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Spannendes Warten auf Wahlschluss

Die Landtags-, Gemeinderats- und Bürgermeisterdirektwahlen in Oberösterreich stoßen auf großes Interesse. In vielen Sprengeln berichten die Wahlbeisitzer von einem großen Andrang. Auch fast alle Spitzenkandidaten haben bereits gewählt - und zeigten sich dabei von nervös bis bestens gelaunt.

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Um 16.00 Uhr schließen die letzten Wahllokale, dann werden auch die ersten Hochrechnungen veröffentlicht. Das Endergebnis soll laut Landeswahlbehörde ab 20.00 Uhr vorliegen. Es beinhaltet bereits die - schon am Sonntag ausgezählte - Briefwahl und sonstige Wahlkarten - mehr dazu in ooe.ORF.at.

Daten zur Wahl

Hintergründe und Daten zur Wahl im ORF.at-Wahlschwerpunkt Wahl ’15.

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In den Heimatgemeinden der Spitzenkandidaten Josef Pühringer (ÖVP), Traun, und Manfred Haimbuchner (FPÖ), Steinhaus bei Wels, war am Vormittag von einer hohen und sogar höheren Wahlbeteiligung als bei der letzten Wahl die Rede. 2009 gingen 80,35 Prozent der Wahlberechtigten zu den Urnen.

Pühringer „nicht blauäugig“

Landeshauptmann Pühringer gab seine Stimme am Vormittag im Altersheim Traun ab. Er kam zu Fuß in Begleitung seiner Ehefrau und seines Sohnes zum Wahllokal im örtlichen Altersheim. Er habe gut geschlafen und plane, nach der Stimmabgabe in den Gottesdienst, danach zum Stammtisch und anschließend mit der Familie Mittagessen zu gehen, sagte der Landeshauptmann.

Tag der Entscheidung in Oberösterreich

Rund 1,1 Millionen Menschen sind heute in Oberösterreich wahlberechtigt. Laut Umfragen kann die FPÖ mit deutlichen Zugewinnen rechnen.

Was den Wahlausgang betrifft, hoffe er, dass die Wähler eine oberösterreichische Entscheidung treffen. Er wisse, dass die FPÖ großen Nutzen aus der Asyldebatte gezogen habe. „Ich kann das nicht ändern.“ Wenn man mit Verunsicherung und Angst arbeite, könne man leichter punkten, sagte Pühringer.

„Ich bin aber nicht blauäugig - blau schon gar nicht!“ Nach seiner persönlichen Schmerzensgrenze für einen Rücktritt gefragt, sagte er, dass er eine habe, diese aber nicht verrate. Der heutige Tag sei jedenfalls der herausforderndste Wahltag seines politischen Lebens.

ÖVP-Spitzenkandidat Landeshauptmann Josef Pühringer

APA/Helmut Fohringer

Betonte Zuversicht: Landeshauptmann Josef Pühringer bei der Stimmabgabe

Keine Koalitionsvariante kategorisch ausgeschlossen

Haimbuchner erschien ausnehmend gut gelaunt in einem Wahllokal in seiner Heimatgemeinde Steinhaus bei Wels. Der blaue Spitzenkandidat war davor noch als Beisitzer tätig. „Ich rechne mit einem fulminanten Erfolg“, zeigte sich Haimbuchner siegessicher. Danach ging er mit seiner Ehefrau ins Wirtshaus zum Frühschoppen.

Die FPÖ wurde von der ÖVP im Wahlkampf zwar frontal attackiert und immer wieder gewarnt, sich nicht selbst auszugrenzen, dezidiert ausgeschlossen hat die Volkspartei eine Zusammenarbeit aber nicht. Rot-Blau bzw. Blau-Rot scheint wenig wahrscheinlich. Zum einen hat SPÖ-Chef Reinhold Entholzer nach längerem Hin und Her einen Trennstrich zu den Freiheitlichen gezogen, zum anderen ist ungewiss, ob sich überhaupt eine Mehrheit ausgehen würde.

FPÖ-Spitzenkandidat Manfred Haimbuchner

APA/Herbert Neubauer

Haimbuchner rechnet mit „fulminantem Sieg“

Die ÖVP hatte 2009 zugelegt und 46,8 Prozent eingefahren, heuer muss die Partei mit Langzeit-Landeshauptmann Pühringer an der Spitze um den Vierer an der Zehnerstelle zittern. Knapp könnte auch das Rennen um Platz zwei zwischen SPÖ und FPÖ werden.

Wahlkampf bis zur letzten Minute

Die Grünen und ihr Spitzenkandidat Rudi Anschober müssen immer noch um den Erhalt seines Landesratspostens bangen. Deshalb wollte Anschober auch noch bis in die Morgenstunden wahlkämpfen. „Es war der kämpferischste Wahlkampf der Grünen. Er war eine enorme Herausforderung, da die Flüchtlingsfrage alles überdeckt hat“, so Anschober.

Daher stand am Vormittag Erholung an, bevor er zu Mittag seine Stimme in der Volksschule Steyregg abgab. Danach pflanzt er traditionell Bäume in seinem Garten. Diesmal vier, weil es heuer seine vierte Landtagswahl ist: eine Ulme, eine Eiche und zwei Buchen. „Grün wächst sicher an diesem Sonntag, so wie meine Wahlbäume“, sagte Anschober.

Grünen-Spitzenkandidat Rudi Anschober

APA/Herbert Neubauer

Rudi Anschober pflanzte nach der Stimmabgabe vier Bäume

SPÖ-Spitzenkandidat Entholzer verzichtete auf die mediengerechte Stimmabgabe am Wahlsonntag. Er hat sich den Sonntag frei gehalten, um in „heiklen Gemeinden“ - so Landesgeschäftsführer Peter Binder - noch letzte Wähler zu mobilisieren. Entholzer gab seine Stimme bereits vergangene Woche ab. Er habe „die erste Gelegenheit genutzt und sich daher für die Briefwahl entschieden.“

NEOS mit Judith Raab an der Spitze nannte den Einzug in den Landtag als Maß für den Erfolg. Raab will den Tag im Kreise ihrer Familie verbringen, nach dem Mittagessen geht es für sie ab ins Landhaus - „für die nächsten sechs Jahre“, gibt sie sich siegessicher. Mit der Frage eines Scheiterns habe sie sich nicht beschäftigt, so Raab bei der Stimmabgabe.

NEOS-Spitzenkandidatin Judith Raab

APA/Helmut Fohringer

Judith Raab (NEOS) denkt nicht ans Scheitern

Viele Kleinparteien und Namenslisten

Zusätzlich zum Landtag wählen die Oberösterreicher am 27. September auch Gemeinderat und Bürgermeister. Die ÖVP kandidiert in allen 442 Kommunen für den Gemeinderat, die SPÖ in 415, die FPÖ in 384. Die Grünen treten in 121 Orten an und NEOS in 18. In 75 Gemeinden gehen Kleinparteien und Namenslisten an den Start, in manchen sogar mehrere, wodurch landesweit insgesamt 92 „Sonstige“ zusammenkommen.

TV- und Radiohinweis

Am Wahlsonntag beginnt Radio Oberösterreich mit der Wahlberichterstattung um 15.04 Uhr mit einer mehrstündigen Sondersendung, ORF2 berichtet ab 15.55 Uhr. Die erste Hochrechnung wird um 16.00 Uhr veröffentlicht - mehr dazu in ooe.ORF.at

Das Angebot an die Stimmberechtigten ist je nach Gemeinde recht unterschiedlich: In drei Orten steht nur die ÖVP auf dem Stimmzettel, der längste umfasst acht Listen. Bei der Bürgermeisterdirektwahl kann man in 119 Gemeinden als Alternative zum einzigen Kandidaten nur „Nein“ ankreuzen. Das größte Gerangel um den Stadtchefsessel herrscht in Linz, wo sieben Kandidaten antreten.

Fast 1,1 Mio. Wahlberechtigte

Oberösterreich war bei den letzten Urnengängen das einzige Bundesland Österreichs, das noch eine Wahlbeteiligung von (knapp) mehr als 80 Prozent auswies. 2009 nahmen 80,35 Prozent der zur Landtagswahl Aufgerufenen ihr Wahlrecht wahr. Heuer sind für den Landtag 1.094.497 Österreicher ab 16 Jahren wahlberechtigt. Bei den Kommunalwahlen kommen noch 60.587 Bürger aus anderen EU-Staaten dazu, macht insgesamt 1.155.084 Wahlberechtigte.

Wahlgrafik

ORF

Die Ergebnisse der Landtagswahl 2009

Schon bis Donnerstag habe bereits jeder Zehnte im Land per Briefwahl abgestimmt, hieß es von der Landeswahlbehörde. Bis zu 15 Prozent Wahlkartenwähler werden heuer erwartet. Noch nie zuvor gab es so viele Anträge und auch so einen hohen Rücklauf - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Am 11. Oktober folgt noch eine zweite, kleine Wahlrunde: Jene Bürgermeister, die nicht auf Anhieb die absolute Mehrheit erringen, müssen in die Stichwahl.

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