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Unternehmen stellt sich auf Sparkurs ein

Die Stimmung sei „scheiße“ gewesen, haben Teilnehmer an der Aufsichtsratssitzung des Volkswagen-Konzerns am Montag berichtet. Während bekanntwurde, dass allein in Deutschland auf über eine halbe Million Autos gröbere Umbauten zukommen, suchte die Konzernleitung in der Zentrale in Wolfsburg einen Weg aus der Krise. Zumindest in einem Punkt dürfte das Treffen einen Durchbruch gebracht haben.

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Volkswagen-Chef Matthias Müller und der mächtige Betriebsratschef Bernd Osterloh wollen nach Unstimmigkeiten um die Bewältigung der Abgaskrise nun doch zusammenarbeiten. Die beiden hätten sich am Montag auf das weitere Vorgehen zur Investitions- und Auslastungsplanung verständigt, teilte der Konzern im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung mit. Bis zur nächsten Sitzung des Kontrollgremiums am 20. November soll es daher eine Reihe von Gesprächen zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretung geben, „um einen gemeinsamen Weg für die Zukunft des Unternehmens zu bestimmen“.

Versöhnter Betriebsratschef

Osterloh hatte den Vorstand am Freitag scharf kritisiert und ihm Verstöße gegen die Mitbestimmung vorgeworfen. Er kritisierte, das Management verkünde Sparmaßnahmen einseitig und lasse den Betriebsrat dabei bewusst außen vor. „Wir erleben derzeit, wie der Vorstand agiert und dabei die Interessen der Beschäftigten vollkommen außer Acht lässt“, sagte Osterloh zu Reuters.

Ganz anders klang der mächtige Arbeitnehmervertreter am Montag: „Matthias Müller wird sich persönlich um die Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Betriebsrat kümmern. Dies ist ein starkes Signal für die Belegschaft“, betonte Osterloh. Die Herausforderungen der Abgaskrise seien „enorm, aber die Belegschaft steht hinter dem Unternehmen, sofern es uns gelingt, eine ausgewogene Planung zwischen Investitionen, Sparmaßnahmen und Zukunftsprojekten zu verabreden“.

Nichts Neues zum Ermittlungsstand

Nichts Neues wurde vorerst über den Ermittlungsstand bei der Aufklärung des Abgasskandals bekannt. Die mit der Suche nach den Verantwortlichen beauftragte Anwaltskanzlei Jones Day habe dem 20-köpfigen Kontrollrat zwar ihre bisherigen Erkenntnisse vorgetragen, sagte ein Insider. Zwischenstände würden jedoch nicht veröffentlicht. Bisher sollen sieben Manager suspendiert worden sein.

Europas größter Autokonzern steckt in der tiefsten Krise seiner Geschichte, seitdem bekannt ist, dass in großem Stil Dieselabgaswerte manipuliert wurden. In Europa ruft Volkswagen deshalb 8,5 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten. VW räumte zudem ein, dass bei 800.000 Fahrzeugen zu niedrige CO2-Werte angegeben und damit falsche Versprechen beim Verbrauch gemacht wurden. Weltweit ermitteln Behörden gegen den Konzern, Anwälte sammeln Munition für Schadenersatzforderungen.

Bei zahlreichen Autos reicht Softwareupdate nicht

Zugleich wurde am Montag bekannt, dass wegen des VW-Abgasskandals wohl bei 540.000 Dieselfahrzeugen in Deutschland größere technische Änderungen als ein Austausch der manipulierten Software nötig werden. Davon sei nach Angaben des deutschen Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) derzeit auszugehen, teilte das deutsche Verkehrsministerium am Montag mit. Die Rahmenbedingungen für diese Hardwareänderungen sollen den betroffenen Wagenhaltern von VW mitgeteilt werden.

Hintergrund ist der vom KBA angeordnete verbindliche Rückruf für insgesamt 2,4 Millionen Fahrzeuge in Deutschland, der Anfang 2016 beginnen soll. Dabei geht es um verschiedene Modelle. VW hatte bereits mitgeteilt, dass für Autos mit einem Hubraum von 2,0 Litern reine Softwarelösungen reichen sollen. Bei anderen Modellen sind darüber hinaus Anpassungen in der Motortechnik nötig, also Eingriffe nicht nur über die Programmierung.

Keine Gutscheine in Österreich und Deutschland

Einkaufsgutscheine wie sie Kunden in den USA erhalten, will der Konzern Betroffenen in Deutschland, Österreich und anderen europäischen Ländern aber zunächst nicht bieten. Die Möglichkeit, getäuschte Kunden über Gutscheine zu entschädigen, gelte „ausschließlich für die USA und Kanada“, sagte ein VW-Sprecher am Montag in Wolfsburg in Deutschland.

VW entwickle individuell für jeden Markt ein „Maßnahmenpaket“ für Kunden, um auf den Manipulationsskandal zu reagieren. Wie Lösungen in Deutschland aussehen könnten, stimmt VW laut dem Sprecher derzeit mit den Behörden ab. Der Konzern bestätigte am Montag, dass Betroffene in den USA Gutscheine im Wert von bis zu 1.000 Dollar erhalten werden. 500 Dollar könnten in VW-Autohäusern eingelöst werden, der Rest sei als Prepaid-Guthaben beim Kreditkartenanbieter Visa frei verfügbar, hieß es. Darüber hinaus will Volkswagen drei Jahre lang rund um die Uhr kostenlos Pannenhilfe anbieten.

Müller-Brief an Finanzministerium

In Österreich will VW offenbar auf Kunden und Händler zugehen. Mögliche höhere Steuern, die aus den falsch angegebenen Emissionswerten resultieren könnten, will VW übernehmen. Der neue VW-Chef Müller schrieb dazu einen Brief an alle 28 EU-Finanzminister. Im österreichischen Finanzministerium wurde am Sonntag gegenüber der APA bestätigt, dass VW Kontakt aufgenommen habe.

In Österreich erfolgt die Besteuerung des CO2-Ausstoßes über die Normverbrauchsabgabe (NoVA). Diese wird vom Autohändler eingehoben, der daher auch abgabenpflichtig ist - im Falle einer Steuernachzahlung ist daher der Händler der Ansprechpartner für die Finanzbehörden. Rund 60 Prozent der VW-Händler in Österreich stehen aber ohnehin im Besitz des deutschen Autokonzerns. Anders ist das bei Eigenimporten, hier haftet der Autobesitzer, der das Auto eingeführt hat.

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