Virus breitet sich in Lateinamerika aus
Die Gesundheitsbehörden stehen beim Kampf gegen das Zika-Virus vor neuen Herausforderungen. In den USA wurde erstmals eine durch ungeschützten Sex erfolgte Zika-Infektion gemeldet. Der Patient (oder die Patientin) habe sich beim Sex mit einem Menschen infiziert, der aus einem vom Virus stark betroffenen Land zurückgekehrt war, meldete die Gesundheitsbehörde in Dallas (Texas) am Dienstag.
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„Jetzt wissen wir, dass das Zika-Virus durch Sex übertragen werden kann“, sagte Zachary Thompson, Direktor der texanischen Gesundheitsbehörde. Das Land und das Geschlecht der Betroffenen nannte Thompson nicht. Auch die US-Seuchenschutzbehörde CDC meldete, derzeit Zika-Fällen nachzugehen, die mit Sexualkontakten zu tun haben könnten.
In einem Fall wurde das Virus laut der Zeitung „New York Times“ („NYT“) von einem US-Forscher, der sich in Afrika aufgehalten hatte, auf seine Frau übertragen. Ob es sich dabei um den in Texas gemeldeten Fall handelt, ist noch unklar. In einem weiteren Fall wurde das Virus im Sperma eines Mannes nachgewiesen, während es jedoch im Rest des Körpers nicht nachweisbar war.
Anstieg an Schädelfehlbildungen in Brasilien
In Brasilien steigt unterdessen die Zahl der bestätigten Schädelfehlbildungen bei Babys. Es ist das bisher am stärksten betroffene Land. Wie das Gesundheitsministerium am Dienstagabend mitteilte, sei die Zahl von 270 auf 404 gestiegen. In 17 Fällen konnte nachgewiesen werden, dass sich schwangere Frauen zuvor mit dem Zika-Virus infiziert haben. Zuvor waren es sechs Fälle gewesen. Zudem werden derzeit noch 3.670 Fälle mit einem Verdacht auf Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) untersucht.
Das von Stechmücken übertragene Virus steht im Verdacht, durch eine Infektion von Schwangeren bei Neugeborenen Schädelfehlbildungen zu verursachen. Experten gingen zuvor bereits davon aus, dass Zika auch durch ungeschützten Sex übertragen werden kann. Am Montag rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen globalen Gesundheitsnotstand aus. Bisher tauchte das Virus innerhalb weniger Monate in 26 Ländern Lateinamerikas auf.
Sorge vor Olympischen Spielen
Sechs Monate vor den Olympischen Spielen in Brasilien sorgt der Gesundheitsnotstand für große Verunsicherung. Gastgeber Brasilien empfahl Schwangeren, die Spiele im August zu meiden. Für Athleten und andere Besucher bestehe aber keine Gefahr, sagte der Stabschef des Präsidialamtes, Jaques Wagner, vor Journalisten. Auch die WHO riet Frauen mit Blick auf die Olympischen Spiele zur Vorsicht: „Nutzen Sie die Empfängnisverhütung, wenn Sie zu den Spielen reisen“, sagte WHO-Experte Anthony Costello.
Die WHO betonte gleichzeitig erneut, dass die Gefährlichkeit des Erregers nicht mit dem oft tödlichen Ebola-Virus vergleichbar sei. Die Einstufung als internationaler Gesundheitsnotfall soll dem Kampf gegen das Zika-Virus laut WHO einen neuen Schub verleihen. Eines der Hauptprobleme sei das Fehlen eines zuverlässigen Tests, sagte ein WHO-Sprecher. „Wir wissen nicht, wann ein Mensch infiziert ist.“
Schwierige Diagnose
Nun kommt es der WHO zufolge darauf an, bei den mehreren tausend Verdachtsfällen von möglichen Schädelfehlbindungen in Brasilien genau festzustellen, ob es sich tatsächlich um Mikrozephalie handelt. Das könne Monate dauern. Die Diagnose des Zika-Erregers sei schwierig, sagte WHO-Mikrozepahlie-Experte Costello.
Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) hält einen langfristigen Plan für die Bekämpfung des Erregers für nötig. Die Organisation wies darauf hin, dass Zika gerade die Armen treffe. „Die meisten Brutstätten der Moskitos sind dort zu finden, wo es keine richtigen Sanitäranlagen gibt und wo es schmutzig ist“, sagte IFRC-Sprecher Benoit Matsha-Carpentier.
Erstmals war der Erreger 1947 im Zika-Wald in Uganda entdeckt worden. Normalerweise löst es grippeähnliche Symptome oder Hautausschlag aus, nicht jeder Infizierte erkrankt. Das Zika-Virus wird vor allem von der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) übertragen. Mikrozephalie kann aber auch andere Ursachen haben, zum Beispiel Röteln während der Schwangerschaft.
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