Themenüberblick

Motiv weiter unklar

Der mutmaßliche Mörder der britischen Abgeordneten Helen Joanne „Jo“ Cox ist Samstagvormittag einem Gericht in London vorgeführt worden. Auf die Frage nach seinem Namen sagte der 52-jährige Thomas M.: „Mein Name ist Tod den Verrätern, Freiheit für Großbritannien.“ Als die Frage wiederholt wurde, antwortete er mit denselben Worten.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Die Haftvorführung dauerte etwa 15 Minuten, M. sagte bis auf diese Worte nichts. Möglicherweise könnte seine Aussage auf einen politischen Hintergrund der Tat hindeuten - die ermordete Labour-Abgeordnete hatte sich für Flüchtlinge und gegen einen Austritt Großbritanniens aus der EU eingesetzt.

Thomas Mair (Gerichtszeichnung)

AP/Elizabeth Cook

Eine Gerichtszeichnung des Tatverdächtigen

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt M. des Mordes, der gefährlichen Körperverletzung und des unerlaubten Waffenbesitzes. Die 41-jährige Cox war am Donnerstag in ihrem Wahlkreis im nordenglischen Birstall mit Schüssen und Messerstichen schwer verletzt worden und starb kurz darauf. Die Polizei nahm M. in der Nähe des Tatorts fest und stellte Waffen, darunter eine Schusswaffe, bei ihm sicher.

„Isoliert, aber gezielt“

Wie die Polizei Freitagabend bekanntgab, konzentrieren sich die Ermittlungen nun aktuell auf den rechtsextremen Bereich. Nach Angaben der zuständigen Polizeichefin von West Yorkshire, Dee Collins, seien auch Anti-Terror-Ermittler an der Aufklärung des Verbrechens beteiligt. Neben angeblichen Verbindungen zu rechtsextremen Kreisen sei auch die psychische Verfassung des Verdächtigen Gegenstand der Ermittlungen. Berichte über Verbindungen zu rechtsextremen Kreisen seien Collins zufolge aber eine „vorrangige Richtung der Ermittlungen“.

Mit Blick auf den derzeitigen Ermittlungsstand erscheine die Tat als eine „isolierte, aber gezielte Attacke auf Jo“. Viele Fragen seien aber weiterhin nicht geklärt. Bei den Ermittlungen geht es laut Collins weiterhin darum, „das Motiv für den Angriff zu finden“.

Laut Familie „nicht besonders politisch“

Wie die Polizei bereits zuvor mitteilte, hatte die Abgeordnete bereits vor Monaten Drohungen erhalten, woraufhin ein Mann festgenommen und verwarnt wurde. Dabei habe es sich aber nicht um den mutmaßlichen Angreifer vom Donnerstag gehandelt. Bei dem am Tatort festgenommenen mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen 52-Jährigen, der nach Angaben von Nachbarn und seiner Familie bereits wegen psychischer Probleme in Behandlung war.

Die renommierte US-Antirassismus-Organisation Southern Poverty Law Center (SPLC) berichtete ihrerseits, dass der Mann jahrzehntelang die US-Neonazi-Gruppierung National Alliance (NA) unterstützt habe. SPLC veröffentlichte Bilder, bei denen es sich ihren Angaben zufolge um Kaufbelege für Bücher des Mannes handelt.

Laut „Daily Telegraph“ abonnierte er zudem ein Magazin der südafrikanischen Pro-Apartheid-Vereinigung White Rhino Club. Laut der Zeitung „Guardian“ haben Familienmitglieder des Verdächtigen unterdessen erklärt, der Tatverdächtige habe keine starken politischen Ansichten vertreten, sondern sei „nicht besonders politisch“ gewesen. Der Bruder des Tatverdächtigen verwies zudem auf „eine Vorgeschichte psychischer Erkrankungen“.

Rechte Gruppierung distanziert sich von Tat

Zeugenaussagen zufolge rief der Täter „Britain first“ (Großbritannien zuerst). Unklar war aber, ob ein Zusammenhang zu dem britischen Referendum über einen Austritt aus der Europäischen Union am kommenden Donnerstag bestand. „Britain first“ ist ein Slogan der „Brexit“-Befürworter, aber auch der Name einer rechtsgerichteten nationalistischen Gruppe. Deren stellvertretende Vorsitzende Jayda Fransen distanzierte sich von dem Angriff auf die Politikerin, den sie als „absolut widerlich“ bezeichnete.

Links: