„Beispiellos in der Geschichte des TV“
Die Fähigkeiten zur Cyberkriegsführung im Dunstkreis der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sind bisher offenbar unterschätzt worden. Es brauchte vorletzte Woche über zwei Tage, bis der französische Sender TV5 Monde einigermaßen die Oberhoheit über die eigenen Websites und Sender wiedererlangen konnte. Offenbar wollten die Dschihadisten die gesamte Sendergruppe kapern.
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Senderchef Yves Bigot sagte über das Ausmaß der Attacke vom 9. April, eigentlich hätten die „Cyberpiraten“ vermutlich den Plan gehabt, „die Antennen in Geiselhaft zu nehmen“, um über die Senderstruktur von TV5 Monde ihre Propaganda auszustrahlen. Damit wäre der IS bei TV-Zusehern in über 200 Ländern präsent gewesen und hätte etwa ungehindert Videos seiner grausamen Morde ausstrahlen können.
„Machtvoller“ Angriff
Der Angriff auf seinen Sender sei ebenso „machtvoll wie zielgerichtet“ gewesen und „beispiellos in der Geschichte des Fernsehens“, sagte Bigot. Helene Zemmour, Leiterin der Informationstechnik bei TV5 Monde, bestätigte, durch den Hackerangriff sei die gesamte IT-Infrastruktur des Senders zusammengebrochen. Auch das Intranet und der E-Mail-Verkehr hätten nicht funktioniert. Es dauerte Tage, bis der Sender den geordneten Betrieb wiederhergestellt hatte.

AP/Christophe Ena
Das bewachte Hauptquartier von TV5 Monde
Die französische Regierung forderte nach dem Hackerangriff alle Medien des Landes auf, „wachsam“ zu sein. Man habe es mit „entschlossenen Terroristen“ zu tun, sagte Innenininister Bernard Cazeneuve. Kulturministerin Fleur Pellerin wollte „nicht ausschließen, dass ähnliche Attacken wieder passieren könnten, wenn sie nicht ohnehin schon geplant sind“.
„Ein Stück weiter“ als alles bisher Dagewesene
Der Angriff ist nach Meinung von Sicherheitsexperten die Tat bestens geschulter und vernetzt agierender Profis. „Manche Leute tendieren dazu, dass die Dschihadisten nur (bewaffnete) Terroristen sind, aber das ist überhaupt nicht der Fall: Sie haben beachtliche technische Ressourcen“, warnte etwa der frühere französische Inlandsgeheimdienstchef Daniel Martin, der nun dem Institut für Cyberkriminalität vorsteht. Dabei geht es nicht nur um die Fähigkeit, einen global agierenden Sender lahmlegen zu können.
Das französische Verteidigungsministerium wollte etwa nicht dementieren, dass jene persönlichen Daten von Militärangehörigen und deren Familien authentisch sind, die nach dem Hack auf der Facebook-Seite von TV5 Monde zu sehen waren. Das würde bedeuten, dass sich die Islamisten auch Zugang zu Militärdaten verschafft oder im Militärapparat Verbündete haben. Auch der internationale Terrorismusexperte Gilbert Ramsey warnte, der Angriff auf TV5 Monde gehe ein „Stück weiter“ als alles, was man Terroristen bisher an technischen Fähigkeiten zugetraut habe.
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