Blutproben von verletzten Kurden
Der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) hat nach Informationen der „Bild“-Zeitung (Montag-Ausgabe) Beweise für den Einsatz von Senfgas durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gegen Kurden im Nordirak. BND-Mitarbeiter hätten im Kampf verletzte Kurden geborgen und anhand von Blutproben in den vergangenen Wochen den Giftgaseinsatz belegen können, berichtete die Zeitung.
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„Wir haben Erkenntnisse darüber, dass der IS im Nordirak Senfgas gegen Kurden eingesetzt hat“, zitierte die „Bild“ BND-Chef Gerhard Schindler. Es stamme entweder aus alten Beständen des früheren irakischen Machthabers Saddam Hussein - „oder die Islamisten haben es geschafft, nach der Einnahme der Universität von Mossul mit den dort vorhandenen Chemielaboren selbst Giftgas zu produzieren“, so Schindler: „Beides ist plausibel.“
Westliche Geheimdienste gehen nach Informationen der Tageszeitung „Die Welt“ bereits seit Monaten davon aus, dass die IS-Extremisten über chemische Kampfstoffe verfügen. Sie sollen zumindest teilweise auch aus Restbeständen der syrischen Regierung stammen. Man fordere von der internationalen Koalition Ausrüstung zum Schutz vor solchen Angriffen.
Gerüchte über Giftgas
Mitte August hatte das Verteidigungsministerium in Berlin erklärt, von der Bundeswehr ausgebildete Kurden-Kämpfer seien im Nordirak offenbar zum Ziel eines Chemiewaffenangriffs geworden. So habe es am 11. August in Orn Sultan Abdullah südwestlich von Erbil im Nordirak einen IS-Angriff mit Mörsergranaten auf Stellungen der kurdischen Peschmerga gegeben. Rund ein Dutzend Kämpfer hätten anschließend an Verätzungen der Haut und Blasenbildung gelitten, was auf einen Einsatz von Chlor- oder Senfgas hindeute.
Senf- und Chlorgas
Senfgas verätzt die Haut und lässt sie Blasen schlagen. Damit benetzte Oberflächen können über Wochen und Monate eine Gefahr darstellen. Chlorgas dagegen ist sehr flüchtig und gilt daher als weniger gefährlich.
Deutschland unterstützt seit September vergangenen Jahres den Kampf der kurdischen Peschmerga gegen den IS mit Waffen und Schulungen. Rund 90 Angehörige der deutschen Bundeswehr sind für die Ausbildungsmission im Nordirak. Der „Welt“ zufolge wird schon seit Längerem vor Angriffen des IS mit chemischen Waffen gewarnt. Die Terroristen hätten nicht nur Giftgas erbeutet, sondern verfügten auch über „Produktionsstätten für chemische Waffeneinheiten“, hieß es in den Analysen unter Berufung auf Geheimdienstinformationen.
USA gehen neuen Hinweisen nach
Das „Wall Street Journal“ („WSJ“) hatte bereits vor einigen Wochen unter Berufung auf US-Regierungskreise berichtet, der IS habe im Kampf gegen die Kurden wohl erstmals Senfgas eingesetzt. Anders als Chlor, dessen Einsatz dem IS im Irak schon mehrmals zugeschrieben wurde, zählt Senfgas zu den verbotenen chemischen Kampfstoffen. US-General Kevin Killea sagte, der Test einiger Munitionsfragmente in einem Kampfgebiet im Nordirak habe Spuren von Senfgas ergeben. Killea betonte aber, diese Tests seien vorläufig.
„Wir werden herausfinden, was es war, wie viel davon möglicherweise verwendet wurde und woher es stammt“, sagte der General und fügte hinzu, zwar sei wichtig, zu wissen, welche Kampfstoffe verwendet werden: „Aber aus unserer Sicht brauchen wir keinen neuen Grund, den IS zu jagen und seine Kämpfer zu töten, wo und wann immer wir das können.“
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