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„Brauchen koordinierte Antwort“

Hauptsächlich in Südamerika gibt es mittlerweile Tausende Fälle und Verdachtsfälle von Infektionen mit dem Zika-Virus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht offenbar akute Gefahr im Verzug - und erklärte deshalb am Montagabend nach einer Expertenrunde in Genf den globalen Gesundheitsnotstand.

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Es bestehe eine räumliche und zeitliche Verbindung zwischen dem Auftreten des von Mücken übertragenen Virus und dem von Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie), sagte WHO-Direktorin Margaret Chan. Eindeutig bewiesen sei ein Zusammenhang allerdings noch nicht, trotzdem betonte Chan: „Wir brauchen eine koordinierte internationale Antwort.“ Das gelte nicht zuletzt für weitere Aufklärungsarbeit über den Schutz vor der Infektion. „Wenn wir bis zum wissenschaftlichen Beweis warten, werden die Menschen uns Untätigkeit vorwerfen“, so Chan.

Österreich beträfen die Warnungen nicht bis kaum. „Wir sind von Zika-Virus-Infektionen nicht betroffen“, sagte Montagabend die Sektionsleiterin für Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium, Pamela Rendi-Wagner, gegenüber der APA.

Das letzte Mal wegen Ebola

Zuletzt hatte die Sonderbehörde der UNO im August 2014 wegen des Ebola-Virus in Westafrika den globalen Notstand erklärt, zuvor - ebenfalls 2014 - wegen der Ausbreitung der Kinderlähmung und 2009 wegen der Schweinegrippe (H1N1).

Sinn der Maßnahme ist, dass auch Staaten außerhalb der unmittelbar betroffenen Gebiete dazu aufgefordert werden können, Maßnahmen einzuleiten, die eine Ausbreitung des Erregers bzw. Überträgers verhindern sollen. Das Virus ist Verursacher des Zika-Fiebers und wurde das erste Mal in Ostafrika entdeckt.

Für Schwangere sehr gefährlich

Das Virus führt bei etwa 20 Prozent der Infizierten zu grippeähnlichen Symptomen und verläuft im Normalfall nicht tödlich. Schwangere können das Virus allerdings auf ihre ungeborenen Kinder übertragen - bei ihnen steht es im Verdacht, Mikrozephalie auszulösen: Babys kommen dann mit einem viel zu kleinen Kopf auf die Welt, Folge sind oftmals Behinderungen oder neurologische Störungen. Allein in Brasilien wurden bis zuletzt über 4.000 Verdachtsfälle auf Schädelfehlbildungen registriert. Inzwischen soll deshalb dort laut der Zeitung „Folha de Sao Paulo“ die Zahl der Abtreibungen - aus Angst - gestiegen sein.

Immer mehr Fälle in Südamerika

In Brasilien, dem bisher am stärksten betroffenen Land, gehen die Behörden von insgesamt 500.000 bis 1,5 Millionen Verdachtsfällen einer Infektion mit dem Virus aus. Da viele Menschen nicht merken, dass sie infiziert sind, ist eine genaue Einschätzung der Lage schwierig. Auch das kolumbianische Gesundheitsministerium stellte einen starken Anstieg der Infektionen bei schwangeren Frauen im Land fest.

In den vergangenen Tagen sei die Zahl von knapp 900 auf über 2.100 Verdachtsfälle gestiegen. Davon seien über 170 durch Labore bestätigt worden, bei den anderen gebe es Symptome, die auf eine Infektion schließen ließen. „Man muss sagen, dass sich innerhalb kurzer Zeit die Zahl verdoppelt hat“, sagte der für Übertragungskrankheiten zuständige stellvertretende Direktor im Gesundheitsministerium, Diego Garcia, dem Radiosender RCN.

Warnung vor „explosionsartiger“ Ausbreitung

WHO-Chefin Chan warnte in der vergangenen Woche vor einer „explosionsartigen“ Ausbreitung der Epidemie in Süd- und Mittelamerika. Ihre Organisation rechnet mit drei bis vier Millionen Fällen in diesem Jahr. Inzwischen wurde das Virus aber auch in Nordamerika, Europa und Indonesien diagnostiziert. Das ursprünglich 1947 im ostafrikanischen Uganda entdeckte Virus war bis zum Auftauchen in Lateinamerika kaum verbreitet. Überträger sind Tigermücken, die auch Dengue-Fieber übertragen können.

Derzeit gibt es keine wirksame Therapie gegen eine Erkrankung, und die Entwicklung eines Impfstoffs dürfte laut WHO mehr als ein Jahr dauern. Allerdings wollen die USA und Brasilien eine solche nun forcieren, wie US-Präsident Barack Obama und Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff in einem Telefonat vereinbarten.

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