Dogan-Manager verhaftet
Nach einzelnen regierungskritischen Zeitungen und anderen Medien nehmen die türkischen Behörden nun den Dogan-Konzern ins Visier - und damit den größten Player der türkischen Medienlandschaft. Ende der Vorwoche wurde laut der regierungsfreundlichen Zeitung „Star“ der Chef der Dogan-Niederlassung in der Hauptstadt Ankara wegen angeblicher Verwicklung in den Putschversuch im Sommer festgenommen.
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Laut dem Bericht von „Star“ geht es bei der Festnahme um Untersuchungen gegen Unterstützer des Geistlichen Fethullah Gülen, den die Regierung als Drahtzieher des Umsturzversuchs bezeichnet. Die börsennotierten Dogan Holding wies „Verbindungen zu der gülenistischen Terrororganisation“ kategorisch zurück. Die Aktien des Unternehmens mit über 12.000 Mitarbeitern gaben zeitweise sieben Prozent nach.
Vor allem Profit als Ziel
Dass Dogan mit Gülen verbündet ist, wäre eine große Überraschung. In der Türkei sieht man vor allem die - wesentlich kleinere - Dogus-Gruppe, die mit ihren Medien in Konkurrenz zu Dogan steht, in einem Naheverhältnis zu Gülen. Wohl aber ist Dogan dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan schon länger ein Dorn im Auge. Die türkischen Behörden führten etwa Steuerverfahren gegen den Konzern, die nach Meinung vieler Beobachter eher den Charakter von Rachefeldzügen hatten.
Dogan ist ein vor allem stark profitorientiertes Medienhaus, das etwa in Partnerschaft mit den deutschen Medienhäusern Burda und Springer steht. Eine einheitliche politische Linie ist in den Produkten von Dogan nicht auszumachen: Dem Konzern gehören neben kleineren Blättern sowohl die größte türkische Tageszeitung „Hürriyet“ (nicht zu verwechseln mit der klar regierungskritischen „Cumhuriyet“) als auch das dominante Boulevardblatt „Posta“.
Wiederholte Einschüchterungsversuche
Auch weil Dogan angesichts der Millionenstrafen aus den Steuerverfahren einige Zeitungen abstoßen musste, ist der Konzern bei anderen Medien noch breiter aufgestellt: Ihm gehören etwa CNN Türk und der populäre Privatsender Kanal D. Außerdem regiert die Holding den türkischen Zeitschriftenmarkt. Die Berichterstattung ist tendenziell ausgewogen: Weder die Putschisten noch die Regierung kamen darin besonders gut weg.
Neben dem Mediengeschäft, zu dem bei Dogan auch Buchverlage und Musikproduktion gehören, hat die Holding inzwischen Investments in zahlreichen wirtschaftlichen Sparten, etwa der Ölfirma Petrol Ofisi. Auch gegen die ging die türkische Regierung in der Vergangenheit bereits 2009 unter Angabe undurchsichtiger Gründe vor - schon damals nach Meinung von Beobachtern wegen offener Berichterstattung über Erdogan.
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