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Weiterhin unwürdige Arbeitsbedingungen

Der Einsturz des Textilfabriksgebäudes „Rana Plaza“ vor rund zwei Jahren in Bangladesch mit über 1.100 Toten hat nun ein juristisches Nachspiel. Gegen 42 Personen wurde Mordanklage erhoben, sagte Chefermittler Bijoy Krishna Kar am Montag.

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Alle trügen gemeinsam die Verantwortung für die Katastrophe im „Rana Plaza“-Komplex, so Kar. Sollten sie wegen Mordes verurteilt werden, droht ihnen die Todesstrafe. Unter den Angeklagten befinden sich auch der Fabriksbesitzer Sohel Rana und seine Eltern. Rana, der wenige Tage nach dem Unglück an der Grenze zu Indien festgenommen wurde, muss sich auch wegen Verstoßes gegen Bauvorschriften verantworten.

Sohel Rana, der Verhaftete Besitzer der Rana Plaza

AP

Rana (M.) wurde bei dem Versuch, das Land zu verlassen, festgenommen

Weiters angeklagt sind die Manager von sieben Textilunternehmen, die in dem Gebäude ihren Sitz hatten, und zwölf Beamte, die verantwortlich für die Sicherheitskontrollen waren, sagte Kar. Der Chefermittler hatte schon vor einem Jahr die Anklagen wegen Mordes angekündigt. Die Anklageerhebung hatte sich allerdings verzögert, weil es der Zustimmung Dutzender Regierungsbeamter zu dem Verfahren bedurfte.

Mit Schlägen zur Arbeit gezwungen

Beim Einsturz des Fabriksgebäudes in Savar, einem Vorort von Dhaka, starben am 24. April 2013 1.135 Menschen, mehr als 2.500 wurden verletzt. In dem neunstöckigen Gebäude arbeiteten bis zu 5.000 Menschen. Noch kurz vor dem Einsturz hatten sich zahlreiche Arbeiter eigenen Angaben zufolge geweigert, das Gebäude aufgrund von Rissen in der Mauer zu betreten. Den Berichten zufolge sollen die Fabriksbetreiber die Arbeiter mit Stöcken zur Arbeit getrieben haben.

Wer im „Rana Plaza“ produzierte

Zu den Bekleidungsmarken, die im „Rana Plaza“ fertigen ließen, zählen Benetton, Adler Modemärkte, KiK, Carrefour, Mango, Zara, Kappa, C&A, Primark, H&M und viele weitere westliche Marken.

Kurz darauf stürzte das Gebäude ein. Der Komplex war laut den bisherigen Ermittlungen unter dem Gewicht illegal errichteter Stockwerke und schwerer Maschinen eingestürzt. Das Unglück hatte weltweit für Empörung gesorgt, ließen dort doch vor allem US- und europäische Modeketten ihre Kleidung produzieren.

Gebäudesicherheit wird nun überprüft

Die Katastrophe von „Rana Plaza“ brachte zumindest in einigen Bereichen Konsequenzen – allerdings sehr langsam. So gibt es nun offizielle Inspektoren, die Gebäude regelmäßig auf Feuerschutz und Standfestigkeit hin überprüfen. Erst vor wenigen Tagen erklärten diese die ersten beiden Textilfabriken in Bangladesch für sicher. Alle Auflagen zur Arbeitssicherheit seien erfüllt worden, hieß es vonseiten der Organisation Accord über die Feuer- und Gebäudesicherheit in Bangladesch.

Eingestürzte Fabrik in Bangladesh

Reuters/Andrew Biraj

Das Gebäude nach dem Einsturz am 24. April 2013

Diese arbeitet im Auftrag von rund 200 meist europäischen Modekonzernen an der Verbesserung der Arbeitssicherheit in Bangladesch. Einige Fabriken wurden im Zuge der Inspektionen geschlossen. Sicherheitsmängel gibt es vor allem durch schlecht isolierte Elektrokabel, fehlende Notausgänge und einsturzgefährdete Böden durch schwere Maschinen. Gewerkschaften kritisieren, Millionen Arbeiter hätten noch immer keine ausreichenden Arbeitsrechte.

Immer wieder Fabriksbrände und -einstürze

Doch trotz der Kontrollen gab es in den vergangenen Jahren wiederholt Fabriksbrände. Zuletzt brannte in der Nacht auf Montag eine Textilfabrik in Sreepur außerhalb der Hauptstadt Dhaka komplett aus und stürzte in sich zusammen. Verletzt wurde niemand. Örtliche TV-Sender zeigten fast 1.000 Textilarbeiter, die vor der Fabriksruine standen.

Näherinnen in Rana Plaza

Reuters/Andrew Biraj

Bis zu 5.000 Arbeiter nähten für westlicher Modekonzerne im „Rana Plaza“

Das nun zerstörte Gebäude war erst vor einem Jahr von Inspektoren des Aktionsplans für Feuer- und Gebäudesicherheit in Augenschein genommen worden. Die Experten empfahlen unter anderem, Feuerschutztüren und eine Sprinkleranlage einzubauen. Ob der Eigentümer der Fabrik die Maßnahmen auch umsetzte, ist nicht bekannt.

Lohn auf 50 Euro im Monat verdoppelt

Auch der Lohn der Arbeiter wurde nach der „Rana Plaza“-Katastrophe nahezu verdoppelt. Der Mindestlohn in Bangladesch liegt nun bei etwa 50 Euro im Monat. Vor zwei Jahren betrug das Monatsgehalt noch 28 Euro. Dafür arbeiten die Näher jedoch oft sechs Tage die Woche und müssen zusätzlich Überstunden leisten, um auf das Grundgehalt zu kommen.

Drohungen bei Gewerkschaftsgründung

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) kritisierte erst vor wenigen Wochen die weiterhin anhaltenden unwürdigen Arbeitsbedingungen in der Textilbranche in Bangladesch. Die Textilarbeiter litten unter Attacken, sexuellen Beschimpfungen und erzwungenen Überstunden. Zudem gebe es keinen Mutterschutz und häufig verspätete und unvollständige Lohnzahlungen.

Die Menschenrechtsorganisation erkennt die Bemühungen der Regierung und der westlichen Auftraggeber an, die Sicherheit in den Fabriken zu verbessern. Es müsse aber mehr getan werden – etwa für die Rechte der Arbeiter zur Bildung von Gewerkschaften. „Wenn Bangladesch ein zweites ‚Rana Plaza’ verhindern will, muss es seine Arbeitnehmerrechte effektiv durchsetzen“, forderte Phil Robertson von HRW. Denn wer derzeit einen Betriebsrat gründe, müsse mit Drohungen rechnen. Aktuell gibt es laut der Organisation nur in zehn Prozent der Fabriken Betriebsräte.

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