„Wir sollten keine Angst haben“
In Stockholm sind am Freitagabend vier Preisträger mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden. Der Right Livelihood Award wird an Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden vergeben. Unter den Preisträgern waren auch Journalisten der türkischen Oppositionszeitung „Cumhuriyet“.
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Die Preisträger der „Cumhuriyet“ konnten nicht persönlich an der Verleihung teilnehmen - sie sitzen wegen Terrorverdachts in U-Haft. Zeynep Oral, die Präsidentin der türkischen P.E.N.-Gesellschaft, die die Auszeichnung stellvertretend entgegennahm, sagte: „Der Preis zeigt, dass wir nicht allein sind in diesen schwierigen Zeiten, die von Aggression und Gewalt dominiert sind. Dass wir keine Angst haben sollten.“

Reuters/Axel Schmidt
Ex-Chefredakteur Can Dündar flüchtete vor der Verfolgung nach Deutschland
„Keine Angst, Mächtigen die Wahrheit zu sagen“
Die Auszeichnung zeige der ganzen Welt, dass sie nicht aufgeben und ihre Werte nicht verleugnen werden, weil sie unterdrückt werden, so Oral. Der Gründer des Right Livelihood Award, Jakob von Uexkül, bezeichnete die Preisträger als Menschen, die trotz aller Widrigkeiten für die grundlegenden Rechte auf Leben, Gleichheit, Bildung und Meinungsfreiheit kämpften. „Sie haben keine Angst, den Mächtigen die Wahrheit zu sagen.“
Obwohl die „Cumhuriyet“-Mitarbeiter Attentaten, Haft und Morddrohungen ausgesetzt gewesen sind, berichten sie nach Einschätzung der Stiftung seit 1924 frei und unabhängig über die Geschehnisse in der Türkei. „Der herausragende investigative Journalismus der Cumhuriyet hat viele Wahrheiten ans Licht gebracht“, schreibt die Stiftung.

APA/AP/Vedat Arik
Auch Herausgeber Atalay sitzt in U-Haft
Der ehemalige Chefredakteur Can Dündar wurde wegen brisanter Enthüllungen seiner Zeitung zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Inzwischen lebt er in Deutschland. Insgesamt zehn „Cumhuriyet“-Mitarbeiter sitzen wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft, darunter Chefredakteur Murat Sabuncu. Zuletzt wurde auch der Herausgeber, Akin Atalay, in Untersuchungshaft genommen.
Vier Gewinner teilen sich Preisgeld
In diesem Jahr gab es vier Gewinner, die sich das Preisgeld von drei Millionen Schwedischen Kronen (rund 313.000 Euro) teilen. Wie die „Cumhuriyet“-Journalisten konnten auch andere Preisträger die Auszeichnung nicht persönlich entgegennehmen.
Auch die ägyptische Frauenrechtlerin Mozn Hassan durfte nicht nach Schweden reisen. Sie wurde per Video zugeschaltet und sagte, die Auszeichnung bedeute für sie, dass die Welt Feministinnen in Ägypten nicht als Randfiguren, sondern als wesentliche Akteure für den Wandel wahrnehme.
Auch syrische Weißhelme ausgezeichnet
Raed al Saleh von der ebenfalls ausgezeichneten syrischen Hilfsorganisation Weißhelme sagte, er nehme die Auszeichnung stellvertretend für die syrischen Zivilisten entgegen, die jeden Tag schrecklichen Bombenangriffen ausgesetzt sind. Hinter den Weißhelmen stecken 3.000 Freiwillige, die Verletzte aus Bombentrümmern retten und die Infrastruktur wieder instand setzen.

APA/AFP/TT/Fredrik Sandberg
Ein Ständer mit der Auszeichnung für die abwesende Hassan, Gannuschkina, eine „Cumhuriyet“-Vertreterin, P.E.N.-Präsidentin Oral und Al-Saleh, Chef der Weißhelme, mit den Auszeichnungen
Einen Preis gab es auch für die Russin Svetlana Gannushkina. Sie hilft in ihrer Heimat Flüchtlingen und warnte vor den rechten politischen Kräften in der Welt. Sie würden mit Antieinwanderungsslogans vorgeben, ihre Landsleute schützen zu wollen. „Radikalisierung ist eine ernsthafte Herausforderung an die zivile Gesellschaft“, sagte sie.
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