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Republikaner in der Krise

Dem republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump bricht nach der Veröffentlichung eines Skandalvideos die Rückendeckung seiner eigenen Partei weg.

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Etliche Republikaner zogen ihre Unterstützung für den 70-Jährigen zurück, darunter der frühere Präsidentschaftskandidat John McCain. Insgesamt entzogen Trump allein bis Samstag knapp ein Dutzend Senatoren, ein Dutzend Abgeordnete sowie drei Gouverneure die Unterstützung. Manche forderten Trump sogar dazu auf, sich aus dem Rennen um den Einzug ins Weiße Haus zurückzuziehen. Nur einen Monat vor der Wahl befindet sich die Partei damit in einer tiefen Krise.

Auch Vizekandidat fühlt sich „beleidigt“

Kritik kam sogar von Trumps Vizekandidaten, Mike Pence: Als Ehemann und Vater habe er sich persönlich beleidigt gefühlt, hieß es in einer schriftlichen Erklärung des konservativen Politikers.

Er könne Trumps Bemerkungen „nicht entschuldigen oder verteidigen“. Er sei aber „dankbar“ dafür, dass Trump sein Bedauern zum Ausdruck gebracht und sich beim amerikanischen Volk entschuldigt habe. „Wir beten für seine Familie und freuen uns auf die Gelegenheit, zu zeigen, was er im Herzen trägt, wenn er morgen Abend vor die Nation tritt“, sagte Pence.

Mit sexuellen Übergriffen gebrüstet

Trump selbst machte am Samstag klar, dass er nicht aufgeben werde. Das Video, das die „Washington Post“ am Freitag veröffentlicht hatte, stammt aus dem Jahr 2005. Trump äußert sich darin vulgär über Frauen und brüstet sich mit sexuellen Übergriffen.

In dem Video prahlt Trump damit, dass man es sich „als Star“ erlauben könne, Frauen ungefragt zu küssen und ihr Geschlechtsteil zu begrapschen. Zudem beschreibt der damals bereits mit seiner jetzigen Frau Melania verheiratete Trump in vulgären Worten den erfolglosen Versuch, eine verheiratete Frau „zu bumsen“.

Die Veröffentlichung schlug so hohe Wellen, dass sich der Republikaner mitten in der Nacht zum Samstag zu einer öffentlichen Entschuldigung gezwungen sah. US-Medien sprachen unterdessen von einer „Bombenexplosion“ im Wahlkampf, von der sich Trump möglicherweise nicht mehr erholen könne.

Rice fordert Trump-Rücktritt

Der frühere Präsidentschaftskandidat McCain erklärte, er werde bei der Wahl am 8. November nicht für Trump stimmen. Dessen jüngstes Verhalten und seine verächtlichen Aussagen über Frauen machten es ihm unmöglich, den Kandidaten weiter zu unterstützen. Mehrere Senatoren und Abgeordnete hatten sich zuvor ähnlich geäußert.

Trump gerät unter Druck

Mitten in der heißen Phase des US-Präsidentschaftswahlkampfs gerät Trump wegen des Videos stark unter Druck.

Kaliforniens ehemaliger Gouverneur, der aus Österreich stammende Schauspieler Arnold Schwarzenegger, erklärte via Twitter, er werde erstmals, seit er 1982 US-Staatsbürger geworden sei, nicht den republikanischen Spitzenkandidaten unterstützen. Andere Republikaner wie die frühere US-Außenministerin Condoleezza Rice gingen noch einen Schritt weiter und forderten gar Trumps Rückzug.

Ryan entsetzt, aber weiter Unterstützung

Zumindest offiziell hat Trump noch die Unterstützung von Paul Ryan und Parteichef Reince Priebus, auch wenn beide sich von den Äußerungen in dem Video entsetzt zeigten. Nach der Veröffentlichung der Aufnahmen sagte Ryan, als Vorsitzender des Repräsentantenhauses derzeit der mächtigste Republikaner, einen gemeinsamen Auftritt mit Trump ab. Bei der Veranstaltung am Samstag bekräftigte er seine Aussage vom Freitag, Trumps Äußerungen hätten bei ihm Übelkeit erzeugt.

Der Kandidat selbst schrieb am Samstag im Kurznachrichtendienst Twitter, dass er sich „niemals“ aus dem Rennen zurückziehen werde. Trump traf sich in New York mit seinen Vertrauten, darunter Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani. Dieser sagte später, es sei Wunschdenken des Clinton-Lagers, dass der Unternehmer aufgebe.

Weitere Vorwürfe von Frauen

Indes erhoben nach Bekanntwerden des Videos mehrere Frauen Belästigungsvorwürfe gegen Trump. Der Immobilientycoon habe sie bei einem Abendessen im Beisein ihres Mannes begrapscht, sagte eine Frau der „New York Times“. Eine andere Frau berichtete, dass Trump sie im Jahr 2010 „fast auf die Lippen geküsst“ habe. „Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte“, sagte die Frau zum Vorfall im Jahr 1992. Trump habe sie zudem begrapscht. „Ich bin dann weggegangen und sagte, dass ich aufs Klo muss. Das war meine Fluchtroute“, zitierte die „New York Times“ die Frau.

Die CNN-Journalistin Erin Burnett berichtete laut dem Internetportal Politico von einem weiteren Vorfall, bei dem eine ihrer Freundinnen zum Opfer Trumps geworden sei. Der Übergriff habe sich in Trumps Büro zugetragen. „Trump nahm sich ein paar Tic Tacs und bot mir auch welche an. Er lehnte sich dann zu mir, erwischte mich unvorbereitet und küsste mich fast auf die Lippen“, sagte die Frau ihrer Freundin Burnett. Sie sei dann „ganz fertig“ gewesen.

Clinton: Nicht zulassen, dass Trump Präsident wird

Auch Melania Trump kritisierte ihren Mann Donald für dessen vulgäre Bemerkungen über Frauen. „Die Worte, die mein Mann benutzt hat, sind inakzeptabel und beleidigend für mich. Das spiegelt nicht den Mann wider, den ich kenne. Er hat das Herz und Gemüt einer Führungsperson“, hieß es in einer am Samstag veröffentlichten schriftlichen Erklärung. Sie hoffe, „dass Leute seine Entschuldigung annehmen, wie ich es getan habe“, fügte sie hinzu.

Clinton twitterte, das Video sei erschreckend: „Wir dürfen nicht zulassen, dass dieser Mann Präsident wird.“ Auch führende Politiker der Republikaner, zu deren wichtigster Ziel- und Wählergruppe strenggläubige Christen zählen, distanzierten sich von dem 70-Jährigen.

„Messer ins Herz von Trump“

Republikanische Strategen sind sich derzeit uneins, ob das Rennen für Trump gelaufen ist. „Das könnte wirklichen Schaden verursachen“, sagte Umfrageexperte Frank Luntz der „Washington Post“. Dagegen wies der Politikberater Al Cardenas darauf hin, dass Trump schon Dutzende Male mit beleidigenden Aussagen für Aufsehen gesorgt hatte. „Aber das ist schon ein neuer Tiefpunkt“, fügte Cardenas hinzu. Der Politikwissenschaftler Larry Sabato von der Universität Virgina sagte, das Video sei wie „ein Messer ins Herz von Trump“.

Trump kommentierte die Causa in einem Video, in dem er sich für seine Aussagen entschuldigte. „Ich habe es gesagt. Es war falsch. Ich entschuldige mich“, sagte Trump. Aber jeder, der ihn kenne, wisse, dass diese Worte nicht typisch für ihn seien. Zumal er sich inzwischen gewandelt habe. Zuvor hatte er in einer ersten Reaktion erklärt, das sei wie ein „lockeres Gerede unter Männern in einer Umkleidekabine“ gewesen.

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