Weg aus demografischer Sackgasse
China hat offiziell das Ende seiner umstrittenen Einkindpolitik verkündet. Von nun an dürften alle Paare mit staatlicher Erlaubnis zwei Kinder bekommen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag. Der Beschluss wurde bei einem viertägigen Treffen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) gefasst.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Experten warnten bereits seit Längerem, das Land manövriere sich mit seiner Einkindpolitik in eine demografische Sackgasse. Auch wegen Zwangsmaßnahmen, etwa der Abtreibung „staatlich unerwünschter“ Kinder selbst bei vorgerückter Schwangerschaft, wurde die Familienpolitik immer wieder kritisiert. Zuletzt wurde die Beschränkung zunehmend gelockert.
China beendet Einkindpolitik
Ab jetzt dürfen Paare mit staatlicher Erlaubnis zwei Kinder bekommen. Die Einkindpolitik wurde Ende der 70er Jahre eingeführt, um das explosionsartige Bevölkerungswachstum zu stoppen.
Im November 2013 hatte die Kommunistische Partei die Vorgaben zur Geburtenkontrolle geändert. Danach durften Paare, von denen ein Partner bereits aus einer Einkindfamilie stammt, zwei Kinder haben. Zuvor gab es bereits Ausnahmen, unter anderem für ethnische Minderheiten und für Bauern. Nun wurde sie auch offiziell zugunsten einer Zweikindpolitik aufgehoben.
Überalterung der Gesellschaft
Die Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften hatte laut früheren Medienberichten eine Zweikindlösung als Antwort auf die Alterung der Gesellschaft und eine fallende Geburtenquote vorgeschlagen. China ist mit 1,34 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Erde. Die Einführung der Einkindpolitik vor mehr als drei Jahrzehnten hatte nach amtlichen Schätzungen zu rund 400 Millionen weniger Geburten geführt.
Männerüberschuss und „kleine Kaiser“
Eine weitere Folge der Einkindpolitik war ein Geschlechterungleichgewicht, da in China traditionell Söhne bevorzugt werden. Mit der Aufhebung der Regel soll die gezielte Abtreibung weiblicher Föten bekämpft werden. Zwar sind Ultraschalluntersuchungen nicht erlaubt, trotzdem werden Mädchen häufig abgetrieben, weil Buben traditionell bevorzugt werden. Töchter wechseln mit der Heirat in die Familie des Ehemanns.
Mittlerweile kommen in China bei der Geburt 1,15 Buben auf ein Mädchen - das natürliche Verhältnis wäre 1,05 zu 1. In der Altersgruppe bis 14 Jahre kommen gar 1,17 Buben auf ein Mädchen. Eine zuvor nicht bedachte Folge der Einkindpolitik waren verwöhnte, als „kleine Kaiser“ bekannte Einzelkinder, die laut Studien weniger lebenstüchtig sind. Auch gibt es mittlerweile einen starken Männerüberschuss, schon heute finden viele Männer keine Frau mehr.
Diese Entwicklung gibt auch dem Mädchenhandel aus den Nachbarländern Auftrieb. Dabei werden junge Frauen etwa aus Vietnam, Laos und Kambodscha von Kriminellen entführt oder von ihren Verwandten an Menschenhändlerbanden verkauft und dann in China zwangsverheiratet.
1979 eingeführt
Die Einkindpolitik war wegen diverser Ungerechtigkeiten schon lange sehr umstritten. Sie wurde 1979 eingeführt, um eine Bevölkerungsexplosion zu verhindern. Das wachsende Riesenvolk musste ernährt und die knappen Ressourcen geschützt werden. Daher entschloss sich die Staatsführung zu dem drastischen Schritt.
Dank zahlreicher Ausnahmen traf die Beschränkung auf ein Kind zuletzt nur auf ein Drittel der Familien zu. Gewitzte Chinesen fanden häufig auch Wege, die Beschränkungen zu umgehen. Wer genug Geld hat, zahlt häufig einfach die Strafen, die bei einem zweiten Kind verhängt werden.
Link: