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Die Rückkehr der „bewüteten“ Katzen

„Die Menschheit ist gerade auf sechs Emotionen eingedampft worden“, hat das IT-Blog Tech Crunch zum Start neuer Emojis auf Facebook am Mittwoch gefeixt. Tatsächlich wird die Möglichkeit, per Klick mehr als „Like“ sagen zu können, das Interagieren von Millionen Menschen im Web nachhaltig ändern. Für Facebook selbst aber nicht: Am Ende ist doch wieder alles „Like“. Vorerst.

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Die Webwelt war wegen der neuen „Vielfalt“ (neben „Like“ nun auch „Liebe“, „Haha“, „Wow“, „Traurig“ und „Wütend“) am Mittwoch so aus dem Häuschen, dass der - allerdings ziemlich gut versteckte - Hinweis auf die weiterhin im Hintergrund aufrechte „Gefällt mir“-Ausweglosigkeit unterging: „Anfangs“ werde man aus jeder angeklickten Reaktionsmöglichkeit „schließen, dass man mehr Postings von dieser Art sehen will“, schrieb Produktverantwortliche Sammi Krug im Firmenblog.

Du magst keine Katzen? - Da hast Du Katzen

„Am Anfang wird es keinen Unterschied machen, ob jemandem ein Posting gefällt, er es ‚wowt‘ oder ‚traurigt‘“, so Krug - und lieferte damit auch gleich die holprigen neuen Verben zum neuen Webhabitus. Das heißt etwa in einer für Facebook demonstrativ hypothetischen Annahme: Wenn jemand auf Facebook alle gesehenen Katzenfotos „bewütet“ („verwütet“?, „anwütet“?), sieht er am Ende noch mehr Katzenfotos in seiner Timeline.

Screenshot Facebook

ORF.at

„Bewüten“ kann Katzenlawinen lostreten

Was für Katzen gilt, gilt naturgemäß auch für alles andere: Egal, wie man auf gesehene oder gelesene Inhalte reagiert, Facebook wird einem nur mehr davon vorlegen. Noch deutlicher wird das bei den zahlenden Kunden des Konzerns sein. Wer etwa auf Facebook beworbene Produkte und auch politische Parteien mit seiner ganzen klickbaren Wut überschütten will, rückt auf den Facebook-Servern zunehmend höher - als Liebhaber der entsprechenden Inhalte.

Auch in Wut und Trauer schlummert Profit

Man darf Facebook allerdings glauben, dass es die verschiedenen Emojis nicht dauerhaft über einen Kamm scheren will - denn in den neuen Icons stecken aus Sicht der Firma vor allem neue Möglichkeiten für Profit. Das will allerdings behutsam eingeführt werden, um Werbekunden nicht zu vergraulen. Diese könnten ja plötzlich erfahren, dass die bisher - in Ermangelung einer Alternative - schweigende Mehrheit ihre Werbung in Wahrheit nicht ausstehen kann.

Aber auch in Wut und Trauer schlummert Profit: „Ich finde, man sollte uns die Möglichkeit geben, das zum Erreichen unserer Zielgruppen zu nützen“, meinte etwa der IT-Werbespezialist Jonathan Maxus gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters und verwies auf den US-Wahlkampf von Demokratin Hillary Clinton und Republikaner Donald Trump: „Wenn ich Hillary wäre, wäre ich begeistert von der Möglichkeit, Leute zu erreichen, die Trump jetzt gerade nicht ausstehen können.“

„Jahrelange“ Entwicklungsarbeit?

Finanzielle Überlegungen stehen wohl auch hinter der fortgesetzten Abwesenheit eines seit Jahren von Usern eingeforderten „Gefällt mir nicht“-Buttons: Wenn jemandem etwas einfach nicht gefällt, würde auch Facebook sich schwertun, seinen Werbekunden zu erklären, dass sich Anzeigen bei diesem User lohnen. Ohnehin ist Facebooks Erklärung, man habe die Emojis, nachdem man den Usern „jahrelang zugehört“ habe, eingeführt, fadenscheinig.

Mark Zuckerberg, Facebook-Chef

APA/AFP/Josh Edelson

Zuckerbergs Mannschaft will den Usern „jahrelang zugehört“ haben

Dass „jahrelange“ Entwicklungsarbeit in den neuen Emojis stecken soll, kann man nur ungläubig „bewowen“: Zumindest gleichen sie für Laien jenen, die der kleine Facebook-Konkurrent Path schon 2012 einführte. Damit bleibt Facebook immerhin seiner - durch Klagen von Anfang an belegten - Taktik treu, sich immer wieder einmal von Ideen vormaliger Mitstreiter „inspirieren“ zu lassen. Auch Path-Gründer Dave Morin war früher ein Weggefährte von Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

Wo kann man hier Kommentare „wowen“?

Ein ziemlich verräterisches Indiz dafür, dass es Facebook nicht wirklich darum geht, seinen Usern mehr Ausdrucksmöglichkeiten zu verleihen, sieht jeder User auf seinem eigenen Account: Wer auf Diskussionen und Reaktionen unter einem Posting reagieren will, kann weiterhin nur „liken“. Schließlich wäre an dieser Stelle eine profitable Auswertung für Facebook nicht möglich, müsste man doch die Inhalte der jeweiligen Postings lesen. Das kann man nun mögen oder „traurigen“ - aber nicht per Mausklick auf Facebook.

Lukas Zimmer, ORF.at

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