Rettungsaktion mit internationaler Hilfe
Eine Woche nach den Anschlägen von Paris haben mutmaßliche Dschihadisten am Freitag ein Luxushotel in Malis Hauptstadt Bamako angegriffen und etwa 170 Menschen in ihre Gewalt gebracht. Mindestens 18 Menschen kamen ums Leben, auch zwei Angreifer sollen getötet worden sein. Das verlautete aus ausländischen Sicherheitskreisen. Ein UNO-Vertreter berichtete, UNO-Soldaten hätten rund 27 Leichen gesehen.
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In den oberen Stockwerken des Hotels halten sich nach Angaben des malischen Sicherheitsministeriums immer noch islamistische Angreifer verschanzt. Alle Geiseln, die zuletzt noch in der Hand der Angreifer gewesen seien, seien jedoch in Sicherheit, sagte der malische Regierungsvertreter Amadou Sangho am Freitagnachmittag dem französischenSender BFMTV. „Diese Menschen sind unter dem Schutz der zivilen Behörden.“ Nach Angaben aus malischen Sicherheitskreisen wurden 22 Geiseln getötet.
Eine belgische Regionalverwaltung erklärte, einer ihrer Beamten sei im Radisson ums Leben gekommen, die Nationalität der anderen Opfer ist noch unklar. Laut einer Mitteilung des Konzerns Rezidor, der das Hotel Radisson Blu im Zentrum von Bamako betreibt, befanden sich zum Zeitpunkt des Angriffs 140 Gäste und 30 Angestellte in dem Hotel. Die Angreifer hätten einige Geiseln freigelassen, weil sie Verse aus dem Koran rezitieren konnten, verlautete aus den Sicherheitskreisen.

APA/EPA/Africable Television
Das Radisson-Blu-Hotel wurde Ziel des blutigen Anschlags
Al-Kaida-nahe Gruppen bekennen sich
Nach Angaben aus Sicherheitskreisen gelangten die Angreifer am Freitag in der Früh in einem Auto mit Diplomatenkennzeichen auf das Hotelgelände, eröffneten anschließend in der siebenten Etage das Feuer und riefen Augenzeugen zufolge „Allahu akbar“ (Gott ist groß). Eine befreite Geisel sagte, die Angreifer hätten Englisch miteinander gesprochen. Zwei mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Gruppen bekannten sich Medienberichten zufolge zu dem Anschlag.
Geiselnahme in Luxushotel
Dschihadisten stürmten in der Früh das Luxushotel Radisson Blu in der Hauptstadt Bamako. Die Terroristen konnten stundenlang Menschen in ihrer Gewalt halten.
Auch die mauretanische Nachrichtenseite Al-Akhbar berichtete, verantwortlich seien die Terrorgruppen Al-Murabitun und Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQIM). In der Erklärung heißt es demnach, Bedingung für die Freilassung der Geiseln in einem Luxushotel sei die Befreiung von Glaubenskämpfern aus Gefängnissen in Bamako.
Schweres Gewehrfeuer in Hotelgebäude
Ebenso unklar war, wie viele Angreifer das von internationalen Gästen gut besuchte Hotel am Freitagvormittag stürmten. Laut Regierung und Hotelkette handelt es sich bei den Geiselnehmern um „zwei oder drei“ Attentäter. In Sicherheitskreisen war von bis zu zehn Männern die Rede. Augenzeugen berichteten von schwerem Gewehrfeuer aus dem Gebäude.

APA/EPA
Malische Sicherheitskräfte stürmten das Hotel zu Mittag
Das Hotel mit rund 190 Zimmern liegt westlich des Stadtzentrums in einem Viertel, in dem sich auch mehrere Ministerien und Botschaftsgebäude befinden. Die Polizei sperrte die Gegend weiträumig ab.
Unter den Geiseln befanden sich nach aktuellen Angaben Franzosen, Deutsche, Türken, Algerier, Chinesen und Inder. Hinweise auf österreichische Geiseln oder Todesopfer lagen nach Angaben des Außenministeriums nicht vor. Auch sieben Bundesheersoldaten, die als Teil der EU-Ausbildungsmission EUTM in Bamako sind, sind laut Verteidigungsministerium in Sicherheit. Insgesamt befinden sich derzeit laut Angaben des Außenministeriums 25 Österreicher in Mali. Mit den meisten Österreichern sei die zuständige Botschaft in Dakar im Senegal in Kontakt.

APA/ORF.at
Internationale Spezialeinheiten beteiligt
An dem Einsatz waren einem CNN-Bericht zufolge auch US-Spezialeinheiten und französische Einsatzkräfte beteiligt. Frankreichs Präsident Francois Hollande kündigte an, sein Land werde alles tun, um die Geiseln in Sicherheit zu bringen. In einer Pressekonferenz erklärte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius, dass sein Land „alle notwendigen Schritte“ einleiten werde, um die Angreifer zu bekämpfen. In der französischen Botschaft wurde ein Krisenstab eingerichtet.
Extremisten wollen Mali destabilisieren
Seit Jahren terrorisieren radikale Islamisten wie Al-Kaida die Bevölkerung Malis. Derzeit wacht eine UNO-Mission über den Frieden - mit Anschlägen wollen Extremisten das Land wieder destabilsieren.
Frankreich hatte 2013 einen Militäreinsatz gegen Islamisten in der ehemaligen französischen Kolonie angeführt und ist derzeit noch mit Spezialkräften in dem Land vertreten. Weitere 50 Anti-Terror-Spezialisten der französischen Polizei sollten sich nun nach Angaben der Polizei auf den Weg nach Bamako machen. Malis Präsident Ibrahim Boubacar Keita beendete einen Kurzbesuch im Tschad vorzeitig und kehrte nach Bamako zurück.
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Angiff scharf. Er sprach am Freitag in New York von einem „abscheulichen Terrorangriff“ und zeigte sich „besorgt“, weil der Angriff zu einem Zeitpunkt komme, an dem Mali „große Fortschritte“ im Friedensprozess zwischen der Regierung und den Tuareg-Rebellen im Norden des Landes mache.
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