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„Noch viel Arbeit“

Bis in die frühen Morgenstunden des Freitags haben die EU-Staats- und -Regierungschefs in Brüssel über die Verteilung von Flüchtlingen gestritten. Eine von Österreich gewünschte verpflichtende Quote zur Verteilung sei „im ersten Schritt nicht erreichbar gewesen“, sagte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) nach Ende der Beratungen.

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Der Gipfel habe aber vereinbart, dass 60.000 Schutzbedürftige in der EU verteilt werden - 40.000, die bereits in Europa sind, und 20.000, die wahrscheinlich aus Syrien kommen. „Es war eine sehr umfassende und ausführliche Diskussion mit vielen Unterschieden und Kontroversen“, sagte Faymann.

Merkel: Größte Herausforderung für Europa

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sieht im Flüchtlingsproblem die größte Herausforderung für die Europäische Union in ihrer Amtszeit. Merkel sagte Freitagfrüh in Brüssel: „Hier sehe ich eine Riesenaufgabe auf uns zukommen.“

Italienischer Premier Renzi und griechischer Premier Tsipras umarmen sich lachend, daneben steht die deutsche Kanzlerin Merkel

APA/AP/Geert Vanden Wijngaert

Trotz zahlreicher Krisen: Tsipras, Renzi und Merkel scherzen auf dem Gipfel miteinander

Die deutsche Regierungschefin begrüßte den Beschluss des EU-Gipfels. Merkel machte wie Faymann klar, dass eine verbindliche Quote zur Verteilung der Flüchtlinge auf die EU-Länder auf dem Gipfel nicht durchsetzbar war. „Deutschland hat ja einen sehr hohen Anteil an den Flüchtlingen in diesem Jahr“, sagte Merkel dazu. „Und trotzdem sind wir - und das ist ja bekannt - eher einer Quotenregelung zugeneigt, als andere Länder das sind. Da wird also noch viel Arbeit sein.“

Ablehnung durch Visegrad-Länder

Die EU-Kommission hatte eine verpflichtende Verteilung von 40.000 Asylwerbern aus Syrien und Eritrea per Quote von Italien und Griechenland auf die anderen EU-Staaten vorgeschlagen. Zusätzlich sollten 20.000 anerkannte Schutzbedürftige aus Drittstaaten freiwillig auf die EU-Staaten verteilt werden.

Die Visegrad-Länder (Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei), die - mit Ausnahme Ungarns - wenige Asylwerber haben, hätten sich vehement gegen eine Verpflichtung eingesetzt, berichtete Faymann von den offenbar sehr kontroversiellen Debatten der Staats- und Regierungschefs. Länder mit Ausnahmen wie Großbritannien, Irland und Dänemark wollten darauf nicht verzichten. Insgesamt hätten sich somit sieben Staaten einer strengeren Formulierung in der Gipfelerklärung widersetzt.

„Verbindlichkeit muss steigen“

Die EU geht damit bei der Flüchtlingspolitik nach Ansicht von Faymann „in die richtige Richtung, aber am Ziel sind wir nicht“. Faymann: „Es hat schon eine sehr ernste Diskussion darüber gegeben, dass die Verbindlichkeit steigen muss.“ Die EU-Kommission werde EU-Länder am Mittelmeer unterstützen, dass dort an „Hotspots“ Fingerabdrücke von Migranten genommen und das Dublin-Abkommen eingehalten werde. Der ungarische Premier Viktor Orban habe ihm gegenüber klargestellt, dass Ungarn nicht vorhabe, das Dublin-Abkommen außer Kraft zu setzen.

Renzi empört

Empört über eine fehlende verbindliche Quote für die Verteilung von Flüchtlingen in Europa zeigte sich Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi. Nach Angaben aus italienischen Regierungskreisen sagte Renzi: „Wenn das Eure Idee von Europa ist, könnt Ihr es behalten, ohne Solidarität verschwendet Ihr unsere Zeit.“ Renzi beharrte demnach auf verpflichtenden Quoten. Den Angaben zufolge sagte Renzi, wenn das Wort „verpflichtend“ nicht im Text enthalten sein soll, könne man es streichen, „wir machen es alleine“.

Juncker vs. Tusk

Während Renzi dem Vernehmen nach von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in der Debatte unterstützt wurde, verteidigte EU-Ratspräsident Donald Tusk einen freiwilligen Ansatz, der im Konsens aller EU-Staaten zu finden sei. Nach Angaben von Diplomaten haben bisher alle EU-Staaten allgemein zugesagt, sich an der Flüchtlingsunterbringung zu beteiligen. Die Details müssen aber noch in schwierigen Verhandlungen der EU-Innenminister geklärt werden. Die nachfolgende luxemburgische EU-Ratspräsidentschaft will das bei einem informellen Innenministerrat am 9. Juli in Luxemburg regeln.

Cameron wirbt für Zugeständnisse

Zur Auflockerung der Migrationsdebatte musste sogar der britische Premierminister David Cameron herhalten, der dem Gipfel zwischenzeitlich seine Pläne für ein britisches EU-Referendum bis 2017 vortrug. Cameron habe lediglich erklärt, dass er einen Diskussionsprozess bis Ende des Jahres wolle, sagte Faymann. „Zugeständnisse gab es darüber hinaus nicht.“

Der britische Premier will unter anderem erreichen, dass das im EU-Vertrag verankerte Ziel einer „immer engeren Union“ nicht mehr für Großbritannien gilt. Außerdem will er „Sozialleistungs-“ und „Wohlfahrtstourismus“ vor allem von EU-Bürgern aus Osteuropa in Großbritannien eindämmen. Nach Angaben der BBC ließ Cameron seine Forderung nach einer EU-Vertragsänderung vor dem EU-Referendum fallen.

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