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Bildung als Politbaustelle

Unterschiedliche Reaktionen hat die Veröffentlichung der OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ ausgelöst. Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) und die Arbeiterkammer (AK) warnten vor einer Täuschung durch die statistisch höhere „Akademikerquote“ und bemängelten die geringe Bildungsmobilität. Die ÖVP hob die geringe private Finanzierung hervor, NEOS generell die „Unterfinanzierung“.

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Laut der Studie gelingt der Bildungsaufstieg in Österreich im OECD-Vergleich nur selten. Nur 21 Prozent der jungen Erwachsenen erreichen einen höheren Abschluss als ihre Eltern (OECD-Schnitt: 32 Prozent).

Bildungsreform soll „Vererbung“ zurückdrängen

Die sogar OECD-weit geringste Aufwärtsmobilität gibt es in Österreich auf tertiärer Ebene, wo nur elf Prozent (OECD-Mittelwert: 22 Prozent) der 25- bis 34-Jährigen den höchsten Abschluss der Eltern durch einen Hochschulabschluss übertreffen.

Mit der sogenannten Aufwärts- und Abwärtsmobilität in engem Zusammenhang steht für Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), dass in Österreich das erreichte Bildungslevel immer noch sehr stark davon abhängt, welchen Bildungsabschluss die Eltern haben. In den vergangene Woche präsentierten Plänen zur Bildungsreform sind laut Heinisch-Hosek aber einige Maßnahmen enthalten, mit denen die „Bildungsvererbung“ zurückgedrängt werden könnte.

AK will „gesamtnationale Bildungsstrategie“

Die Kritik der OECD in diesem Punkt beschäftigt auch die ÖH: „Die Struktur in Österreich lässt nicht zu, dass Menschen, die ins Hochschulsystem wollen, auch dahin gelangen. Vielmehr bleibt das Glück der Geburt ausschlaggebend.“ Ähnlich äußerte sich AK-Präsident Rudolf Kaske: „Wir müssen bei der Bildung alle mitnehmen.“

Er forderte dazu eine „gesamtnationale Bildungsstrategie“ und eine Schulfinanzierung nach sozialen Kriterien, bei der Schulen umso mehr Mittel bekommen, je mehr Schüler sie haben, denen die Eltern selbst nicht beim Lernen helfen können. Außerdem will Kaske mehr verschränkte Ganztagsschulen und die Ermöglichung der Einrichtung von Modellregionen zur gemeinsamen Schule in ganzen Bundesländern.

Mehr private Mittel als Chance?

ÖVP-Wissenschaftssprecher Karlheinz Töchterle sieht in der Studie einen weiteren Beleg für den geringen Privatanteil bei der Finanzierung von Wissenschaft und Forschung. Dem werde mit dem am Dienstag im Ministerrat beschlossenen Gemeinnützigkeitspaket begegnet. „Das bringt die Chance, die Forschungsinvestitionen durch den gemeinnützigen Sektor erheblich zu steigern.“

Die grüne Wissenschaftssprecherin, Sigrid Maurer, forderte dagegen, „die chronische Unterfinanzierung der Universitäten vielmehr durch höhere öffentliche Ausgaben zu beheben“. „Private Mittel können immer nur ein Ad-on zu einer soliden öffentlichen Basisfinanzierung sein“, so Maurer in einer Aussendung.

NEOS und IV sehen Handlungsbedarf

NEOS forderte generell Investitionen in den Bildungsbereich. In Österreich würden im Gegensatz zur OECD immer geringere Anteile des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den Schul- bzw. Hochschulbereich investiert. Die Industriellenvereinigung (IV) ortete „dringenden Handlungsbedarf“ in Sachen Bildungsausgaben. Das investierte Geld komme „nicht ausreichend bei den Schülerinnen und Schülern an, sondern versickert in der unübersichtlichen Schulverwaltungsstruktur“, betonte Generalsekretär Christoph Neumayer. „Alarmierend“ seien auch heuer wieder die Zahlen zu Bildungsmobilität und Bildungsaufstieg.

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