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„Seit 20 Jahren ähnliche Ergebnisse“

Wenig überrascht hat die Gewerkschaft am Freitag auf die Ergebnisse der Bildungsstandardtestungen für die vierte Klasse Volksschule reagiert, wonach 15 Prozent der Schüler die Bildungsziele komplett verfehlten. „Das ist natürlich bedauerlich, aber wundert mich nicht“, sagte Pflichtschullehrergewerkschafter Paul Kimberger zur APA. Die Lehrer verlangen deshalb seit Jahren mehr Fördermaßnahmen.

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An den Schulen gebe es durch Migration, Integration, soziale und kulturelle Unterschiede eine derartige Leistungsvielfalt, dass sie von den Lehrern im aktuellen System nicht ausgeglichen werden könne, so Kimberger von der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG). Ähnlich äußerte sich Thomas Bulant vom Sozialdemokratischen LehrerInnenverein Österreichs (SLÖ): „Das Unterrichtsressort und die LehrerInnen stoßen an ihre Grenzen“, hieß es in einer Aussendung.

Die Erhebung der Bildungsstandards zeigte teils erhebliche Schwächen der Kinder in der vierten Klasse Volksschule auf. Getestet wurde der Bereich Deutsch mit den Kernfeldern Lesen und Schreiben. Probleme machten vor allem das Verfassen von Texten und die Rechtschreibung - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Experte: Defizite werden weitergetragen

Für den Bildungsforscher Stefan Hopmann von der Uni Wien sind die Ergebnisse schlicht „katastrophal“: „Die Kinder tragen diesen Mangel ja in die nachfolgenden Schulen hinein.“ Das Ausmaß der Risikogruppe überrascht den Wissenschaftler nicht: „Wir haben seit 20 Jahren ähnliche Ergebnisse.“

Die Prognose für die betreffenden Schüler ist aus Hopmanns Sicht düster: „Für diese 11.000 Schüler wird es verdammt schwer werden, einen Schulabschluss zu erreichen.“ Auch jene weiteren rund 15 Prozent, die in mehreren Teilbereichen (Lesen, Schreiben, Sprachbetrachtung, Hörverständnis) Probleme hätten, gingen mit „ziemlichen Defiziten“ in die Neue Mittelschule (NMS) oder in Allgemeinbildene höhere Schulen (AHS). „Viele dieser Schüler werden es nicht schaffen, eine Qualifikation zu erhalten, die sie fit für den ersten Arbeitsmarkt macht.“

Den Lehrern will der Wissenschaftler nicht die Schuld für die Defizite der Kinder geben. Im derzeitigen System könnten die Pädagogen ihre Schüler bei Lernunterschieden von bis zu drei Jahren bei Schuleinstieg schlicht nicht in dem Umfang fördern, wie es notwendig wäre - mehr dazu in wien.ORF.at

„Klares Alarmzeichen“

„Wenig Grund für Optimismus“ und einen „klaren Auftrag an die Politik, endlich die Weichen für grundlegende Reformen des Bildungssystems zu stellen“, ortete auch die Industriellenvereinigung (IV). Für die Wirtschaftskammer (WKO) sind die Ergebnisse „ein klares Alarmzeichen - und das gestartete ‚Bildungsreförmchen‘ muss endlich zu einer echten Bildungsreform reifen“. Die Arbeiterkammer (AK) kritisierte vor allem den starken Zusammenhang von Leistung und sozialem Hintergrund der Eltern.

ÖVP verteidigt Bildungsreform

FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz meinte, dass „Kinder in Österreich durch linke Experimente im Bildungsbereich in Wahrheit einfach links liegen gelassen werden“. Team-Stronach-Bildungssprecher Robert Lugar forderte in einer Aussendung eine „totale“ Schulautonomie.

SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann sah die aktuellen Ergebnisse der Bildungsstandards unter anderem als Auftrag, die Verteilung der Ressourcen für Schulen neu anzudenken. Für ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank unterstrichen die Testergebnisse dagegen „die Notwendigkeit der zuletzt von der Regierungskoalition beschlossenen Bildungsreform“.

Heinisch-Hosek für Schulsozialindex

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) will die Ergebnisse der Erhebungen indes zum Anlass nehmen, um beim Finanzausgleich eine Neuverteilung der Ressourcen für die Schulen anzustreben. „Wir sollten über eine Sozialindexierung sprechen“, so die Ministerin am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

Derzeit seien im Finanzausgleich zwar zusätzliche Mittel für Schulen etwa für Sprachförderung und muttersprachlichen Unterricht vorgesehen. Die Situation habe sich aber seit dessen Abschluss Mitte der Nullerjahre in vielen Punkten geändert. Eine Sozialindexierung würde bedeuten, dass etwa Schulen mit vielen Kindern aus benachteiligten Schichten mehr Mittel bekommen.

Generell zeige sich aber, dass man mit den im Zuge der Bildungsreform angedachten Maßnahmen auf dem „absolut richtigen Weg“ sei - etwa mit dem Ziel eines zweiten verpflichtenden Kindergartenjahres und dem Bildungskompass, so Heinisch-Hosek. Zufrieden zeigte sie sich mit dem nur geringen Leistungsunterschied zwischen den Ländern. Das zeige, dass trotz der heterogenen Voraussetzungen das System funktioniere.

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