„Nischenbetriebe haben gute Chancen“
Nach der Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran steht der dortige Markt westlichen bzw. auch österreichischen Firmen nun offen - es gibt Investitionsrückstau in allen Bereichen. Vor zehn Jahren, also vor der Verhängung der Wirtschaftssanktionen, lieferten heimische Firmen Waren im Wert von 400 Mio. Euro. Auf diese Summe wollen es die österreichischen Unternehmen in einem ersten Schritt wieder bringen.
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Unmittelbar nach dem Durchbruch bei den Iran-Verhandlungen war dazu eine hochrangige Delegation um Bundespräsident Heinz Fischer, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP), Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl (ÖVP) zu Besuch in der Islamischen Republik. Zudem in Teheran dabei war eine große Wirtschafts-, Kultur- und Wissenschaftsdelegation, insgesamt 240 Personen. Ausgegebenes Ziel: das Handelsvolumen wieder deutlich steigern und eine Milliarde Euro erreichen.
OMV will „jetzt Turbo aufdrehen“
Umsetzen werden das wohl Unternehmen aller Art und Größe: Ein prominentes Beispiel ist der Öl- und Gaskonzern OMV, der sich gute Chancen ausrechnet. Die OMV setzt auf den Iran, auch weil die Produktionskosten dort niedrig sind - selbst bei einem Ölpreis von 15 bis 20 Dollar kann man in der Islamischen Republik noch gute Geschäfte machen. Die Aufhebung der Sanktionen sei „eine fantastische Nachricht, wir werden jetzt den Turbo aufdrehen“, sagte OMV-Sprecher Johannes Vetter, man setze auf ein „neues Stadium der Gespräche“.
Markt „direkt bearbeiten“
Auch der Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann schmiedet Pläne für einen Einstieg in den Handel im Iran. Einerseits beliefere das niederösterreichische Unternehmen die großen Ölfelddienstleister wie Schlumberger und die vor einem Zusammenschluss stehenden Konzerne Halliburton und Baker Hughes. Andererseits wolle man den Markt „auch direkt bearbeiten“, sagte ein Firmensprecher. Zuerst seien im Iran allerdings hohe Investitionen notwendig, um die Produktion wieder hochzufahren.

Corbis/Michel Setboun
Die iranische Hauptstadt Teheran ist eine pulsierende Metropole
Auch der Anlagenbauer Andritz sieht nach eigenen Angaben Potenzial für neue Projekte. In der Vergangenheit seien mit dem Iran etwa zehn bis 20 Mio. Euro Umsatz gemacht worden, sagte ein Sprecher. Der steirische Konzern baut Anlagen für die Papierindustrie sowie Turbinen und Generatoren für Wasserkraftwerke.
Auch einige „Beobachter“
Der Kranhersteller Palfinger äußerte sich zurückhaltender und erklärte, man wolle vorerst abwarten und „nicht von heute auf morgen“ in dem Land einsteigen. „Wir werden den Markt in den nächsten Monaten beobachten“, sagte ein Sprecher. Palfinger musste vor Jahren Kritik einstecken, weil von der Firma gebaute Kräne bei Hinrichtungen im Iran eingesetzt wurden. Ebenso abwartend äußerte sich die voestalpine: Man wolle zunächst die Diskussion weiter „beobachten“, aber erst über eine künftige Geschäftstätigkeit entscheiden, wie Konzernsprecher Peter Felsbach erklärte.
Der Iran braucht fast alles
Nachgefragt sind im Iran derzeit praktisch Importgüter aller Art. Sanktionsbedingt gab es in den letzten Jahren kaum Investitionen, die Industrie ist veraltet, es werden Maschinen und moderne Technologien benötigt. Aufholbedarf gibt es auch bei der Infrastruktur. Der Iran braucht Straßen und Eisenbahnverbindungen ebenso wie Kraftwerke. Chancen haben Firmen auch im Bereich Umwelttechnologie und im Gesundheitswesen.
Nachholbedarf hat aber auch die iranische Bevölkerung. Nachgefragt werden Konsumgüter ebenso wie Pharmaprodukte. „Betriebe, die stark in Marktnischen aktiv seien, haben besonders gute Chancen“, erklärte Friedrich Mostböck, Chefanalyst der Erste Bank, gegenüber dem Ö1-Mittagsjournal - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Corbis/Manca Juvan
Im Iran gibt es eine enorme Vielfalt an Investitionsmöglichkeiten
Für heuer ist jedenfalls eine Reihe weiterer Marktsondierungen geplant. Demnächst organisiert das Außenwirtschaftscenter Teheran in Kooperation mit dem Internationalisierungscenter Steiermark (ICS) eine Iran-Reise mit den Schwerpunkten Automotive, Industrie und Infrastruktur.
Bildungssektor als Hoffnungsgebiet
Auch der Bildungssektor gilt als Hoffnungsgebiet - immerhin fließt ein Fünftel der iranischen Staatsausgaben in diesen Sektor. Im Rahmen der Internationalisierungsoffensive go-international gibt es deshalb Ende Februar eine Marktsondierung in Teheran zum Thema Bildung, Aus- und Weiterbildung. Bei der Messe „Project Iran 2016“ im April ist die österreichische Baubranche mit einer Gruppenausstellung vertreten.
Die Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen dürfte auch die Nachfrage nach Flügen zwischen Österreich und dem Iran steigen lassen. Das sehen auch die Austrian Airlines (AUA) so und kündigten bereits Ende November an, mehr Flugverbindungen in den Iran anzubieten. Derzeit fliegt die AUA jeden Abend nach Teheran, ab 11. März werde zusätzlich auch ein Morgenflug angeboten, sagte AUA-Sprecher Peter Thier. Neu ins Programm aufgenommen wird die Handelsstadt Isfahan, die ab 4. April viermal pro Woche angeflogen werden soll.
Erste internationale Großkonzerne
Auch Betriebe in Deutschland machen sich bereit für den Gang in den Iran. Als einer der ersten deutschen Großkonzerne stieß der Autobauer Daimler konkrete Projekte für sein Nutzfahrzeuggeschäft im Iran an. Man wolle voll in den iranischen Markt einsteigen, wie das Unternehmen am Montag in Stuttgart mitteilte - natürlich unter Berücksichtigung fortbestehender Vorschriften. Dafür habe Daimler Absichtserklärungen mit den lokalen Kooperationspartnern unterzeichnet.
Zuletzt gab Transportminister Abbas Achundi bekannt, dass der Iran 114 Airbus-Flugzeuge bestellt habe. Die Maschinen würden allmählich geliefert und eingesetzt, sagte der Minister am Samstag iranischen Medien. Besonders die zivile Luftfahrtgesellschaft des Iran litt in den letzten zehn Jahren unter den Wirtschaftssanktionen. Die Modernisierung der zivilen Luftfahrt gehört daher zu den Prioritäten der Regierung nach der Implementierung des Atomabkommens.
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