Erneut Tausende auf den Straßen
Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei haben Spitzenpolitiker der Regierungspartei zu weiteren Demonstrationen aufgerufen. „Der Putsch wurde verhindert, doch wir können nicht sagen, dass die Gefahr vorbei ist“, sagte der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik in der Nacht auf Montag.
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Isik sprach vor einer Menschenmenge, die sich vor dem Wohnsitz von Präsident Recep Tayyip Erdogan in Istanbul versammelt hatte. Die Massenproteste in türkischen Großstädten gegen den Putschversuch waren in der Nacht auf Montag weitergegangen. In Istanbul, Ankara und vielen anderen Städten versammelten sich am Sonntagabend Zehntausende Menschen auf den Straßen und zentralen Plätzen, um gegen den Umsturzversuch zu demonstrieren.

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Demonstration auf dem Taksim-Platz in Istanbul am Sonntagabend
Die Demonstranten folgten damit einem erneuten Aufruf von Präsident Erdogan. Auf Twitter hatte dieser am Sonntagabend geschrieben: „Aufhören gilt nicht, Weggehen gilt nicht. Wir lassen die Plätze nicht leer.“ Wie Aufnahmen des Senders A Haber zeigten, waren auch nach Sonnenaufgang am frühen Montagmorgen noch zahlreiche Demonstranten mit türkischen Fahnen auf den Straßen Istanbuls unterwegs.
Berichte über Angriffe auf Minderheiten
Bei Demonstrationen gegen den Putschversuch kam es Medienberichten zufolge zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Regierungspartei AKP und Minderheiten. In der zentralanatolischen Stadt Konya hätten AKP-Anhänger versucht, ein überwiegend von christlichen Aramäern bewohntes Viertel zu stürmen, berichtete die Zeitung „Cumhuriyet“. Polizisten hätten das verhindert, bei Zusammenstößen seien aber fünf Aramäer verletzt worden.
Die Nachrichtenagentur DHA meldete, auch in der osttürkischen Stadt Malatya sei es zu Spannungen gekommen. In einem alevitisch geprägten Viertel hätten AKP-Anhänger gerufen: „Die AKPler sind hier, wo sind die Aleviten?“ Sicherheitskräfte hätten Warnschüsse abgeben müssen, um Zusammenstöße zu vermeiden.
14 Festnahmen nach Angriff auf Erdogan-Domizil
Unterdessen wurden offenbar auch jene Soldaten gefasst, die Erdogan in seinem Hotel aus dem Verkehr ziehen sollten. Die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete am Sonntagabend, dass in den westtürkischen Küstenstädten Marmaris und Izmir 14 Soldaten festgenommen wurden.

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Kundgebungen gab es am Sonntag auch in Ankara
Einige sollen für den nicht näher beschriebenen „Anschlag“ auf ein Hotel in Marmaris verantwortlich gewesen sein, in dem sich Erdogan bis Freitagabend im Urlaub befand. Nach seiner Ankunft in Istanbul hatte der Präsident von einem Bombenangriff auf das Hotel gesprochen, der aber erst nach seiner Abreise stattgefunden habe. Die nun gefassten Soldaten wurden umgehend dem Haftrichter vorgeführt, schrieb Anadolu.
Türkische Wirtschaft erholt sich
Die türkische Regierung rechnet durch den Putschversuch nur kurzzeitig mit negativen Folgen für die Wirtschaft. Vorübergehend werde das zu spüren sein, sagte Vizeregierungschef Mehmet Simsek am Montag. Dauerhafte negative Auswirkungen seien aber nicht zu erwarten, das wirtschaftliche Fundament der Türkei sei solide. Schwankungen an den türkischen Märkten seien nur von kurzer Natur.
An den internationalen Währungsmärkten hat sich die Lage nach dem gescheiterten Putschversuch bereits beruhigt. Nachdem die türkische Lira am späten Freitagabend deutlich an Wert verloren hatte, konnte sie am Montag einen Teil dieser Verluste wieder wettmachen.
Ähnlich sah es beim Euro aus. Dieser war am Freitag nach den ersten Berichten über den Putsch gefallen. Die Ölpreise, die am Freitag nach Bekanntwerden des versuchten Putsches kurzzeitig mit Aufschlägen reagiert hatten, haben sich am Montag ebenfalls wieder stabil präsentiert. Der türkische Aktienmarkt ist indes am Montag schwach gestartet. Der Index der 100 größten Werte der Istanbuler Börse ging mit einem Verlust von 2,5 Prozent in den Handel.
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