„Anschlag auf Demokratie“
Der britische Premierminister David Cameron und Jeremy Corbyn, der Chef der oppositionellen Labour-Partei, haben die ermordete britische Labour-Abgeordnete und „Brexit“-Gegnerin Helen Joanne „Jo“ Cox geehrt. Die beiden legten am Freitag gemeinsam Blumen in Birstall in Yorkshire nieder, wo die 41-Jährige am Vortag überfallen worden war.
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„Wo wir Hass sehen, wo wir Spaltung sehen, wo wir Intoleranz sehen, müssen wir sie zurückdrängen“, sagte Cameron, der damit mehr Toleranz forderte. Auf Bitten Corbyns berief Cameron das Parlament für Montag zu einer Gedenkstunde zu Ehren von Cox ein.

Reuters/Phil Noble
Cameron und Corbyn bei der Trauerkundgebung in Birstall
Cameron bezeichnete die Tat bereits zuvor als Tragödie. „Wir haben einen großen Star verloren“, sagte der Konservative. Cox sei eine fantastische Wahlkämpferin gewesen, mit viel Mitgefühl und einem großen Herzen. Corbyn nannte das Verbrechen einen „Anschlag auf die Demokratie“, Cameron äußerte sich ähnlich. Am kommenden Montag werde das Parlament zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um der Toten zu gedenken, sagte Corbyn.
„Brexit“-Kampagnen weiter ausgesetzt
Auf eine Wiederaufnahme der am Freitag unmittelbar nach dem tödlichen Angriff auf Cox ausgesetzten Kampagnen der EU-, aber auch der „Brexit“-Befürworter wird unterdessen auch am Samstag weiterhin verzichtet. Auch auf die Veröffentlichung neuer Umfragen wurde am Freitag verzichtet. Während Labour alle Aktivitäten bis Montag aussetzen will, wollen andere ihre Kampagnen am Sonntag wieder aufnehmen.
Kern „tief erschüttert“
Das US-Außenministerium zeigte sich „schockiert und entsetzt“. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem „tragischen Vorfall“. Auch Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) zitierte in einer auf Facebook veröffentlichten Reaktion das „klare, starke Statement“ von Cox’ Ehemann: „Hass hat keine Überzeugung, Ethnie oder Religion, er ist giftig.“ Kern zeigte sich „tief erschüttert und betroffen“ und sprach der Familie der Getöteten sein Mitgefühl aus.
Die EU-Kommission ist bestürzt über den tödlichen Angriff auf Cox. „Jos Tod hat Menschen in aller Welt schockiert und mit Trauer erfüllt, darunter viele hier in Brüssel“, sagte der Chefsprecher der Behörde am Freitag. „Sie hatte viele enge Freunde in dieser Stadt, und sie betrauern heute einen Verlust, der schmerzhaft und schwer erträglich ist.“
Angriff auf offener Straße
Die 41-jährige Unterhaus-Abgeordnete und Mutter zweier kleiner Kinder war am Donnerstagnachmittag im nordenglischen Birstall auf offener Straße von einem Bewaffneten angegriffen worden und erlag wenig später den Verletzungen. Nach Augenzeugenberichten schoss der Angreifer auf sie und stach mehrfach auf sie ein, dabei rief er Slogans der EU-Gegner. Cox hatte sich vehement für einen Verbleib ihres Landes in der EU ausgesprochen.
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