Furcht vor China-Geschäft
Dem US-Starinvestor Carl Icahn ist Apple zu heiß geworden. Wie am Donnerstag bekanntwurde, hat Icahn alle seine Aktien verkauft. Der Grund sei vor allem seine Sorge um Apples Geschäft in China gewesen, sagte der als „Managerschreck“ bekannte Multimilliardär dem TV-Sender CNBC.
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Die Behörden könnten „einschreiten und es für Apple sehr schwierig machen, dort zu verkaufen“, so Icahn. Vor Kurzem war bekanntgeworden, dass das Film- und E-Book-Angebot von Apple in China blockiert wurde. Die Regierung machte insgesamt deutlich, dass sie stärker gegen westlichen Einfluss vorgehen wolle. Außerdem bekommt der Konzern die Konjunkturabkühlung und die erstarkte Billigkonkurrenz einheimischer Anbieter wie Xiaomi und Huawei zu spüren, die auch hierzulande Marktanteile erobern. Die Papiere des Konzerns verloren 3,1 Prozent, nachdem Icahn in einem TV-Interview gesagt hatte, er sei bei Apple ausgestiegen.
Viertel des Umsatzes in China
Der chinesische Markt ist für Apple in den letzten Jahren zunehmend wichtiger geworden, der Konzern macht dort inzwischen rund ein Viertel seines Geschäfts. Apple-Chef Tim Cook kündigte zuletzt an, er werde auch ungeachtet der aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen in China die Investitionen dort nicht zurückfahren. „Wir bleiben langfristig sehr optimistisch, was den chinesischen Markt betrifft, und wir wollen dort langfristig investieren“, bekräftigte Apples Finanzchef Luca Maestri am Donnerstag.

Reuters/Brendan McDermid
Carl Icahn verdiente an Apple rund zwei Milliarden Dollar
Icahn hatte Apple-Papiere im Wert von mehreren Milliarden Dollar zusammengekauft und auf den Konzern Druck ausgeübt, Anteilseigner über Aktienrückkäufe und Dividenden stärker an den Milliardengewinnen zu beteiligen. Apple erhöhte die über mehrere Jahre verteilten Ausschüttungen diese Woche um 50 Mrd. Dollar auf insgesamt 250 Mrd. Dollar. Icahn sagte, er habe an den Apple-Aktien etwa zwei Mrd. Dollar verdient.
„Großartiges Unternehmen“
Er halte Apple weiterhin für ein „großartiges Unternehmen“, das von Cook gut geführt werde, und er könne sich einen späteren Wiedereinstieg vorstellen, „falls China zur Ruhe gebracht wird“, sagte Icahn jetzt CNBC. Er hatte früher stets erklärt, Apple sei an der Börse unterbewertet. Die Aktie verlor in den vergangenen zwölf Monaten wegen der Sorge der Anleger um das zukünftige Wachstum gut ein Viertel ihres Werts. Apple ist an der Börse aktuell gut 490 Mrd. Dollar wert - während der Konzern allein Geldreserven von 233 Mrd. Dollar hat.
Icahn hatte den Einstieg bei Apple im August 2013 bekanntgegeben. Ende vergangenen Jahres hielt er Anteile im Wert von rund fünf Mrd. Dollar. In dieser Zeit machte Icahn dem Konzern einige Probleme. Er ist wegen seiner Einmischung in Managementbelange berüchtigt und gilt als Managerschreck. Er zeigt sich gegenüber Firmenchefs zunächst meist als wohlmeinender Ratgeber, bei Konflikten aber zettelt der 80-jährige Wall-Street-Veteran Aufstände an. Ziel ist stets, die kurzfristigen Profite im Sinne der Aktionäre zu steigern, deshalb kann er leicht andere Investoren auf seine Seite ziehen.
Auch iPhone-Verkauf sank
Apple hatte am Mittwochabend (MESZ) mitgeteilt, dass der Quartalsumsatz erstmals seit 2003 im Jahresvergleich zurückgegangen war. Der Verkauf der verschiedenen iPhone-Modelle als Flaggschiffflotte sank im Jahresabstand um 16 Prozent, was auch den Umsatz um 13 Prozent drückte. Vergeblich verwies Cook auf die Zahlen des Konzerns, die bei nüchterner Betrachtung trotz des Gewinnrückgangs von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal weiterhin glänzend sind.
Dass Cook von einer „Pause“ beim iPhone-Verkaufserfolg sprach, sollte die Anleger beruhigen, hat aber auch seinen Wahrheitsgehalt: Bis zum vorletzten Quartal und damit über ein Jahr lang hatte die Nachfrage nach dem 6er-Modell angehalten. Das neue, etwas günstigere SE-Modell verkauft sich ebenfalls gut, was sich in den Zahlen zum ersten Quartal aber noch nicht niederschlug.
Wandel zu „normalem“ IT-Konzern?
Tatsächlich können die Zahlen als erster Beleg für eine Umorientierung des Konzerns dienen. Die iPhone-Verkaufszahlen sinken vor allem in China und den meisten Schwellen- und Entwicklungsländern, wo Leute zwar funktionierende Smartphones wollen, aber diese nicht (mehr) als Statussymbole besetzt sind. Zugleich stiegen die Umsätze in Indien, wo Apple alte und gebrauchte Modelle verkauft, um 56 Prozent. Auch die Erlöse im Dienstegeschäft, von Apps bis zum Musikstreaming, stiegen um ein Fünftel auf rund sechs Mrd. Dollar.
Apple machte die Gewinne weniger als früher als Produzent von Lifestyle-Produkten mit WLAN-Anschluss (auch die Verkäufe von Tablets und Computern liegen inzwischen im branchenüblichen Schnitt), sondern als „ganz normaler“ IT-Konzern.
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