegen aus dem Nationalrat zurück - und Ex-„Presse“-Chefredakteur und Servus-TV-Moderator Michael Fleischhacker.

In demselben Interview mit der „Kleinen Zeitung“, in dem Mateschitz die Stiftung ankündigte, holte er allerdings auch zu einem Rundumschlag gegen politische Eliten und Flüchtlingshelfer aus. Nicht nur NGOs übten Kritik. Auch Ö1-Redakteur Stefan Kappacher fragte sich in seinem Blog, welche Wahrheit Mateschitz mit seiner Stiftung denn fördern will.

„Fake News“ als Geschäftsmodell

Mit dem Hype des Begriffs „Fake News“ erfolgte auch seine Ausdehnung zum Sammelbegriff für jegliche Medienkritik, egal ob gerechtfertigt oder nicht. Als der Begriff „Fake News“ im Vorjahr breit zu zirkulieren begann, bezeichnete er vor allem aus kommerziellen Gründen erfundene Nachrichten: Eine der größten „Fake News“-Schmieden, die im US-Wahlkampf plötzlich im Rampenlicht standen, liegt ausgerechnet in Veles, einer Kleinstadt in Mazedonien, wo Jugendliche mit zusammengereimten Lügengeschichten und einer geschickten Streuung auf Social Media gutes Geld verdienen.

Politischer Kampfbegriff

Vor allem diese und eine zweite Art von „Fake News“ sollen nun enttarnt werden: rein auf Gerüchten basierende und politisch gerichtete Desinformation, die von ihren Verbreitern wiederum gerne als „kritische“ Berichterstattung verteidigt wird.

Doch „Fake News“ ist auch zum politischen Kampfbegriff geworden: Vom US-Präsidenten Donald Trump bis in die Niederungen Österreichs wird gerne „Fake News“ gerufen, wenn Politiker mit unliebsamen Medienrecherchen konfrontiert werden. „Fake News“ gehört auch zur Rhetorik derer, die die gesamte Medienlandschaft gerne als „Lügenpresse“ bezeichnen - eine Entwicklung, die eine differenzierte und sachlich fundierte Medienkritik schwierig macht.

Die Wahrheit - eine Tochter der Zeitung?

Umgekehrt rühren eben etablierte Medien, allen voran Tageszeitungen, die Werbetrommel: Der gut recherchierte Journalismus als „Gegengift“ sei immer schon ihre ureigenste Aufgabe gewesen. Die Zeitungen stemmen sich damit nicht nur gegen die wirtschaftlichen Probleme, die die Branche seit einigen Jahren durch Medienwandel und die Folgen der Wirtschaftskrise beschäftigen, sondern auch gegen Glaubwürdigkeitsprobleme, mit denen Medien zu kämpfen haben.

Tatsächlich können in den USA „New York Times“ und „Washington Post“ angesichts der „alternativen Fakten“ der neuen US-Regierung viele neue Leserinnen und Leser gewinnen. In Deutschland ist laut einer Umfrage der Europäischen Kommission das Vertrauen in die Presse zuletzt signifikant gestiegen. Relativ einig sind sich allerdings alle ernstzunehmenden Akteure: Das beste Mittel gegen „Fake News“ sind mündige und mit genügend Medienkompetenz ausgestattete Rezipientinnen und Rezipienten.

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