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Ein Drittel Kindesmissbrauchsvorwürfe

Die Vereinten Nationen (UNO) haben einen „besorgniserregenden Anstieg“ bei Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs durch UNO-Personal, darunter auch Blauhelmsoldaten und Polizisten, verzeichnet. Allein im vergangenen Jahr habe es 69 Anschuldigungen gegeben. Betroffen war Personal aus 21 Ländern. Das geht aus einem am Freitag veröffentlichten Bericht hervor.

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Zum ersten Mal wurden in dem Bericht auch die betroffenen Länder und die Nationalitäten der Beschuldigten genannt. Die meisten Vorwürfe, nämlich 22, gab es demnach in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR), gefolgt von der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) mit 16 Beschuldigungen. Dort finden derzeit Friedensmissionen der MINUSCA- beziehungsweise MONUSCO-Truppen statt. Zuletzt hatte die UNO 120 kongolesische Blauhelme aus der ZAR wegen neuer Vorwürfe des Kindesmissbrauchs abgezogen.

Viele Fälle auch in Haiti und Liberia

Gefolgt wurden ZAR und DR Kongo von Haiti mit neun Beschuldigungen, Liberia und der Elfenbeinküste mit jeweils sechs und Mali mit fünf Fällen. Zwei Vorwürfe drangen aus Darfur, jeweils einer aus Abyei im Sudan, Zypern und Osttimor.

Besonders viele Vorwürfe gab es gegen Personal aus der DR Kongo mit sieben Beschuldigungen, gefolgt von Mitarbeitern aus Marokko und Südafrika mit je vier Vorwürfen. Anschuldigungen gab es ebenfalls gegen Soldaten aus Kamerun, Kongo, Tansania, Benin, Burkina Faso, Gabun, Niger, Nigeria und Togo sowie gegen Polizisten aus Ruanda, Ghana, Madagaskar und Senegal. Die Vorwürfe treffen aber auch Polizisten aus Deutschland und Kanada sowie Moldawien und der Slowakei. 15 der Beschuldigten waren UNO-Mitarbeiter oder Freiwillige, 38 militärisches Personal und 16 Polizisten.

In mindestens 22 Fällen Kinder betroffen

„Dieser Anstieg bei der Zahl der Beschuldigungen ist zutiefst besorgniserregend“, heißt es in dem Bericht, der offiziell am Freitag vorgelegt werden soll. Die 69 Beschuldigungen im vergangenen Jahr seien ein „deutlicher Anstieg“ im Vergleich zu den 52 Fällen im Jahr 2014. Im Jahr davor hatte es 66 Fälle gegeben. Unter den Missbrauchsopfern waren dem Bericht zufolge mindestens 22 Kinder. Die Zahl könne allerdings höher sein, weil das Alter der Opfer nicht immer bestimmt werden konnte. Rund ein Drittel der Fälle betrifft damit Kindesmissbrauch.

DNA-Proben von UNO-Mitarbeitern

Keiner der Fälle aus dem vergangenen Jahr hatte bisher strafrechtliche Folgen für die Beschuldigten. Nach den Regelungen der Vereinten Nationen obliegt es dem Entsendestaat, seine Soldaten oder Polizisten zur Rechenschaft zu ziehen. Bei Vorwürfen, die das Jahr 2014 betreffen, hatte es in wenigen Einzelfällen geringe Haftstrafen gegeben. Menschenrechtsgruppen haben die weitgehende Straflosigkeit für UNO-Blauhelme angeprangert.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon empfahl nun eine Begrenzung für Untersuchungen auf sechs Monate sowie Militärgerichtsbarkeiten an Ort und Stelle. Außerdem sollten die Länder DNA-Proben ihrer Blauhelmsoldaten zur Verfügung stellen. Die USA bereiten eine UNO-Resolution vor, die diese Vorschläge unterstützen soll. Darüber könnte der UNO-Sicherheitsrat laut Diplomaten am 11. März beraten.

Probleme seit 20 Jahren

Das Problem sexueller Gewalt durch Blauhelme in Krisenregionen hält die UNO bereits seit mindestens zwei Jahrzehnten fest im Griff. Erst Ende Jänner hatten Missbrauchsvorwürfe gegen in der Zentralafrikanischen Republik stationierte Soldaten aus der EU für Entsetzen gesorgt. Mädchen aus der ZAR, damals zwischen 14 und 16 Jahren alt, gaben gegenüber einem UNO-Team an, sie seien von Soldaten der europäischen Militärmission EUFOR RCA (European Forces Republic of Central Africa) für Sex bezahlt oder vergewaltigt worden.

Eine Siebenjährige berichtete, sie habe für Oralsex mit Soldaten der französischen Militärmission eine Flasche Wasser und eine Packung Kekse bekommen. Das Mädchen und ein neunjähriger Bursche gaben an, auch andere Kinder seien von französischen Soldaten missbraucht worden. Die Vorwürfe von drei Mädchen richten sich gegen Georgier.

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