10.000 Decken angefordert
Das Bundesheer hat in der Nacht von Donnerstag auf Freitag mit dem Aufbau von Militärzelten in Nickelsdorf im Burgenland begonnen. In der Nacht hatten erneut Tausende Flüchtlinge die Grenze passiert. Für die Versorgung forderte das Rote Kreuz 10.000 Decken an. Das Bundesheer hält Fahrzeuge für den Transport von Flüchtlingen bereit.
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Bis zum Freitagnachmittag entspannte sich die Lage vorerst leicht. „Es sind noch einige 100 Menschen hier“, sagte Polizeisprecher Helmut Marban. Die Flüchtlinge sollten in den kommenden Stunden nach Wien weiter transportiert werden. In den kommenden Stunden dürften aber auch erneut Tausende Menschen den Grenzübergang erreichen.
Zuvor waren im Laufe der Nacht und des Tages bis zum Freitagnachmittag rund 5.000 Flüchtlinge in Nickelsdorf eingetroffen. Diese Zahl nannte die Landespolizeidirektion Burgenland. Die Flüchtlinge waren mit Zügen gekommen und hatten zu Fuß die Grenze passiert - mehr dazu in burgenland.ORF.at.
„Wir denken in Zehntausender-Dimensionen“
Die Einsatzkräfte standen im Dauereinsatz, um die ankommenden Menschen zu versorgen. Das Rote Kreuz forderte 10.000 Decken an. „Wir machen das jetzt wirklich in großen Dimensionen über unsere Logistiker. Wir denken da in Zehntausender-Dimensionen momentan“, sagte der Sprecher Tobias Mindler. Benötigte Ressourcen kämen entweder aus anderen Bundesländern oder aus Beständen des Bundes.
ORF-Korrespondenten zur Flüchtlingslage
ORF-Reporterin Dorrottya Kelemen meldet sich aus Budapest und spricht über die Lage der Flüchtlinge an Ort und Stelle. Andreas Herbst berichtet aus Nickelsdorf.
Die Situation werde sich laut Polizei in den nächsten Tagen nicht ändern. „Wir rechnen damit und haben Prognosen, dass dieser Zustand länger anhalten wird“, sagte auch Mindler. Dahingehend arbeite man schon im Hintergrund an der Nachschubversorgung. Nach wie vor gebe es auch viele freiwillige Helfer aus der Bevölkerung, so Mindler.
Bundesheer stellt weitere Hilfeleistungen bereit
Das Bundesheer begann unterdessen mit dem Aufbau von 40 Militärzelten in Nickelsdorf. Darin können sich bis zu 2.000 Flüchtlinge aufhalten und sich so vor Regen und Wind schützen. Darüber hinaus bietet das Militär weitere Hilfe an. In Kasernen in Wien, Hörsching und Salzburg können bis zu 1.100 Flüchtlinge vorübergehend untergebracht werden - mehr dazu in wien.ORF.at und salzburg.ORF.at.

ORF/Andreas Herbst
Militärzelte zum Schutz vor Regen und Wind
Fahrzeuge für den Transport von bis zu 1.300 Personen hält das Bundesheer bereit. Im Großraum Wien hat das Bundesheer die Möglichkeit, bis zu 4.000 Flüchtlinge am Tag mit Essen zu versorgen. Diese Unterstützung wurde dem Innenministerium angeboten und kann jederzeit abgerufen werden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Temporäre Notquartiere gebe es in der Van-Swieten-Kaserne in Wien-Stammersdorf, am Fliegerhorst Vogler in Hörsching und in der Schwarzenberg-Kaserne in Salzburg.
Kein Zugsverkehr nach Ungarn am Wochenende
Der Zugsverkehr nach Ungarn wird auch am Wochenende aufgrund von Überlastung ausgesetzt bleiben. Durch diese Maßnahme habe sich die Situation auf den großen Wiener Bahnhöfen stabilisiert. Das sei wichtig, um den Bahnbetrieb aufrechtzuerhalten. Bereits ein einziger überfüllter Bahnhof könne zum Erliegen des gesamten Bahnverkehrs führen. Tickets nach Ungarn werden auch weiterhin nicht verkauft.

ORF/Andreas Herbst
Das Rote Kreuz hat alle Hände voll zu tun
Aufgrund des die Kapazitäten übersteigenden Zulaufs ersuchen die ÖBB freiwillige Helfer und Busunternehmen, keine weiteren Reisenden an die Bahnhöfe zu bringen. Für Freitag sind zu den regulären Zügen sechs Garnituren vom Osten Österreichs nach Deutschland geplant. Die Deutsche Bahn hat sich bereit erklärt, diese zu übernehmen. Die Shuttlezüge von Nickelsdorf zum Wiener Westbahnhof würden am Freitag nicht mehr geführt, sagte Bahn-Sprecher Michael Braun.
Die Bahn arbeite mit Hochdruck daran, einen stabilen Zugsverkehr aufrechtzuerhalten. Weiterhin sind alle Zugkapazitäten und die Mitarbeiterressourcen im Einsatz, die Kapazitätsgrenzen sind derzeit erreicht, so die ÖBB. Fahrgäste können die üblichen fahrplanmäßigen Züge wie in den letzten Tagen benützen.
Grenzübergang vorübergehend gesperrt
Freitagfrüh war der Grenzübergang Nickelsdorf auf der Ostautobahn (A4) vorübergehend aus Sicherheitsgründen für den Verkehr gesperrt worden. Der starke Menschenansturm im Grenzbereich machte laut ASFINAG die Sperre beider Richtungen um 7.00 Uhr notwendig. Gegen 9.00 Uhr wurde der Grenzübergang in Fahrtrichtung Ungarn wieder geöffnet, nach Österreich blieb die Sperre vorerst aufrecht. Die ASFINAG bat, auf Personen auf der Fahrbahn zu achten. Entsprechend galt eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 60 km/h.

ORF/Alexandra Strobl
Tausende warten in Nickelsdorf auf die Weiterfahrt
Nickelsdorfer Bürgermeister kritisiert Bund
Von einer „Eskalation“ in Nickelsdorf sprach am Freitag Bürgermeister Gerhard Zapfl (SPÖ) in einem offenen Brief an Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). Eine „wahre Völkerwanderung“ führe im Ort zu „großer Sorge und Angst“: „Diese Entwicklung war absehbar“, politische Entscheidungsträger auf Bundesebene hätten nichts in der nötigen Form entgegengesetzt - mehr dazu in burgenland.ORF.at.
Flüchtlinge auch im Südburgenland
Erstmals überquerte am Freitag eine größere Flüchtlingsgruppe auch im Südburgenland im Bezirk Güssing die Grenze. Momentan seien in Moschendorf in einer Halle etwa 100 Flüchtlinge untergebracht, sagte Hans Peter Polzer vom Roten Kreuz. Polzer verwies auf Auskünfte der Polizei, wonach mit 1.000 Menschen zu rechnen sei, die sich noch auf ungarischem Staatsgebiet befinden - mehr dazu in burgenland.ORF.at.
Auch in Oberösterreich sprach die Polizei am Freitag vom bisher stärksten Tag für die Einsatzkräfte. Bereits in der vergangenen Nacht wurde Linz wieder zu einem Übergangsquartier für 380 Menschen. Am Nachmittag wurden in Wels rund 25 Busse erwartet. Die deutschen Behörden erlauben nämlich eine Einreise nur mit regulären Zügen. Ein Teil der Menschen konnte bereits am Freitag in Wels auf Züge umsteigen, um Richtung Deutschland zu fahren. Für die restlichen Flüchtlinge werden am Welser Messegelände Notquartiere zur Verfügung gestellt - mehr dazu in ooe.ORF.at.
Hunderte warten in Budapest
Trotz der Einstellung des Zugverkehrs zwischen Österreich und Ungarn hofften Hunderte auf dem Budapester Keleti-Bahnhof auf eine Ausreisemöglichkeit. Familien mit kleinen Kindern drängten sich laut dpa-Reportern an Ort und Stelle vor den Bahnsteigen, zumeist Kriegsflüchtlinge aus Syrien. Andere seien erschöpft auf dem Boden gelegen. Freiwillige Helfer versorgten die Wartenden mit Lebensmitteln und Kleidung.
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