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Vorhut für großangelegten Einsatz?

Seit Tagen wird über eine mögliche Ausweitung des Einsatzes gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf Libyen spekuliert. In der Nacht auf Freitag nahm die US-Luftwaffe nun Ziele in dem nordafrikanischen Land ins Visier: Das Pentagon bestätigte einen entsprechenden Bericht der „New York Times“ („NYT“).

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Als Ziel wurde unter anderen der Tunesier Noureddine Chouchane genannt, der mit Terroranschlägen in der tunesischen Hauptstadt Tunis und am Strand von Sousse in Verbindung gebracht wird. Über den Erfolg des Angriffs machte das Pentagon zunächst keine Angaben. „Wir machen uns ein Bild über den Erfolg der Operation“, sagte ein Sprecher. „Dieser Luftschlag zeigt, dass wir den IS bekämpfen, wo immer das nötig ist, und dabei alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen“, sagte er weiter.

Agenturberichten zufolge wurden bei dem Angriff auf ein Haus in der westlibyschen Stadt Sabrata insgesamt rund 40 Menschen getötet. Ein weiterer Angriff galt einem nahe der tunesischen Grenze gelegenen IS-Trainingscamp, wie Nachrichtenagenturen unter Berufung auf das US-Militär berichteten.

Angriff erfolgte in der Nacht auf Freitag

Der gegen 3.30 Uhr (Ortszeit, 1.30 Uhr MEZ) geflogene Angriff in Sabrata wurde auch vom Bürgermeister der Stadt, Hussein al-Thwadi, bestätigt. Das Haus, in dem sich mutmaßliche und zum Großteil aus Tunesien stammende IS-Kämpfer aufgehalten haben sollen, befinde sich in dem vor allem von Ausländern bewohnten Bezirk Kasr Talil. Thwadi zufolge hätten Regierungsvertreter den Ort des Geschehens besichtigt. In dem Gebäude seien Waffen gefunden worden. Details nannte er nicht.

Sabrata liegt nahe der Grenze zu Tunesien und gilt als Gebiet im Einflussbereich des IS. Tunesische Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass IS-Kämpfer aus ihrem Land in Lagern bei Sabrata ausgebildet worden seien. Tunesien war im Vorjahr Ziel mehrerer dem IS zugeschriebener Terrorattacken. Allein bei einem Anschlag auf ein Hotel im Badeort Sousse und dem Nationalmuseum in Tunis wurden Dutzende Menschen getötet. Von der „NYT“ wurde Chouchane in diesem Zusammenhang als möglicher Drahtzieher bezeichnet.

Spezialkräfte mehrerer Länder in Libyen

Es handelt sich nicht um den ersten US-Luftangriff gegen den IS in Libyen. Erst im November des Vorjahres wurde US-Angaben zufolge der dortige IS-Chef Abu Nabil bei einem Luftangriff getötet. Mittlerweile steht neben den Einsätzen im Irak, in Syrien, Mali und anderen Staaten auch eine Ausweitung des US-geführten Anti-IS-Einsatzes auf Libyen im Raum. Der IS kontrolliert in Libyen bereits große Gebiete und weitete zuletzt seinen Machtbereich aus. Als Voraussetzung für einen Kriegseinsatz galt bisher eine Hilfsanforderung einer anerkannten libyschen Regierung.

Karte von Libyen

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/polgeonow.com

Nach Informationen französischer und britischer Medien bereiten die USA, Frankreich und Großbritannien bereits seit Monaten Luftangriffe gegen IS-Ableger in Libyen vor. Die Aufklärung erfolge mit Satelliten, Drohnen und bemannten Flugzeugen. So sollen bereits im November 2015 Rafale des französischen Flugzeugträgers „Charles de Gaulle“ auf dem Weg zum Syrien-Einsatz über Libyen Aufklärungseinsätze geflogen haben.

AP-Angaben zufolge waren in den vergangenen Monaten US-Spezialkräfte immer wieder zu Aufklärungseinsätzen im Land. Unterstützt worden seien diese von Spezialeinheiten aus Großbritannien, Frankreich und Italien.

Fünf Jahre Chaos und Gewalt

Fast fünf Jahre nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi mit Unterstützung westlicher Staaten herrscht in Libyen Chaos. Interne Konflikte und bewaffnete Auseinandersetzungen verhindern den Übergang zu einer stabilen Demokratie. Der Staat ist praktisch zerfallen.

Es haben sich zwei konkurrierende Regierungen und zwei Parlamente mit Sitz in Tripolis und in Tobruk gebildet, beide werden in ihren jeweiligen Machtbereichen von eigenen Milizen gestützt. Die Terrormiliz IS hat im Norden größere Gebiete erobert und versucht eine Expansion zu Ölfördergebieten im Süden. Dazu kommen weitere Milizen in anderen Regionen.

Die Vereinten Nationen versuchen bisher vergeblich, das Land zu stabilisieren. So wurde eine Vereinbarung über die Bildung einer Einheitsregierung der beiden rivalisierenden Regierungen vermittelt, die jedoch bisher nicht zustande kam. Extremisten wie der IS nutzen die Lage zum Ausbau ihres Einflusses.

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